Veröffentlichungsdatum: 17.09.2026 | 0 Kommentare

Neue Wege für ein zukunftsfähiges Wirtschaften

Wie Gemeinwohl-Ökonomie und intelligente Kreislaufwirtschaft zusammen den entscheidenden Unterschied machen können

Unser Wirtschaftssystem ist auf Wachstum ausgerichtet. Lange Zeit schien das dank Globalisierung kein grundlegendes Problem zu sein. Doch die planetaren Grenzen sind inzwischen in weiten Teilen überschritten und machen deutlich, dass ein Umdenken notwendig ist. Welche Form des Wirtschaftens eröffnet unter diesen Bedingungen eine zukunftsfähige Perspektive? Und was bedeutet dies für unternehmerisches Handeln, das diese Grenzen wirklich ernst nimmt? Ausgehend von Kenneth Bouldings Gewissheit „Es gibt keine Wirtschaft auf einem toten Planeten“ zeigen die beiden Steinbeis-Unternehmer Dr. Hartmut Schäfer und Dr. Christoph Soukup, wie sich Unternehmen mit Impulsen aus Gemeinwohl-Ökonomie und intelligenter Kreislaufwirtschaft zukunftsorientiert und wirksam ausrichten können.

Ausgangspunkt ist dabei nicht abstrakte Theorie, sondern die als Berater erlebte und mitgestaltete Praxis: Die beiden Steinbeiser arbeiten mit Unternehmen daran, Geschäftsmodelle so weiterzuentwickeln, dass sie sowohl zum Gemeinwohl beitragen als auch Ressourcen konsequent im Kreislauf halten.

Alternativen zum linearen Wirtschaften

Die Gemeinwohl-Ökonomie beobachtet eine zunehmende Entkopplung der Wirtschaft von dem, wofür sie ursprünglich gedacht war: der Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen, die Menschen und ihrem langfristig guten Leben auf dem Planeten dienen. Deshalb will sie Rahmenbedingungen ändern und Anreize für Unternehmen schaffen, ihr Handeln wieder stärker auf Gemeinwohl auszurichten. Unternehmen ihrerseits messen entlang ihrer Berührungsgruppen in einer 360°-Betrachtung ihren Beitrag zum Gemeinwohl und verbessern diesen kontinuierlich.

Auch die Ansätze der Kreislaufwirtschaft stehen im Kontrast zur linearen Wirtschaftsweise. Sie wollen Ressourcen möglichst lange im Kreislauf halten: Intelligente Kreislaufwirtschaft befasst sich vor allem mit einer möglichst langdauernden und hochwertigen Nutzung von Produkten, Modulen und Bauteilen – und nicht nur mit effizientem Recycling. Gerade hier liegt ihr Mehrwert: Sie senkt den Ressourcenverbrauch, stärkt Resilienz und hilft, Abhängigkeiten von fragilen Lieferketten und unsicher werdenden Materialquellen zu reduzieren.

Was zeigt sich, wenn man beide Perspektiven zusammenführt? Die Gemeinwohl-Ökonomie liefert Antworten auf die Frage nach dem „Wozu?“ des Wirtschaftens, die intelligente Kreislaufwirtschaft beantwortet das „Wie?“ einer anderen Wertschöpfung. Genau in dieser Verbindung liegt der praktische Nutzen für Unternehmen, die sich resilienter, nachhaltiger und zugleich zukunftsfähiger aufstellen wollen.

Hilfreich ist dabei eine Einordnung des wirtschaftlichen Handelns auf einer Skala zwischen degenerativ, restaurativ und regenerativ. Damit wird sichtbar, ob Geschäftsmodelle überwiegend Ressourcen entnehmen und Schäden verlagern, negative Wirkungen mindern oder ökologische und soziale Systeme sogar aktiv stärken.

„Für uns ist das kein Entweder-oder, sondern ein logischer Zusammenhang: Wer Gemeinwohl ernst nimmt, muss Material- und Ressourcenfragen mitdenken. Wer Kreislaufwirtschaft ernst nimmt, braucht ein klares Bild davon, welchen Beitrag das Geschäftsmodell gesellschaftlich leisten soll“, erläutert Hartmut Schäfer seinen Standpunkt.

Ein Entwicklungsrahmen zur Umsetzung 

Das ECOnGOOD Business Canvas hilft Unternehmerinnen und Unternehmern, im Team ein gemeinsames Verständnis ihres aktuellen und künftigen Handelns zu entwickeln. Es macht blinde Flecken sichtbar und unterstützt dabei Strategien zu erarbeiten, die sich zeitnah umsetzen lassen.

Hartmut Schäfer und Christoph Soukup nutzen in ihrer Arbeit das Canvas als Einstieg, um Sinn, Wirkung und nächste Schritte strukturiert zu klären. Sie verbinden diese Logik mit zirkulären Ansätzen, etwa, wenn es um Produktdesign, Rücknahme, Wiederverwendung oder die Verlängerung von Nutzungsdauern geht.

So entstehen durch Einbezug der Interessen relevanter Akteure oft neue Geschäftsmodelle und Business-Ökosysteme, in denen zirkuläre Leistungserbringung und die Balance aus Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohl im Mittelpunkt stehen.

Egal, ob Unternehmen sich auf den Weg zu generell mehr Nachhaltigkeit machen oder konkret am Materialkreislauf ansetzen wollen: Das ECOnGOOD Business Canvas ist ein guter Ausgangspunkt für diese Reise. „Unser Anliegen ist es, mit Unternehmen konkrete Ansatzpunkte zu erarbeiten, um Ertrag, Sinnorientierung und Ressourcenschonung gemeinsam und nicht mehr getrennt zu denken. Darin liegt der Mehrwert einer Wirtschaft, die nicht nur effizienter, sondern auch wirksamer und verantwortlicher werden will“, fasst Christoph Soukup den gemeinsamen Ansatz zusammen.

Best practice

Schon heute zeigen Unternehmen, wie Gemeinwohl-Orientierung und Kreislaufwirtschaft zusammengehen und sich gegenseitig verstärken können:

  • WEtell, ein junges Unternehmen aus Freiburg, das Mobilfunk auf Gemeinwohl ausrichtet und zum Beispiel das Einsparen von Daten belohnt [2].
  • WoodenValley, ein Stuttgarter Start-up, das Kreislauffähigkeit im Bausektor anstrebt und beim Design von Lösungen bei elementaren Bedürfnissen der Stakeholder ansetzt [3].
  • VAUDE, ein Familienunternehmen im Allgäu, das auf faire Lieferketten, ökologische Produktstandards und zirkuläre Geschäftsmodelle setzt [4].
     

Kontakt

Dr. Hartmut Schäfer (Autor)

Steinbeis-Unternehmer
Steinbeis-Beratungszentrum Wirtschaft und Gemeinwohl (Lörrach)

Dr. Christoph Soukup (Autor)

Steinbeis-Unternehmer
Steinbeis-Beratungszentrum Circular Economy (Stuttgart) 

234219-40
Zuletzt geändert am 17.09.2026

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