Preisträger 2004

Prämiertes Projekt: In-Vitro-Pyrogen-Test ersetzt Tierversuche

Projektpartner: Charles River GmbH | Steinbeis-Transferzentrum In-Vitro Pharmakologie und Toxikologie/Konstanz

Yearbook

Gerade für Intensivpatienten besonders bedeutsam: Mit jeder Spritze könnten Pyrogene in ihre Blutbahnen gelangen, die sie zusätzlich schwächen. Pyrogene sind Stoffe, die in der Blutbahn akut gefährliche Fieberreaktionen, Organversagen und tödliche Schocks auslösen können. Um sicher zu gehen, dass Medikamente pyrogenfrei sind, setzt die Pharmaindustrie seit einigen Jahren vermehrt auf In-Vitro-Tests. 

Im Unterschied zu Infektionen mit lebenden Krankheitserregern gehören zu den Pyrogenen auch die toten Überreste oder isolierten chemischen Strukturen von bakteriellen Erregern. Einer normalen Sterilisierung entziehen sie sich und gefährden dadurch den Menschen. Gesundheitsschäden werden dabei keineswegs nur über Pyrogene in gespritzten Arzneimitteln ausgelöst. Auch über technische und biologische Materialien, wie künstliche Hüften und Implantate oder über die Luft von Klimaanlagen, können die fiebererregenden Stoffe in die Blutbahn des Menschen gelangen. Weil der bisherige Nachweis von Pyrogenen durch Kaninchentests ethisch bedenklich ist, aber bis heute gefordert wird, hat das Steinbeis-Transferzentrum In-Vitro Pharmakologie und Toxikologie mit Sitz an der Universität in Konstanz zusammen mit dem weltweit operierenden US-Unternehmen Charles River Laboratories eine alternative Testmethode entwickelt und vermarktet: den humanen In-Vitro-Pyrogen-Test (IPT). 

Dieser Test simuliert die Fieberreaktion des Menschen im Reagenzglas und detektiert so sämtliche bekannten Pyrogene in Medizinprodukten. 

Mit Hilfe der neuen Methode könnten jährlich allein in Deutschland 80.000 Tierversuche vermieden werden. Gleichzeitig erhöht der Test die Patientensicherheit. Mit Charles River als Lizenznehmer und Wunschpartner hat Steinbeis auch in Zukunft große Pläne. Schon bald soll sich auch die Luftqualität durch In-Vitro-Pyrogen-Tests bestimmen lassen. Dieses Anwendungsgebiet hat vermutlich ein noch weit größeres Marktpotenzial als die Prüfung von Arzneimitteln.