Veröffentlichungsdatum: 28.04.2026 | 0 Kommentare

Technologie, Finanzierung und Flexibilität: Basis für eine erfolgreiche Energiewende

Im Gespräch mit Steinbeis-Unternehmer und Energieexperte Professor Dr. Dietmar Graeber

Die Energiewende erfordert eine komplexe Transformation. Die notwendigen technologischen Innovationen gehen nicht selten mit hohen Kosten sowie grundlegenden Veränderungen im unternehmerischen Denken und Handeln einher. Worauf es dabei ankommt und wie insbesondere die energieintensive Industrie diese Herausforderungen erfolgreich meistern kann, hat Steinbeis-Experte Professor Dr. Dietmar Graeber im Gespräch mit der TRANSFER erläutert.

Herr Professor Graeber, Sie beschäftigen sich sowohl in der Lehre und Forschung an der Technischen Hochschule Ulm als auch in Ihrem Steinbeis-Unternehmen mit der Energiewirtschaft. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die größten Herausforderungen in diesem Bereich?

Die Energiewende ist aus der Ausbauphase bereits in eine Systemphase gewechselt: Integration, Steuerung und Flexibilität spielen eine entscheidende Rolle, weil hohe Anteile erneuerbarer Erzeugung in die bestehende Netzinfrastruktur nicht vollständig integriert werden können und ein Vollausbau zu extrem hohen Kosten führen würde.

Dafür braucht es vor allem einen schnellen, kosteneffizienten Smart-Meter-Rollout und Marktmodelle, die den netzdienlichen Flexibilitätseinsatz fördern. Auch Investitionsanreize für eine gesicherte Kraftwerksleistung zur Überbrückung der „Dunkelflauten“ sind erforderlich.

Ihr Steinbeis-Unternehmen bietet Studien und Beratung entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette an. Wo sehen Sie aktuell den größten Bedarf bei den Unternehmen und wie gehen Sie dabei konkret vor?

Eine wesentliche Herausforderung aus Unternehmenssicht ist derzeit die Finanzierung der enormen Investitionsbedarfe infolge der Energiewende im Netz- und Erzeugungsbereich. Durch die Veränderungen in der Förderlandschaft werden neue, innovative Finanzierungskonzepte immer wichtiger.

Insbesondere die hybride Erlösgenerierung in verschiedenen Energy-Only-, Kapazitäts- und Flexibilitätsmärkten gewinnt zunehmend an Bedeutung. Mit der fortschreitenden europäischen Marktintegration steigt zugleich die Komplexität der Energiemärkte, wodurch zusätzlicher Beratungsbedarf im Unternehmensumfeld entsteht. Für die Beratung im Bereich der Energiewirtschaft ist es aus meiner Sicht entscheidend, ökonomische und technologische Aspekte ganzheitlich zu berücksichtigen.

Die energieintensive Industrie in Deutschland ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, steht jedoch unter enormem Druck durch steigende Energiekosten, den internationalen Wettbewerb und den Fachkräftemangel. Mit welchen Energiestrategien kann es diesen Unternehmen gelingen, auch in Zukunft erfolgreich auf dem internationalen Markt zu agieren?

Für die energieintensiven Unternehmen ist eine Flexibilisierung der Energiebedarfe von zentraler Bedeutung. Neben der Energieflexibilisierung der Produktionsanlagen im engeren Sinne ist es häufig zielführend, nach Möglichkeit auch auf Anlagen der Eigenerzeugung zu setzen und gezielt Speicherlösungen wie Batteriespeicher, aber auch bidirektionale Ladeinfrastruktur zu ergänzen.

Perspektivisch könnte auch die Erzeugung, Langzeitspeicherung und Rückverstromung mit Wasserstoff wirtschaftlich werden. Auf unserem energieflexiblen Hochschulcampus, dem THU-Energiepark, zeigen wir heute schon, wie durch Integration verschiedener verteilter Energiesysteme wie PV-Anlagen, Elektrolyseure, Batteriespeicher, bidirektionale Wallboxen, Wasserstoffspeicher und eine wasserstoffbetriebene Gasturbine der Energiebedarf einer Liegenschaft zielorientiert flexibilisiert werden kann.

Welche Technologietrends werden Ihrer Meinung nach die Energiezukunft in den nächsten fünf bis zehn Jahren bestimmen?

Der aktuell bestehende Trend zur weiteren Verbreitung von Batteriespeichern wird anhalten. Auch die intelligente, netzdienliche Steuerung von flexiblen Energiesystemen in Smart Grids wird die Energiezukunft wesentlich bestimmen. Bei weiter fallenden Produktionskosten für Wasserstoffsysteme könnte auch deren Einsatz im Zeitraum von fünf bis zehn Jahren wirtschaftlich attraktiv werden.

Kontakt

Prof. Dr. Dietmar Graeber (Interviewpartner)

Steinbeis-Unternehmer
Steinbeis-Transferzentrum Energiewirtschaft (Ulm)
www.energiewirtschaft.org

234218-25
Zuletzt geändert am 28.04.2026

Schreibe einen Kommentar

Durch Anklicken des Buttons „Anfrage senden" stimme ich der Nutzung meiner Daten gemäß den Steinbeis-Datenschutzbestimmungen zu.
Bitte füllen Sie die mit * markierten Felder vollständig aus.