40 Jahre
Veröffentlichungsdatum: 31.12.2023 | 0 Kommentare

Die Zukunft braucht Innovation: Radikal, disruptiv und nachhaltig

Inkrementelle Innovationen lösen die Herausforderungen unserer modernen Welt nicht mehr. Es braucht gÀnzlich neue Ideen.

Die Dampfmaschine ist weithin Synonym fĂŒr die industrielle Revolution. Sie transformiert die Wirtschaft ab dem spĂ€ten 18. Jahrhundert und fĂŒhrt zu einem rasanten Wachstum der Industrie. Die damit verbundenen wesentlichen Technologien wandeln die fossile potenzielle Energie im gĂŒnstigsten Fall in kinetische Energie und ermöglichen direkt wie auch indirekt ĂŒber ElektrizitĂ€t eine immer produktivere Bewegung und Fertigung. Das zog wiederum eine enorm beschleunigte Entwicklung von Technik, ProduktivitĂ€t, Bildung und Wissenschaften und von Innovationen nach sich. So zum Beispiel im Königreich WĂŒrttemberg, in dem im 19. Jahrhundert Ferdinand von Steinbeis als Wirtschaftsförderer wie auch Unternehmerinnen und Unternehmer wie Gottlieb Daimler, Berta und Karl Benz oder Robert Bosch als Innovatoren erfolgreich aktiv sind. Auch heute noch, 200 Jahre spĂ€ter, ist die daraus resultierende tiefgreifende und dauerhafte Umgestaltung durch eine Transformation der sogenannten Industriestaaten im Gange. Die Industrialisierung hat so tiefgreifende Auswirkungen auf Mensch und Natur, dass eine neue geochronologische Erdepoche, das AnthropozĂ€n definiert wurde. Wesentliches Charakteristikum dieses Zeitalters ist, dass der Mensch mit den von ihm geschaffenen und genutzten Technologien zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphĂ€rischen Prozesse der Erde geworden ist. Die Folgen daraus sind zukĂŒnftig möglicherweise beherrschbar, sofern es gelingt, nun Technologien mit den gleichen Konsequenzen dafĂŒr nachhaltig einzusetzen. HierfĂŒr bedarf es Innovatoren und geeigneter Innovationen sowie neuer Technologien. Gleichzeitig hat mit dem Quanten-Computing eine weitere Phase der industriellen Revolution begonnen, die einen wesentlichen Beitrag hierfĂŒr liefern kann, ist sich Professor Dr. Werner G. Faix sicher. Als GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Steinbeis School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) beschĂ€ftigt er sich intensiv mit den Möglichkeiten wie Herausforderungen dieses Zeitalters fĂŒr Wirtschaft und Gesellschaft.

2023: Wo wir stehen

Das Zeitalter des AnthropozÀns ist von vier sogenannten industriellen Revolutionen mit jeweils zunehmendem KomplexitÀtsgrad gekennzeichnet:

  • 1.0 (ab Ende des 18. Jahrhunderts): EinfĂŒhrung mechanischer Produktionsanlagen mithilfe von Wasser- und Dampfkraft
  • 2.0 (ab Beginn des 20. Jahrhunderts): EinfĂŒhrung von arbeitsteiliger Massenproduktion mithilfe elektrischer Energie
  • 3.0 (ab 1965): Einsatz von Elektronik und Informationstechnologie (IT)
  • 4.0 (ab 1990): Internet, Digitalisierung, Einsatz cyberphysikalischer Systeme und kĂŒnstlicher Intelligenz (KI)

Und ich möchte den bisherigen vier eine weitere hinzufĂŒgen:

  • 5.0 (heute): Quantencomputer und die Kopplung von KI und Quanten-Computing

Die zeitliche Einordnung zeigt, dass nicht nur die KomplexitĂ€t, sondern auch die Geschwindigkeit der Entwicklungen drastisch zunimmt – verbunden einerseits mit vielen Chancen und andererseits mit der Verunsicherung vieler Menschen, nicht mehr mitzukommen, was eine Sehnsucht nach dem verklĂ€rten Gestern und der vermeintlich guten alten Zeit verursachen kann. Das AnthropozĂ€n ist außerdem geprĂ€gt durch mehrere Megatrends:

  • Die Erdbevölkerung hat dramatisch zugenommen: Waren es noch im Jahr 1800 rund eine Milliarde Menschen, so leben heute etwa acht Milliarden Menschen. Bis 2050 wird eine Erdbevölkerung von rund neun Milliarden Menschen vorhergesagt.
  • Das Lebensalter der Menschen steigt kontinuierlich – mit Quantencomputer-Medizin wird ein Alter von ĂŒber 100 Jahren prognostiziert. Die Armut nimmt ab.
  • Gleichzeitig haben ĂŒber eine Milliarde Menschen aber immer noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Zahl der FlĂŒchtlinge steigt – zum Teil verursacht durch Konflikte, Kriege und vom Klimawandel verursachte Hungersnöte.
  • Der Ausstoß von Treibhausgasen nimmt immer noch zu und der Klimawandel schreitet fast ungebremst voran. Ursachen sind der steigende Verbrauch fossiler EnergietrĂ€ger, die Rodung und der Brand von WĂ€ldern und dadurch verursacht das Schmelzen des Permafrosts und der Polkappen.
  • Überfischung, ErwĂ€rmung, Versauerung und Salzgehalt-Reduktion der Weltmeere: Das alles könnte zur VerĂ€nderung der Meeresströme, beispielsweise des Golfstroms, fĂŒhren – mit dramatischen Folgen.
  • Wir erleben eine immer schnellere Zerstörung natĂŒrlicher Ökosysteme, die unwiederbringliche Vernichtung biologischer Vielfalt mit einem dramatisch zunehmenden Artensterben.
  • Fruchtbare LandflĂ€chen werden knapp bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach Agrarprodukten.
  • Die Bildung der Menschen ist stark angestiegen, verbunden mit einem zunehmenden Wertewandel hin zu mehr Mitbestimmungsinteresse, Demokratie, Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und Transformationsbereitschaft.
  • Der Anteil der in der Industrieproduktion beschĂ€ftigten Menschen nimmt stĂ€ndig ab, unter anderem aufgrund der Digitalisierung (Industrie 4.0, etc.).

Diese Megatrends verdeutlichen positive Entwicklungen fĂŒr unsere LebensqualitĂ€t, der sprichwörtliche Segen, aber auch sich drastisch zuspitzende, damit einhergehende Probleme – der Fluch als Pendant. Diese Probleme erfordern ein Umdenken hin zu nachhaltiger, zukunftsfĂ€higer Innovation.

Innovation in Deutschland: der Status quo

Eine der ersten „Massen“-Produktionen von 2-Kbit-Computerchips namens „Riesling-Chip“ fand in den 1970er-Jahren bei der Internationalen BĂŒro Maschinen GmbH (IBM, vormals Deutsche Hollerith Gesellschaft) in Sindelfingen statt – der Chip wurde im IBM-Labor in Böblingen entwickelt. Heute mĂŒssen wir mit enormem Subventionsaufwand auslĂ€ndische Chiphersteller zur Medium-Tech-Produktion in Deutschland motivieren. Trotzdem meinen wir, Innovationsweltmeister zu sein. Das mag bei inkrementellen Innovationen mitunter stimmen – nur sind diese heute im internationalen Wettbewerb kein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Joachim Dorfs, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, beschreibt den Zustand Deutschlands und der deutschen Wirtschaft folgendermaßen: „Die Sicherheit wurde an die USA outgesourct, von Russland wurde Energie sehr gĂŒnstig eingekauft und die damit hier produzierten GĂŒter auf dem gewaltigen Markt Chinas verkauft.“

In der Steinbeis-Innovationsstudie haben wir in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl fĂŒr Allgemeine Psychologie und Methodenlehre der Otto-Friedrich-UniversitĂ€t Bamberg die momentane Situation in Deutschland analysiert. Die Metastudie auf Basis der weltweit wichtigsten Innovationsstudien kommt zu diesen Ergebnissen:

  • Deutschland und die deutsche Wirtschaft sind nach wie vor wettbewerbsfĂ€hig und nehmen in allen globalen Innovationsrankings einen Platz unter den Top 10 der Volkswirtschaften ein.
  • Die deutsche Wirtschaft ist Vorreiterin in inkrementellen Innovationen.
  • Das Bildungssystem und die Wissenschaft sind gut bis sehr gut – aber nicht hervorragend/exzellent, wie beispielsweise UniversitĂ€ten und Forschungseinrichtungen in den USA, Großbritannien, der Schweiz oder China.
  • Die deutsche Wirtschaft lebt noch immer vorrangig von UnternehmensgrĂŒndungen, die 100 und mehr Jahre zurĂŒckliegen.
  • Zur Sicherstellung der Wettbewerbs- und InnovationsfĂ€higkeit der deutschen Wirtschaft ist ein deutliches Mehr an Transformationsprozessen sowie an radikalen und disruptiven Innovationen notwendig.
  • Die Verwirklichung der Nachhaltigkeit (klimaneutrale Energie, Nahrung, Wohnung, MobilitĂ€t, etc.) erfordert zusĂ€tzlich viele radikale und disruptive Innovationen und die Gestaltung von entsprechenden Transformationsprozessen.
  • Der Wissens- und Technologietransfer muss in Deutschland mit agilen Prozessen deutlich verbessert werden – Wissenschaft, Unternehmen und Politik sind allesamt stark gefordert.
  • Die Wertschöpfung durch radikale und disruptive Innovationen und damit der Wert der deutschen Unternehmen muss deutlich gesteigert und dem Benchmark US-amerikanischer Unternehmen angepasst werden.
  • Das GrĂŒnder- und Start-up-Szenario in volkswirtschaftlich relevanten Bereichen muss in Deutschland deutlichst gesteigert werden (Förderung von Rahmenbedingungen, Finanzierung, Ansehen, Risikominimierung etc.).
  • Die Clusterbildung in Deutschland und die Etablierung von (internationalen) Netzwerken zur Steigerung der Innovationsleistung muss vorangetrieben und aktiv gestaltet werden.
  • Die unternehmerische Leadership-Verantwortung fĂŒr Innovationen muss Wirklichkeit werden: Vorrangige Aufgabe von FĂŒhrungskrĂ€ften ist Innovation, das Management ist fĂŒr den laufenden Betrieb zustĂ€ndig! Das VerstĂ€ndnis muss vorhanden sein, dass eine Innovation erst dann als eine solche bezeichnet werden kann, wenn eine gute, möglichst radikale oder disruptive Idee wertschöpfende Wirklichkeit geworden ist, das heißt, wenn bei Nutzerinnen und Nutzern und in Folge auch bei Unternehmensgewinn und Unternehmenswert ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen ist.

Gestaltung einer innovativen und nachhaltigen Zukunft: radikal und disruptiv

Mein Credo: Wer innoviert in der Zeit, der kann die Zukunft nachhaltig gestalten. Wer erst in der Zukunft innoviert, dem bleibt keine Zeit! Das Zeitalter des AnthropozĂ€ns ist bis heute dadurch geprĂ€gt, dass die vielfĂ€ltigen Innovationen gleichermaßen Segen und Fluch sind. Zwar hat ein Umdenken stattgefunden, auch dank des Club of Rome, vieler weiterer Initiativen und Bewegungen sowie zahlreicher wissenschaftlicher Erkenntnisse und der fĂŒr viele Menschen spĂŒrbaren Auswirkungen des Klimawandels. Die entsprechend notwendigen VerhaltensĂ€nderungen sind aber leider in realiter noch auf einem stark verbesserungswĂŒrdigen Niveau.

Wir mĂŒssen und wir sollten mit voller Überzeugung und Motivation an einer nachhaltigen, fĂŒr Menschen und Natur guten und lebenswerten Zukunft arbeiten. Dazu bedarf es vielfĂ€ltiger Anstrengungen und VerĂ€nderungen in allen Bereichen. Und dazu ist eine Vielzahl an Technologien und an Innovationen, inkrementelle, aber vor allem radikale und disruptive Innovationen, notwendig. Diese Technologien und Innovationen mĂŒssen von uns Menschen – Menschen mit Bildung, Menschen mit FĂŒhrungskraft – entwickelt und realisiert werden, wo sinnvoll, mit der UnterstĂŒtzung von KI-Systemen und Quantencomputern. Dazu benötigen wir Innovationssysteme wie wir sie in der Abbildung (siehe unten) darstellen.

Ob inkrementell, radikal oder disruptiv – Innovationen haben verschiedene AusprĂ€gungen, die sich im Wesentlichen hinsichtlich ihres Neuheitsgrads, der Art der VerĂ€nderung und des Umfangs ihrer Auswirkungen unterscheiden. Streben inkrementelle Innovationen die Optimierung und Weiterentwicklung von bestehenden Produkten, Dienstleistungen und Prozessen an, zielen radikale und disruptiv wirkende Innovationen auf die Entwicklung gĂ€nzlich neuer Technologien, Systeme oder beispielsweise Produkte ab. Somit orientieren sich diese letztgenannten Innovationsformen nicht an den Leistungsanforderungen und MaßstĂ€ben bestehender Produkte, Funktionen und Wirkungsweisen. FĂŒr die Gestaltung einer nachhaltigen und prosperierenden Zukunft sind vor allem diese radikalen und disruptiven Innovationen notwendig. Etablierte Organisationen sind allerdings nicht der ideale Platz, um qualitativ gute radikale und disruptive Innovationen zu entwickeln und umzusetzen. Gelebtes Entrepreneurship ist viel besser und leistungsfĂ€higer in Innovations-Tochtergesellschaften oder Start-ups wirksam.

Wir mĂŒssen eine Agenda fĂŒr Nachhaltigkeit, Innovation und Bildung in allen Bereichen der Gesellschaft formulieren und realisieren. Dies fĂŒhrt zu nachhaltiger gesellschaftlicher und wirtschaftlicher ProsperitĂ€t, Wettbewerbs- und ZukunftsfĂ€higkeit. Eine solche Agenda bedeutet gleichzeitig eine Agenda fĂŒr nachhaltiges Wachstum! Wirtschaftswachstum beruht in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft vor allem auf der Akkumulation und Verbreitung von Wissen und damit von Forschungs- und Gedankenfreiheit. Der Wissenschafts-Praxis-Transfer fĂŒr die Innovationsentwicklung muss durch ganzheitliche Bildungsprozesse (post- und post-post-gradual) und entsprechende Rahmenbedingungen gefördert werden. Das Ziel: die BefĂ€higung, wissenschaftliche Erkenntnisse in Innovationen umzusetzen. Die Bildung von Nachwuchs-Leadern sowie Innovatorinnen und Innovatoren muss im ĂŒbertragenen Sinne Ferdinand von Steinbeis‘ im Rahmen von ergebnisoffenen realen Innovationsprojekten in den Betrieben und nicht (nur) im Hörsaal erfolgen. Denn dann arbeiten Wissenschaft und Industrie tatsĂ€chlich Hand in Hand und befĂ€higen junge Menschen zur Übernahme von Leadership-Verantwortung.

Innovation braucht Leadership

Leadership bedeutet nach Joseph Schumpeter Verantwortung fĂŒr Innovation und nicht vordergrĂŒndig die FĂŒhrung von Menschen. Entsprechend sollte die Entwicklung von Mitarbeitenden mit Fokus auf Innovationsperformanz, nachhaltige Wertschöpfung und Leadership erfolgen. Eine gute Idee entwickeln ist das eine – eine gute Idee in wertschöpfende und nachhaltige Wirklichkeit umzusetzen erfordert dagegen Leadership. Das fasst unser VerstĂ€ndnis von Leadership an der SIBE zusammen:

“Leadership bedeutet, sich selbst und menschliche Gemeinschaften in offenen, komplexen und dynamischen Situationen unter BerĂŒcksichtigung der Rahmenbedingungen und der kollektiven RationalitĂ€t mit Persönlichkeit vernĂŒnftig, verantwortlich und ethisch in eine nachhaltige, innovative und kreative Zukunft zu fĂŒhren.” (Faix, A.-V., Faix, W. G., Kisgen, S. und Mergenthaler, J., 2019)

Unter „fĂŒhren“ verstehen wir, Ursache dafĂŒr zu sein, dass Menschen ein gemeinsames (neues) Ziel aktiv erreichen wollen. VernĂŒnftig, verantwortlich und ethisch meint, gute (strukturelle) GrĂŒnde zu haben, um eine nachhaltige positive Entwicklung fĂŒr die Gemeinschaft zu gestalten und eine Wert-Stiftung fĂŒr die eigene Gemeinschaft unter Bewahrung der Natur zu erreichen. Das bedeutet, das humanistische Bildungsideal in den eigenen individuellen Möglichkeiten und Zielen zu erfĂŒllen und sollte nicht instrumentalistisch verstanden werden.

In die Zukunft zu fĂŒhren umfasst, diese kreativ zu gestalten und setzt in einer komplexen, dynamischen Welt voraus, eine Vorstellung von möglichen Szenarien der Zukunft und daraus abgeleiteter Ziele zu haben, fĂŒr die man sich verantwortlich fĂŒhlt. Damit die Zukunft nachhaltig, innovativ und kreativ gestaltet ist, mĂŒssen Transformationsprozesse entwickelt werden, die das Ziel haben, Innovationen – auch radikale und disruptive – hervorzubringen und agil Wirklichkeit werden zu lassen. Eine kollektive RationalitĂ€t ist in unserem VerstĂ€ndnis dann erreicht, wenn möglichst viele Betroffene kooperativ beteiligt sind. Leadership findet letztendlich in vielen Formen menschlicher Gemeinschaften statt: Das sind beispielsweise Organisationen, Unternehmen, Forschungsgruppen, Parteien und deren Teilgemeinschaften sowie Netzwerke.

Industrie 5.0: IoT, KI und Quantencomputer

Internet der Dinge (IoT) und KI sind schon heute ursĂ€chliche Treiber von Innovationen. Die eingangs genannte industrielle Revolution 5.0 steht im Zeichen von Quanten-Computing (QC) und der VerknĂŒpfung von KI und QC. Sie werden in naher Zukunft entscheidende Werkzeuge fĂŒr wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse sein und zu Instrumenten einer Vielfalt von radikalen und disruptiven Innovationen, neuen Technologien und damit auch von neuen GeschĂ€ftsmodellen sowie den notwenigen BeitrĂ€gen zu Nachhaltigkeit und zur Beherrschung der Folgen des Klimawandels werden.

Einige Entwicklungsbeispiele, an denen heute schon mit QC und QC-KI gearbeitet wird, verdeutlichen das Potenzial:

  • Microsoft arbeitet mit QC an der Entwicklung energiearmer katalytischer Nitrogenase-Versionen (DĂŒnger). Dies wĂŒrde in Zukunft eine energieeffiziente Nahrungsproduktion ermöglichen und zu einer sogenannten zweiten „GrĂŒnen Revolution“ fĂŒhren.
  • Die Medizin benötigt dringend neue Antibiotika, da viele Keime resistent geworden sind. Die klassische Entwicklung ist sehr aufwendig und zeitintensiv. Mit Quantencomputern können neue Antibiotika vom Wirkmechanismus her modelliert und entwickelt werden. Das erfordert eine enorm hohe Leistung, so werden nur vielversprechende Substanzen in den Labortest gebracht.
  • Viele schwere Krankheiten, wie beispielsweise zahlreiche Krebsformen, sind genetisch bedingt. Eine Kombination von Gentherapie, Quantencomputern und CRISPR könnte die erfolgreiche Therapie der Zukunft werden.
  • Um die Erd- und AtmosphĂ€renerwĂ€rmung zu stoppen und die Energieversorgung sicherzustellen, benötigen wir „saubere“ Energie – nĂ€mlich Sonnenenergie. Sie ist nutzbar in Form von Solarzellen, Windkraft, mit aus ihr erzeugtem Wasserstoff und in Zukunft mit Fusionsreaktoren. Die weitere Entwicklung der Fusionsreaktoren wird mithilfe von KI gekoppelt mit Quantencomputern erfolgen und so hoffentlich in naher Zukunft erfolgreich sein.
  • ExxonMobil hat die FĂ€higkeiten des IBM Quantum Netzwerks genutzt, um Methoden zu erforschen, die die weltweite Routenplanung von Handelsschiffen auf Quantencomputern abbilden.
  • Forscher von IBM und Boeing haben bei der Optimierung von FlugzeugoberflĂ€chen zusammengearbeitet, um Korrosion und alle Arten von chemischen Reaktionen, die auf OberflĂ€chen stattfinden, zu untersuchen.

Zahlreiche weitere Anwendungen sind in der Planung, Entwicklung und in der Realisierungsphase.

Vorreiter in der unternehmerischen Nutzung von KI, IoT und Quanten-Computing sind die USA und China. Und obwohl viel Forschung und Entwicklung in Europa und Deutschland stattfindet, ist die unternehmerische Umsetzung und Anwendung leider nicht auf einem entsprechenden Niveau.

Der Blick nach vorn

Wir befinden uns in „einem Wettlauf um die Zukunft“, bringt es der Physiker Michio Kaku auf den Punkt. Europa und Deutschland sollten sich anstrengen, diesen Wettlauf nicht zu verlieren! Denn wir mĂŒssen heute und in Zukunft noch ein Vielfaches an Innovationen erschaffen, um eine nachhaltige Zukunft fĂŒr die Menschheit und fĂŒr die Natur zu ermöglichen. Nachhaltige Innovationen und Technologien mĂŒssen zum Segen fĂŒr Mensch und Natur werden!

Literatur

Carbon, C.-C., Faix, W. G., Kisgen, S., Mergenthaler, J., Muralter, F., Schwinn, A., Windisch, L. (2021). Steinbeis-Innovationsstudie. Stuttgart: Steinbeis-Edition.

Faix, W. G., Mergenthaler, J., Ahlers, R.-J., Auer, M. (2014). InnovationsQualitĂ€t. Über den Wert des Neuen. Stuttgart: Steinbeis-Edition.

Mainzer, K. (2023). Zukunft durch nachhaltige Innovation. Berlin: Springer Nature.

IBM Institute for Business Value (2021). The Quantum Decade. Armonk, NY: IBM Corporation.

Mainzer, K. (2020). Quantencomputer. Von der Quantenwelt zur KĂŒnstlichen Intelligenz. Berlin: Springer Nature.

Kaku, M. (2023). Wettlauf um die Zukunft. Hamburg: Rowohlt Verlag.

Kisgen, S. (2021). Leadership – Transdisciplinary Writings. Stuttgart: Steinbeis-Edition.

Faix, W. G., Windisch, L., Kisgen, S., Paradowski, L., Unger, F., Bergmann, W., Tippelt, R. (2020). A new model for state-of-the-art leadership education with performance as a driving factor for future viability. Leadership, Education, Personality: An Interdisciplinary Journal. 2:59-74.

Faix, W. G., Kisgen, S., Mergenthaler, J. (2019). Leadership. Personality. Innovation. Education and Research at SIBE. Stuttgart: Steinbeis-Edition.

Kontakt

Prof. Dr. Werner G. Faix

GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Steinbeis School of International Business and Entrepreneurship GmbH (SIBE) (Herrenberg)

Zuletzt geÀndert am 19.01.2026

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