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Vom Hype zur Wertschöpfung: XR wird produktiv
Neue Anwendungen, Ausbildungswege und intelligente Assistenzsysteme zeigen bei „XR FACHTAGE meets Steinbeis-Dialog@Adlershof“ das Potenzial immersiver TechnologienDie beiden Organisatoren Professor Dr. Tim Jansen und Frank Graage brachten in Berlin Fachaussteller, Verbände, Vortragende und Teilnehmende zusammen, um aktuelle Herausforderung der Branche zu diskutieren und die XR-Welt vom Kameraobjektiv bis zur Weltraumsimulation hautnah zu erleben.
XR als nächste digitale Plattform
Steinbeis-Experte Tim Jansen (DHBW Stuttgart, Campus Horb) zeigte, dass XR zunehmend von einer Spezialtechnologie zu einer grundlegenden digitalen Infrastruktur wird. Der physische Raum entwickelt sich dabei zur Benutzerschnittstelle. Unternehmen nutzen XR bereits für digitale Zwillinge, Wartung, Training und Zusammenarbeit. Als besonders prägend gilt die Verbindung von XR und künstlicher Intelligenz, durch die virtuelle Welten, Lernumgebungen und Assistenzsysteme intelligent erzeugt und angepasst werden können. Gleichzeitig wurden Nutzerverhalten und Herausforderungen wie Datenschutz, Cybersecurity und ethische Fragestellungen diskutiert.
Fachkräfte für immersive Medien
Christina Bröker (Erster Deutscher Fachverband für Virtual Reality e. V., EDFVR) stellte den seit 2023 existierenden Ausbildungsberuf „Gestalter:in für immersive Medien“ vor. Die Ausbildung verbindet Gestaltung, 3D-Technologien, Storytelling, Softwarewerkzeuge und Projektmanagement. Unternehmen erhalten damit die Möglichkeit, XR-Kompetenzen dauerhaft im eigenen Haus aufzubauen. Christina Bröker machte deutlich, dass die erfolgreiche Einführung von XR nicht nur von Hardware und Software abhängt, sondern vor allem von qualifizierten Menschen, die Anwendungen gestalten, betreiben und weiterentwickeln.
Wissenssicherung mit Mixed Reality
Im Fokus des Beitrags von Dr. Claudia Ghrawi stand die Frage, wie wertvolles Erfahrungswissen von Fachkräften langfristig erhalten und direkt im Arbeitsprozess verfügbar gemacht werden kann. Sie präsentierte die Arbeiten des Bündnisses Mixed Reality For Business (MR4B). Mixed Reality verbindet reale und digitale Objekte räumlich miteinander und ermöglicht die kontextbezogene Bereitstellung von Informationen. Beispiele waren die Planung industrieller Anlagen mit der KEPLER-Plattform, digitale Wartungs- und Betriebsabläufe über MR4SafeOperations sowie VR-gestützte Trainingsumgebungen aus dem Forschungsprojekt ViLeArn. Der Nutzen liegt in schnelleren Entscheidungen, besserer Dokumentation, verkürzten Einarbeitungszeiten und höherer Arbeitssicherheit. Besonders wichtig ist dabei die Integration verschiedener Datenwelten wie BIM-Modelle, Prozessinformationen und Betriebsdaten.
Immersives Lernen mit 360°-VR
360°-VR kann bereits mit vergleichsweise geringem technischem Aufwand deutliche Lernvorteile erzeugen. Das zeigte Markus Prenneis eindrucksvoll anhand wissenschaftlicher Studien und Praxisbeispiele. Zu den wichtigsten Effekten gehören höhere Aufmerksamkeit durch Immersion, selbstgesteuertes Lernen im individuellen Lerntempo, ein geschützter Lernraum ohne sozialen Druck sowie eine bessere Gedächtnisleistung durch räumliches Erinnern. Seine Praxisbeispiele reichten von Bildungsangeboten für Senioren über Smart-City-Lernszenarien bis hin zu virtuellen Schwimmbädern und Baudokumentationen. Eine vorgestellte Meta-Analyse bestätigt positive Effekte sowohl auf Lernergebnisse als auch auf Motivation und Einstellungen der Lernenden.
Kreation digitaler Welten
Jens Blank (Creative Studio, Mitglied des Extended Reality Berlin Brandenburg (XRBB) e. V.) zeigte, wie moderne XR-Anwendungen heute entstehen und welche technologischen Bausteine dafür zusammenwirken. Im Mittelpunkt stand die durchgängige Erstellung digitaler Umgebungen – von der Erfassung realer Objekte und Räume über 3D-Modellierung, Photogrammetrie und Gaussian Splatting bis hin zur fertigen XR-Anwendung. Deutlich wurde, dass erfolgreiche XR-Projekte heute weit mehr als die Entwicklung einer einzelnen App umfassen: Gefragt sind integrierte Workflows, die Content-Produktion, Datenmanagement, Visualisierung und Nutzererlebnis miteinander verbinden.
Governance für immersive Medienökosysteme
Jan Kopmann brachte seine Erfahrungen bei Schenker Solutions als führender Value-Added-Distributor für XR-Lösungen in Deutschland ein. Er erörterte vor allem Fragen zum Datenschutz, der Hardware-Auswahl und zukünftige Entwicklungen im Bereich der Kreativwirtschaft.
Wo geht der Trend hin?
In Beiträgen der Aussteller und Diskussionsrunden wurde deutlich, dass sich der Markt zunehmend in Richtung Augmented Reality und Mixed Reality entwickelt. Leichte Smart Glasses, Passthrough-Technologien und die Verschmelzung digitaler und physischer Welten werden als wichtigste Trends gesehen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass XR künftig eine ähnliche Bedeutung erreichen könnte wie heute Smartphones oder Cloud-Plattformen.
„XR vollzieht momentan den Übergang von der Experimentierphase in produktive Anwendungen“, ist Tim Jansen überzeugt. Besonders beeindruckend waren die gezeigten Mehrwerte in Qualifizierung, Wissenssicherung und industrieller Prozessunterstützung. Die Kombination von XR und KI, neue Ausbildungswege sowie die Integration von Wissen direkt in Arbeitsabläufe zeigen, dass immersive Technologien zunehmend zu einem strategischen Instrument für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation werden. XR verändert nicht nur die Nutzung digitaler Informationen, sondern auch die Art und Weise, wie Menschen lernen, zusammenarbeiten und Wissen weitergeben.
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