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Veröffentlichungsdatum: 24.09.2026 | 0 Kommentare

Kompetente Köpfe genügen nicht

Company Building ist ein erlernbares Handwerk, zeigt die Steinbeis School of Future Tech and Digital Innovation

Viele mittelständische Unternehmen verfügen über qualifizierte Mitarbeitende, starke Produkte und funktionierende Märkte. Dennoch bleibt der erhoffte Wachstumsschub oft aus. Die Steinbeis School of Future Tech and Digital Innovation entwickelt deshalb ein Weiterbildungsangebot, das Company Building als erlernbares Handwerk vermittelt und Führungskräfte befähigt, auf Basis eines gemeinsamen Verständnisses wirksamer zusammenzuarbeiten. Das Projekt verbindet praxiserprobte Skalierungsmethoden mit modernen KI-Ansätzen, um Wissen systematisch nutzbar zu machen und Innovationskraft nachhaltig zu stärken. So soll unternehmerisches Handeln im Mittelstand gezielt gefördert und die Wettbewerbsfähigkeit künftiger Generationen gesichert werden.

Steinbeiser Frank Kosyk und Nikolai Ladanyi (scale up Deutschland) begleiten mittelständische Unternehmen seit vielen Jahren beim Wachstum. Wenn die Skalierung ausbleibt, folgt auf die Frage nach der Ursache fast immer dieselbe Diagnose: Es fehlten die richtigen Köpfe.

„Diese Diagnose greift zu kurz. Zehn kompetente Köpfe, die in zehn, selbst komplementäre, Richtungen denken, addieren sich nicht – sie erzeugen Reibung“, ist Frank Kosyk überzeugt. Company Building ist deshalb primär kein Talentproblem, sondern ein Kopplungsproblem. Wirkung potenziert sich nicht dadurch, dass qualifizierte Menschen in derselben Organisation arbeiten, sondern erst, wenn sie auf Basis eines geteilten Bezugsrahmens gemeinsam denken und planen.

Der Handlungsdruck im Mittelstand

Hinzu kommt eine strukturelle Verschiebung. In vielen Mittelstandsunternehmen ist unternehmerisches Handeln zugunsten von Verwaltung zurückgetreten. Die zweite und dritte Generation rückt nach: gut ausgebildet, reflektiert, häufig internationaler orientiert als die Gründergeneration. Sie übernimmt jedoch Organisationen, die über Jahrzehnte auf Verwalten optimiert wurden und führt sie in dieser Logik fort. Das geschieht meist mit hoher Sorgfalt, für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ist es dennoch ein unterschätztes Risiko.

Die Steinbeis School of Future Tech and Digital Innovation entwickelt derzeit gemeinsam mit scale-up Deutschland ein Weiterbildungsangebot, das Company Building als erlernbares Handwerk vermittelt. Der Einstieg erfolgt über ein Zertifikat, mit einer geplanten Weiterentwicklung zu einem berufsbegleitenden Studiengang an der Steinbeis Hochschule. Adressiert sind junge Führungskräfte sowie die zweite und dritte Generation im Mittelstand – jene Gruppe, an der sich in den kommenden zehn Jahren entscheidet, ob der Standort wettbewerbsfähig bleibt. Das Ziel: unternehmerisches Handeln in die Unternehmen zurückzuholen. „Nicht als Appell, sondern als vermittelbare Methodik. Wir beschreiben es als Wirtschaftswunder 2.0 – diesmal von innen“, erläutert Nikolai Ladanyi.

Der methodische Rahmen: übersetzt statt kopiert

Das scale-up-Framework konsolidiert, was in der einschlägigen Managementliteratur, bei Referenzunternehmen und im Silicon Valley über Jahrzehnte erprobt wurde, und überträgt es auf den deutschen Kulturkreis. Es strukturiert die Arbeit entlang von vier Feldern – People, Strategy, Execution und Cash: Wer gehört an welche Stelle? Wohin entwickeln wir uns und aus welchem Grund? Wie setzen wir das im Wochenrhythmus um? Und was bleibt wirtschaftlich übrig? Die zugrunde liegende Überzeugung ist zugleich unbequem und entlastend: Unternehmensskalierung ist keine Kunst, sondern ein Handwerk, das erlernbar ist. Unbequem, weil sie das Talentargument als Erklärung entwertet. Entlastend, weil Handwerk vermittelbar ist.

Das Accelerator-Programm der globalen Entrepreneurs' Organization (EO) arbeitet mit diesem Framework. Eine interne Auswertung der EO aus diesem Programm hat zwischen 2016 und 2020 untersucht, wie wahrscheinlich die Unternehmen sich ambitioniert, gesund und nachhaltig entwickeln – also die Schwelle von einer Million Euro Umsatz überschreiten – ein brauchbarer Indikator für tatsächliche Skalierung. Ohne Framework liegt die Quote bei 9 %, im Accelerator bei 36 %. Die Wahrscheinlichkeit vervierfacht sich also.

Die Erweiterung: KI als Gewebe, nicht als Baustein

Die meisten Organisationen behandeln künstliche Intelligenz als zusätzlichen Baustein – als Abteilung, Tool-Stack oder Pilotprojekt neben dem eigentlichen Geschäft. Frank Kosyk macht deutlich: „Wir halten das für den entscheidenden Denkfehler. KI ist kein Baustein, sondern ein Gewebe: Entweder sie verwebt sich nahtlos in die Organisation oder sie bleibt kostspielige Erprobung.“

Das Team um Frank Kosyk und Nikolai Ladanyi erweitert den Rahmen daher um zwei führende Elemente. ExO 3.0, das von Salim Ismail geprägte Modell exponentieller Organisationen, liefert die Perspektive. Die Context Engine – das Gedächtnis der Organisation – liefert die Infrastruktur. Denn das Kernproblem im Mittelstand ist nicht fehlendes Wissen, sondern dessen Bindung an einzelne Personen: Verlässt der Kopf das Unternehmen, geht das Wissen mit. Eine Context Engine überführt Unternehmenswissen in maschinenlesbare Form: Sie sammelt, verdichtet und stellt bereit. Die Entscheidung verbleibt beim Menschen. Damit schließt sich der Bogen zur Ausgangsthese: Kompetente Köpfe hören dort auf, unbemerkt gegeneinander zu arbeiten, wo sie gemeinsam auf denselben Kontext blicken können.

Der eigene Ansatz im Praxistest

Frank Kosyk erprobt diesen Ansatz gegenwärtig an der Steinbeis School of Future Tech and Digital Innovation: Wissen extrahieren, Kernprozesse maschinenlesbar abbilden, Agenten anbinden und einen Governance-Rahmen etablieren, der Autonomiestufen, Eskalation und Rückrollbarkeit regelt. Der Prozess verläuft anspruchsvoller und langsamer als geplant und er ist nicht abgeschlossen. Das Weiterbildungsangebot der Steinbeis School befindet sich in der Entstehung. Eine Weiterentwicklung zu einem berufsbegleitenden Studiengang ist ebenfalls in Vorbereitung.

Die richtigen Köpfe an die richtigen Stellen zu bringen, bleibt richtig und wichtig. Die weiterführende Frage lautet jedoch: Was wird möglich, wenn kompetente Köpfe erstmals über ein gemeinsames Betriebssystem verfügen – und über ein Gedächtnis, das mitdenkt? Eine abschließende Antwort haben Frank Kosyk und Nikolai Ladanyi noch nicht. Aber sie halten es für erfolgversprechender, sie gemeinsam zu erarbeiten als jeder nur für sich allein. 

Kontakt

Nikolai Ladanyi (Autor)

Co-Founder
scale up Deutschland

234219-35
Zuletzt geändert am 24.09.2026

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