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Veröffentlichungsdatum: 24.09.2026 | 0 Kommentare

Was Company Building und Ingenieur­ausbildung gemeinsam haben

… oder wie Wissens- und Technologietransfer Qualität und Innovation fördert

Wann beginnt eigentlich Company Building und welche Rolle kommt dabei der Ausbildung zu? Professor Dr.-Ing. Johannes Teigelkötter, Steinbeis-Unternehmer am Steinbeis-Transferzentrum Energieeffiziente Leistungselektronik für elektrische Antriebe und Speicher sowie Professor an der Technischen Hochschule Aschaffenburg, ist überzeugt, dass die entscheidenden Grundlagen für den erfolgreichen unternehmerischen Transfer bereits im Studium gelegt werden und dass die Qualität der Ausbildung wesentlich zum späteren Erfolg beiträgt. Für die TRANSFER erläutert er, wie eine erfolgreiche Qualitätssicherung in der Ingenieurausbildung gestaltet werden kann und welche Rolle der Wissenstransfer dabei spielt.

Die Qualitätssicherung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften erfolgt heute überwiegend über Akkreditierungs- und Evaluierungsverfahren. Dabei werden häufig formale Kriterien herangezogen, beispielsweise die Anzahl der Leistungspunkte pro Semester, die Semesterwochenstunden einzelner Module oder die Art und Anzahl der Prüfungsleistungen. Diese Kennzahlen sind zweifellos wichtig, um Vergleichbarkeit und Mindeststandards sicherzustellen. Gleichzeitig können sie jedoch den Gestaltungsspielraum der Hochschulen einschränken und die flexible Anpassung von Studiengängen an aktuelle technologische Entwicklungen und regionale Anforderungen erschweren.

„Gerade in den Ingenieurwissenschaften verändern sich die Anforderungen der Industrie mit hoher Dynamik. Digitalisierung, Elektromobilität, Automatisierung und künstliche Intelligenz führen dazu, dass neue Kompetenzen benötigt werden, die in klassischen Curricula häufig erst mit zeitlicher Verzögerung berücksichtigt werden können. Hier eröffnet der Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen wertvolle Möglichkeiten, die Qualität der Ausbildung kontinuierlich weiterzuentwickeln“, so Johannes Teigelkötter.

Wissens- und Technologietransfer bringt Mehrwert für alle

Transferprojekte ermöglichen es, aktuelle Fragestellungen aus der industriellen Praxis direkt in die Hochschulausbildung einzubringen. Studierende bearbeiten dabei reale Entwicklungsaufgaben und sammeln Erfahrungen, die weit über die reine Vermittlung von Fachwissen hinausgehen. Neben technischen und wissenschaftlichen Kompetenzen erwerben sie Fähigkeiten im Projektmanagement, in der interdisziplinären Zusammenarbeit sowie in der Kommunikation mit unterschiedlichen Projektpartnern. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, Termine einzuhalten und Lösungen unter realen Randbedingungen zu entwickeln – Kompetenzen, die für den späteren Berufseinstieg von entscheidender Bedeutung sind.

Für die beteiligten Unternehmen ergeben sich ebenfalls erhebliche Vorteile. Sie erhalten Zugang zu aktuellem wissenschaftlichem Know-how und können innovative Ideen gemeinsam mit Hochschulen erproben. Gleichzeitig lernen sie potenzielle zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits während des Studiums kennen. Dadurch entstehen frühzeitig Kontakte, die häufig in Abschlussarbeiten, Praktika oder späteren Arbeitsverhältnissen münden. Für die Unternehmen bedeutet dies eine gezielte Nachwuchsgewinnung, für die Studierenden eine höhere Planungssicherheit und attraktive Berufsper­spektiven.

Wenn Wissen, Innovation und Qualifizierung zusammenkommen

Die Steinbeis-Idee des Wissens- und Technologietransfers schafft hierfür einen idealen Rahmen. Sie verbindet die wissenschaftliche Kompetenz der Hochschulen mit den konkreten Fragestellungen der Wirtschaft und ermöglicht es, neue Erkenntnisse unmittelbar in die Praxis zu überführen. Gleichzeitig fließen aktuelle industrielle Herausforderungen direkt in die Ausbildung der zukünftigen Ingenieurinnen und Ingenieure ein. Auf diese Weise entsteht ein kontinuierlicher Kreislauf aus Wissen, Innovation und Qualifizierung.

Ein Beispiel für einen erfolgreichen Transfer ist ein gemeinsames Entwicklungsprojekt mit einem Zulieferunternehmen der Automobilindustrie. Die Branche steht derzeit vor großen Herausforderungen. Neben der Transformation hin zur Elektromobilität erhöht insbesondere der zunehmende internationale Wettbewerb den Innovationsdruck auf die Unternehmen. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen neue Produkte entwickelt und bestehende Technologien für neue Märkte erschlossen werden.

Im Rahmen des Projekts wurde die Anwendung pyrotechnischer Sicherungen für moderne Elektrofahrzeuge untersucht. Diese Sicherungen sind in der Lage, Kurzschlussströme von mehreren Kiloampere innerhalb kürzester Zeit sicher abzuschalten und dadurch die elektrische Sicherheit des Fahrzeugs wesentlich zu erhöhen. Gemeinsam mit dem Industriepartner wurden Versuche geplant, durchgeführt und ausgewertet. Jonas Werner, Masterstudent der Technischen Hochschule Aschaffenburg, war dabei unmittelbar in die Entwicklungsarbeiten eingebunden und konnte die Ergebnisse wissenschaftlich aufbereiten sowie praxisnah validieren.

Die Projektergebnisse wurden anschließend gemeinsam mit dem verantwortlichen Projektingenieur des Unternehmens auf einer VDI-Fachtagung einem Fachpublikum vorgestellt und diskutiert. Für Jonas Werner war dies eine außergewöhnliche Gelegenheit, seine Arbeit vor Expertinnen und Experten aus Industrie und Forschung zu präsentieren. Die hohe fachliche Qualität der Arbeiten spiegelte sich auch in einer besonderen Auszeichnung wider: Für seine auf den Projektergebnissen basierende Masterarbeit erhielt er den VDE-Rhein-Main-Dessauer-Preis. Mit diesem Preis werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Elektro- und Informationstechnik gewürdigt.

„Noch wichtiger als die Auszeichnung war jedoch der nachhaltige Erfolg des Projekts. Der Absolvent wurde nach Abschluss seines Studiums als Entwicklungsingenieur vom Projektpartner übernommen und arbeitet heute an der Weiterentwicklung innovativer Lösungen für die Elektromobilität. Damit zeigt dieses Beispiel eindrucksvoll, wie Wissens- und Technologietransfer nicht nur Innovationen fördert, sondern zugleich hochqualifizierte Fachkräfte für die Industrie hervorbringt“, fasst Johannes Teigelkötter zusammen.

Qualität ist viel mehr als reine Kennzahlen

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Qualitätssicherung in der Ingenieurausbildung weit über die Erfüllung formaler Anforderungen hinausgeht. Entscheidend ist die enge Verbindung von Wissenschaft, Lehre und industrieller Praxis. Wissens- und Technologietransfer schafft dabei einen Mehrwert für alle Beteiligten: Studierende erwerben praxisrelevante Kompetenzen, Unternehmen erhalten Zugang zu qualifizierten Fachkräften und innovativen Lösungen und Hochschulen können ihre Studienangebote kontinuierlich an aktuelle Anforderungen anpassen.

Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels und der immer kürzer werdenden Innovationszyklen wird diese Form der Zusammenarbeit weiter an Bedeutung gewinnen. Die Ausbildung zukünftiger Ingenieurinnen und Ingenieure erfordert nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Lösungen zu überführen. Wissens- und Technologietransfer leistet hierzu einen wichtigen Beitrag und stellt damit einen wesentlichen Baustein für die Qualitätssicherung in der Ingenieurausbildung und die Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft dar.

Bringt man Ingenieurausbildung und Company Building zusammen, wird deutlich: Der Grundstein für ein erfolgreiches und zukunftsfähiges Unternehmen wird nicht erst mit der Gründung oder der Markteinführung neuer Produkte gelegt. Er entsteht dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse, technologische Kompetenz und unternehmerisches Denken zusammenkommen. Die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte, die Forschungsergebnisse in marktfähige Innovationen überführen können, ist somit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für nachhaltiges Company Building.

Literatur

Teigelkötter, J., Naß, Y., Werner, J. & Kempf, P.: Stoßkurzschlussströme im elektrischen Antriebsstrang von Elektrofahrzeugen. 
VDI-Fachtagung „Testen, Entwickeln & Validieren e-drive“ (2026), VDI Wissensforum GmbH, S. 43.

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Zuletzt geändert am 24.09.2026

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