Automotive Digitalisierung
Veröffentlichungsdatum: 17.03.2026 | 0 Kommentare

Mit einem digitalen Mindset die Transformation der Automobilindustrie gestalten

Steinbeis School of Management and Technology untersucht die Bedeutung der Denkweise bei Mitarbeitenden

Der Automobilmarkt befindet sich im Umbruch. Digitale Dienstleistungen gewinnen im Wettbewerb zwischen den Herstellern an Bedeutung und die Zusammensetzung der Branche verĂ€ndert sich. Das wirft die Frage auf, welche Rolle ein digitales Mindset bei der Transformation der Automobilindustrie spielt. Dr. Efrat Pan, verantwortlich fĂŒr Forschung, Coaching und Business Development der Steinbeis School of Management and Technology, und Dr. Nils Katzorke von Mercedes-Benz haben sich mit dieser Frage auseinandergesetzt. Sie gehen davon aus, dass ein digitales Mindset ĂŒber das eigentliche Wissen hinausgeht, und beziehen sich auf die individuelle Denkweise von Ingenieuren und wie sie ĂŒber die digitale Transformation denken. 

Die Transformation der Automobilindustrie ist seit den letzten Jahren ein weit verbreiteter Begriff in Europa. Er bezieht sich auf aktuelle VerĂ€nderungen der Marktanteile aufgrund von AktivitĂ€ten in den Bereichen Fahrzeugelektrifizierung und Software sowie auf den Markteintritt neuer Akteure aus anderen Branchen und Regionen, insbesondere aus China. Einer McKinsey-Studie zufolge verfĂŒgt ein deutlich höherer Anteil der F&E-Mitarbeiter (45 %) neuer Marktteilnehmer ĂŒber Softwarekenntnisse als die der etablierten europĂ€ischen Unternehmen (15-20 %) (Cornet et al., 2023).

Softwarekenntnisse sind in Automobilunternehmen vor allem aus zwei GrĂŒnden wichtig. Erstens ermöglichen sie effizientere und robustere GeschĂ€ftsprozesse. Die F&E-Abteilung profitiert vom Einsatz virtueller und vernetzter Entwicklungswerkzeuge, weil sie die Entwicklungszeiten und die Anzahl der erforderlichen Prototypen reduzieren. Außerdem können dadurch Anomalien frĂŒher im Entwicklungsprozess aufgedeckt werden, was zu weniger kostspieligen DesignĂ€nderungen fĂŒhrt. In der Fertigung, im Marketing, im Vertrieb, in der Personalabteilung, in der IT und in anderen GeschĂ€ftsbereichen helfen Softwarekenntnisse den Mitarbeitenden, schlankere Methoden fĂŒr die tĂ€glichen Aufgaben zu finden und dank Datenanalysen ZusammenhĂ€nge besser zu verstehen. Zweitens sind Softwarekompetenzen relevant fĂŒr die Entwicklung softwarebasierter Produkte mit Kundennutzen. Zu den zentralen Innovationen im Bereich Fahrzeugsoftware zĂ€hlen Assistenzsysteme, automatisierte Fahrsysteme (ADS), Over-the-Air-Updates (OtA), KonnektivitĂ€tsfunktionen wie Vehicle-to-Everything-Kommunikation (V2X), vorausschauende Wartung, FahrerĂŒberwachung, Cybersicherheit, Personalisierung, BenutzeroberflĂ€chen und Benutzererfahrung (UI/UX), Spracherkennung, Reichweitenverbesserung, Lademanagement und Cloud-Dienste.

Digitales Mindset als Transformationsstrategie 

Um bei einer Transformation erfolgreich zu sein, benötigen Unternehmen einen breiteren Kontext der VerĂ€nderung als nur einen technologischen (Forsythe und Rafoth, 2022). Sie benötigen eine Kombination aus digitalem Mindset und digitaler Kompetenz. Ferrari (2012) bezeichnet digitale Kompetenz als eine Reihe von Kenntnissen, Fertigkeiten und Einstellungen, die erforderlich sind, wenn digitale Technologien fĂŒr AktivitĂ€ten vom Wissensaustausch bis zur Kommunikation eingesetzt werden. Allerdings „... ist das Erlernen neuer technologischer FĂ€higkeiten fĂŒr die digitale Transformation zwar wichtig, aber nicht ausreichend. Die Mitarbeiter mĂŒssen motiviert werden, ihre FĂ€higkeiten zu nutzen, um neue Möglichkeiten zu schaffen.“ (Neely und Leonardi, 2022, S. 51).

Digitale Mindsets bei Mitarbeitern zu fördern kann als unternehmerische Managementkompetenz angesehen werden. „Fördern“ meint in diesem Kontext die proaktive Suche und Schaffung von Entwicklungsmöglichkeiten, die auf neuen Kombinationen von digitalen Technologien aufbauen. Um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, investieren Hersteller viel MĂŒhe in die Aufnahme und Nutzung digitaler Technologien in ihren Produkten. In dem Maße, wie die digitale Kompetenz an Bedeutung gewinnt, spielt auch das digitale Mindset in den Unternehmen eine grĂ¶ĂŸere Rolle.

Bei der digitalen Transformation sind zwei wesentliche AktivitÀten notwendig: die Vorbereitung der Mitarbeiter auf eine neue digitale Organisationskultur sowie die Gestaltung und Anpassung von Systemen und Prozessen (Neely und Leonardi, 2022, S. 51). Unternehmen haben dabei unterschiedliche AnsÀtze, um mit den Herausforderungen der digitalen Transformation umzugehen. Angefangen bei der Ermittlung der erforderlichen ProzessÀnderungen und der Auswahl von IT-Tools bis hin zur Bewertung der Kundenanforderungen und der Mitarbeiterschulung stellt sich die Frage: Wie können traditionelle Automobilunternehmen ein digitales Mindset fördern?

Das digitale Mindset fördern

Denkweisen können sich Ă€ndern (Limeri et al., 2020), daher sollten Unternehmen ihre Mitarbeitenden dabei unterstĂŒtzen, schon frĂŒh in ihrer Laufbahn ein digitales Mindset zu entwickeln (Neely und Leonardi, 2022). Das ermöglicht Unternehmen, maßgeschneiderte Maßnahmen durchzufĂŒhren und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das die Offenheit fĂŒr digitale Technologien fĂŒr die tĂ€gliche Arbeit sowie die Entwicklung neuer softwarebasierter Lösungen fördert.

Seit fast einem Jahrzehnt bieten die Steinbeis School of Management and Technology GmbH und das Mercedes-Benz Proving Ground Development Team in Immendingen Studierenden der Steinbeis Hochschule die Möglichkeit, digitale Kompetenzen zu entwickeln und Technologien in praktischen betrieblichen Prozessen einzusetzen. Die Studierenden belegen ergĂ€nzende themenbezogene Lehrveranstaltungen und arbeiten in einem zweijĂ€hrigen Projekt an der Umsetzung des praktischen Nutzens. WĂ€hrend des Studiums werden sie von praxisnahen akademischen und unternehmerischen Betreuern begleitet, die sie bei der Umsetzung des Projekts unterstĂŒtzen.

Quellen

Kontakt

Dr. Efrat Pan (Autorin)

Forschung, Coaching und Business Development
Steinbeis School of Management and Technology GmbH (Filderstadt)

Dr. Nils Katzorke (Autor)

Leiter Technischer Betrieb und Weiterentwicklung Immendingen
Mercedes-Benz AG

234218-33
Zuletzt geÀndert am 17.03.2026

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