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Seltene Erden, große Wirkung
Im EU-Projekt REEsilience etabliert ein Konsortium eine resiliente Lieferkette für MagnetwerkstoffeEuropa steht vor einem strategischen Dilemma: Obwohl die EU zu den weltweit führenden Herstellern von Elektromotoren und anderen Hightech-Anwendungen zählt, ist sie entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Importen abhängig. Die europäischen Produktionskapazitäten für Magnetwerkstoffe konzentrieren sich auf Spezialanwendungen und können die steigende Nachfrage nicht decken. Hinzu kommt, dass viele Magnete nicht als Einzelprodukt, sondern bereits verbaut in Motoren, Generatoren oder anderen technischen Komponenten nach Europa gelangen.
Dieser Thematik nimmt sich das EU-Projekt REEsilience seit 2022 an. Es eröffnet neue Marktchancen für kritische Rohstoffe und stärkt deren nachhaltige Gewinnung und Verarbeitung in Europa. Damit leistet REEsilience einen wichtigen Beitrag zu mehr Versorgungssicherheit, technologischer Souveränität und einer erfolgreichen Transformation der europäischen Industrie.
Recycling statt Primärproduktion
Ein Eckpfeiler des Projekts REEsilience ist das Recycling. Durch die Förderung der Rückgewinnung und Wiederverwendung von Seltenen Erden aus Altprodukten wie Windturbinen und Elektrofahrzeugen soll der Gesamtbedarf an neuen Seltenen Erden verringert werden. Dieser Ansatz trägt nicht nur zur Schonung wertvoller Ressourcen bei, sondern reduziert auch den ökologischen Fußabdruck der Seltenerdproduktion.
Im April 2026 hat der Projektpartner HyProMag GmbH in Pforzheim eine Anlage zur Wiederaufbereitung und Herstellung von gesinterten Seltenerdmagneten eingeweiht, die erste ihrer Art in der Europäischen Union. Der Anlage kommt eine Schlüsselrolle zu, Europas Abhängigkeit von importierten Seltenerdmetallen – und damit von den dominierenden globalen Lieferketten – zu verringern und gleichzeitig den Übergang zu CO₂-armen Technologien durch die von ihr unterstützten Fertigungsbranchen voranzutreiben.
Die Anlage in Pforzheim basiert auf der patentierten HPMS-Technologie (Hydrogen Processing of Magnet Scrap), die an der Universität Birmingham entwickelt wurde. HPMS nutzt Wasserstoff, um Magnetabfälle zu recycelbarem Pulver zu verarbeiten, und unterstützt einen kurzen Recyclingkreislauf. Das HPMS-Verfahren erhält die ursprüngliche Magnetlegierung und ermöglicht damit ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling. Dadurch können im Vergleich zur Primärproduktion bis zu 90 % der Kohlenstoffdioxidemissionen eingespart werden. Zugleich entfallen energieintensive Verarbeitungsschritte wie Metallherstellung und Legierung.
Der Fokus liegt auf der Verstetigung
Während die Projektpartner daran arbeiten, entscheidende Ergebnisse für Europa zu erzielen, begleitet das Steinbeis Europa Zentrum sie bei der Entwicklung langfristiger Pläne für die nachhaltige Nutzung der Ergebnisse auch über das Ende der Projektfinanzierung hinaus. Im dritten Projektjahr haben die 16 Projektpartner in allen Kernbereichen wissenschaftliche, technische und strategische Fortschritte erzielt – von der Transparenz in der Wertschöpfungskette für Permanentmagnete bis hin zur Produktionsautomatisierung und -skalierung sowie Standardisierung in Europa. Der Schwerpunkt liegt nun auf der Konsolidierung der erweiterten industriellen Anlagen, um eine alternative, nachhaltigere und widerstandsfähigere Versorgung verschiedener europäischer Industrien mit Permanentmagneten sicherzustellen.
REEsilience setzt die Erfolgsgeschichte der Vorgängerprojekte SUSMAGPRO und REProMag fort und verfolgt die Ziele des europäischen Critical Raw Materials Acts: Das sind beispielsweise die Erhöhung der europäischen Produktionskapazitäten von Permanentmagneten mit recyceltem Anteil, die Verbreitung von nachhaltigeren Produktdesignansätzen für die Kreislaufwirtschaft, die Standardisierung von Produktinformationsträgern wie digitale Pässe oder das Mapping von Rohstoff- und Materialquellen aus resilienten Quellen.
Ein starkes Konsortium
REEsilience zeigt dabei auch, wie ein starkes europäisches Konsortium entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgebaut sein kann: Die Hochschule Pforzheim koordiniert das Projekt, Forschungsakteure analysieren Rohstoffquellen und entwickeln Modelle, Technologiepartner arbeiten an Software, Legierungs- und Pulverprozessen, Industriepartner treiben Recycling und Kommerzialisierung voran und das Steinbeis Europa Zentrum unterstützt die Kommunikation, Verwertung sowie das Projektmanagement. Das Ergebnis: nicht nur neue Erkenntnisse zur sicheren Versorgung Europas mit Seltenen Erden, sondern auch konkrete industrielle Umsetzung bis hin zur Eröffnung der ersten EU-Anlage für das Recycling und die Herstellung gesinterter Seltenerdmagnete in Pforzheim – und damit für das Steinbeis-Konzept des Transferunternehmertums, das Forschungsergebnisse konsequent in marktwirksame Anwendungen überführt.
Das Steinbeis Europa Zentrum, die Hochschule Pforzheim und die HyProMag GmbH sind auch am laufenden Projekt GREENE beteiligt, das vom slowenischen Jožef Stefan Institut koordiniert wird. In GREENE begleitet das Steinbeis Europa Zentrum ein Konsortium von 15 Partnern bei der Entwicklung einer neuen Generation von Magneten mit hohen magnetischen Eigenschaften, die weniger Seltene Erden oder nahezu keine schweren Seltenen Erden enthalten.
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