Management & Unternehmensentwicklung
Veröffentlichungsdatum: 08.09.2026 | 0 Kommentare

Nicht das Neue allein, sondern seine Sinnhaftigkeit bestimmt den Wert einer Innovation

Im Gespräch mit Professor Dr.-Ing. Rolf-Jürgen Ahlers

Was macht eine Innovation relevant und zukunftsfähig? Für Steinbeis-Kurator Professor Dr.-Ing. Rolf-Jürgen Ahlers ist es nicht allein ihre Neuheit, sondern vor allem der konkrete Nutzen, den sie für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft stiftet. Im Gespräch mit der TRANSFER erläutert er, warum InnovationsQualität für ihn ein entscheidendes Kriterium ist, wie der Begriff entstanden ist und weshalb Innovation immer auch Verantwortung bedeutet.

Herr Professor Ahlers, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren als Unternehmer und Intermediär intensiv mit dem Thema Innovation. Was sind aus Ihrer Sicht die aktuellen Herausforderungen in diesem Bereich?

Innovation ist zu einem Schlagwort geworden, das immer weniger dem Anspruch des ursprünglichen Inhalts gerecht wird. Wir haben Innovation immer als die Auseinandersetzung mit etwas Neuem verstanden, ohne dabei die Sinnhaftigkeit dieses Neuen aus dem Auge zu verlieren. Seit ich ein junger Wissenschaftler war, haben wir uns immer wieder die Frage gestellt: Was ist das Ziel meines Handelns, warum tue ich das überhaupt? Natürlich können wir dieses Ziel nicht immer klar definieren, da wir uns auf die Zukunft ausrichten und deshalb immer auch in unbekanntes Terrain vorstoßen.

Ich erkläre das gerne am Beispiel der Entwicklung der Zeitmessung: Mitte des letzten Jahrhunderts haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie genau wir die Zeit messen können und was daraus folgt. Weltweit wurden Millionen in verschiedenen Währungen in unterschiedliche Projekte investiert, um die Zeit immer genauer zu messen. Ich erinnere mich dabei sehr gerne an die Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig, in denen wir die verschiedenen Aspekte diskutiert haben, insbesondere auch im Hinblick auf die Auswirkungen der Relativitätstheorie. Heute wissen wir: Ohne die genaue Kenntnis der Zeit könnten wir Phänomene im Weltraum gar nicht erfassen, geschweige denn ein Navigationssystem aufbauen, das uns auf der Erde genaueste Positionsdaten liefert. Oder nehmen wir die Quantentheorie: Diese wandert immer mehr aus dem Theoriefeld heraus in die Praxis, sodass uns hier noch viele spannende Projekte und Ergebnisse erwarten.

Für mich ist die Innovation eine Herausforderung. Dennoch geht es dabei nicht nur um die Herausforderung, sich mit dem Neuen auseinanderzusetzen, sondern auch um die Beantwortung der Frage, wie sich aus dem Neuen ein Nutzeffekt für den Markt und die Gesellschaft erzielen lässt.

Sie sind einer der Autoren von „InnovationsQualität – Über den Wert des Neuen“, erschienen in der Steinbeis-Edition, und beschäftigen sich derzeit mit der Umsetzung in die Praxis. Was steht dabei im Fokus? Welche Maßnahmen sind geplant und welchen konkreten Nutzen haben Unternehmen davon?

Mit dem Buch haben wir 2015 unsere Diskussionen und die daraus entstandenen Inhalte zu Papier gebracht. Natürlich ist „zu Papier gebracht“ nur ein Ausdruck, die Publikation gibt es auch als E-Book. Doch Spaß beiseite. Der Sinn dieses Buches besteht darin, deutlich zu machen, was der Wert des Neuen ist. Deshalb haben wir auch diesen Untertitel gewählt: „Über den Wert des Neuen“. Es ist essenziell, immer wieder unsere Tätigkeiten zu hinterfragen und den Wert dessen, was wir gerade erschaffen, herauszustellen.

Im Fokus der Aktivitäten steht zunächst, das Bewusstsein dafür zu schaffen, bei unseren wissenschaftlichen und technischen Themen immer wieder zu hinterfragen, warum wir das tun, was wir tun. Hier wollen wir uns insbesondere mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Instituten, Firmen und Verwaltungen, aber auch im politischen Umfeld darüber unterhalten, wie wir diesen Grundgedanken umsetzen und dadurch Projekte anstoßen können, die dem Innovationsgedanken, einen Wert für die Zukunft zu schaffen, gerecht werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Worte Innovation und Qualität miteinander zu „InnovationsQualität“ verbunden: Innovation drückt das Neue aus und Qualität mit all ihren Aspekten behandelt die Frage, was ich tun muss, um auf dem Markt erfolgreich zu sein. Dadurch wird der Wert unseres Tuns deutlich. Sie sehen, wir haben uns vorgenommen, über diesen neuen Begriff auch die inhaltliche Bindung zwischen grundlegenden Arbeiten, neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Umsetzung für die Gesellschaft herzustellen.

Sie sind Stifter und Stiftungsvorstand der Y&R Stiftung für InnovationsQualität. Das Stiftungsmotto lautet „Innovation mit Verantwortung“. Was bedeutet das konkret? Was hat Sie zur Gründung der Stiftung bewegt?

Auch die Y&R Stiftung für InnovationsQualität ist aus Diskussionen entstanden. Dass das Thema von großer Bedeutung ist, darüber waren sich alle einig. Sobald es jedoch um die Projektauswahl, -finanzierung und -umsetzung ging, wurde schnell klar, dass diesbezüglich sehr lange und aufwendige Prozesse angestoßen werden müssten.

Ich muss zugeben, dass ich ein ungeduldiger Mensch bin, der schnell neue Ideen umsetzen möchte, also war ich mir mit meiner Familie einig, dass wir bei diesem Thema eine hohe Eigeninitiative in Gang setzen müssen. Was wir dann auch getan haben: Die Stiftung ist gegründet und wir sind dabei, die ersten konkreten Projekte zu gestalten. Im Vordergrund stehen im Moment Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit attraktiven Themen auseinandersetzen, bei denen es aus unserer Sicht nicht nur wichtig ist, dass wir etwas Neues schaffen, sondern auch, dass wir die konkrete Umsetzung nicht aus den Augen verlieren: Es geht dabei um den Wert des Neuen.

Welche Ziele verfolgt die Y&R Stiftung für InnovationsQualität und wie setzen Sie diese in der Praxis um?

Wir verfolgen verschiedene Ziele: Zum einen wollen wir junge Menschen motivieren, ihre innovativen Aktivitäten nicht nur aus der wissenschaftlichen beziehungsweise technischen Perspektive zu sehen. Wir wollen sie dazu anregen, regelmäßig zu hinterfragen, welchen Wert diese Aktivitäten für die Gesellschaft bieten können, und dies auch bewusst vor dem Hintergrund vorausgegangener Erkenntnisse. Deshalb gilt für uns: Herkunft kennen – Zukunft gestalten. Es geht also darum, nicht das Rad neu zu erfinden, denn das gibt es schon, sondern darum, sich zum Beispiel zu fragen: Wie sieht es aus, wenn wir uns auf dem Mond oder dem Mars bewegen wollen?

Zum anderen möchten wir auch in der Breite, also in den Firmen, den unterschiedlichen Institutionen, der Politik und ganz allgemein in der Gesellschaft, dazu beitragen, den Gedanken der InnovationsQualität im Alltag umzusetzen. Und dies bei allem, was wir tun!

Kommen wir auf das Beispiel der Zeitmessung zurück. Wenn wir die Zeit noch genauer messen könnten, was folgt daraus? Oder das Thema Quantentheorie: Sie liefert uns neue Möglichkeiten der Rechentechnik, der Sensorik und so weiter – können wir dieses Potenzial zum Nutzen der Gesellschaft einsetzen? Wenn ja, wie und was sind dann die Folgen?

Zusammengefasst: Wir wollen alle Beteiligten dazu motivieren, die Frage „Was ist der Wert des Neuen?“ bewusst und immer wieder zu stellen.

Die Publikation „InnovationsQualität” von Werner G. Faix, Jens Mergenthaler, Rolf-Jürgen Ahlers, Michael Auer ist als E-Book über den Online-Shop der Steinbeis-Edition erhältlich: https://www.steinbeis-edition.de/InnovationsQualitaet-E-Book/181145 

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Rolf-Jürgen Ahlers (Interviewpartner)

stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender | Steinbeis-Stiftung (Stuttgart)
Vorstand und Stifter | Y&R Stiftung für InnovationsQualität (Schriesheim) 
 

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Zuletzt geändert am 08.09.2026

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