Das SWEPPP-Projektteam bei einer Reise ins finnische Turku.
Management & Unternehmensentwicklung Energie & Nachhaltigkeit
Veröffentlichungsdatum: 20.03.2026 | 0 Kommentare

Die menschliche Dimension der Nachhaltigkeit oder: Warum Wohlbefinden wichtig ist

Die Steinbeis School of Sustainable Innovation and Transformation entwickelt ein Schulungsprogramm, das persönliches Wohlbefinden in den Fokus stellt

Die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte wird stark von zwei großen Transformationsprozessen geprägt: der ökologischen und der digitalen Transformation. Doch langfristiger Wandel gelingt nur, wenn auch der Mensch selbst im Mittelpunkt steht. Die Steinbeis School of Sustainable Innovation and Transformation (SIT) setzt deshalb auf eine dritte Dimension der Transformation: nachhaltiges Wohlbefinden. Denn nur wenn Menschen körperlich und geistig gesund sind und resilient und verantwortungsbewusst handeln können, entstehen Organisationen und Systeme, die dauerhaft nachhaltig wirken. Diese Überzeugung steht im Mittelpunkt der SIT-Initiative „Wellbeing4Sustainability“. 

„An der Steinbeis School of Sustainable Innovation and Transformation glauben wir, dass Verantwortung bei einem selbst beginnt: Wir können nicht erwarten, dass Menschen, die ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden vernachlässigen, verantwortungsbewusst gegenüber ihrer Gemeinschaft, ihrer Organisation oder der Umwelt handeln“, ist SIT-Geschäftsführerin Ela Kurtcu überzeugt. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet das SIT-Team an einer langfristigen und wirkungsvollen nachhaltigen Transformation. In dieser Zeit konzentrierte sich die Nachhaltigkeitsdebatte weitgehend auf zwei Säulen: den grünen und den digitalen Wandel – allgemein als „doppelte Transformation“ bezeichnet. „Wir brauchen eine ehrgeizige Umweltpolitik und digitale wie auch technologische Fortschritte, um drängende globale Herausforderungen anzugehen. Grüne Strategien und digitale Werkzeuge allein reichen jedoch nicht aus“, betont Ela Kurtcu.

Ökologische und digitale Transformationsprozesse werden nur dann langfristig wirken und von Dauer sein, wenn die menschliche Komponente im Mittelpunkt dieser Prozesse steht. Nachhaltiger Wandel erfordert ein Umdenken in Bezug auf Mentalitäten, Verhaltensweisen und kulturelle Normen. Er erfordert, dass Menschen ihre Gewohnheiten, Werte und alltäglichen Praktiken überdenken.

Über grün und digital hinaus: die Notwendigkeit einer dritten Säule 

Innerhalb des Projekts „Nachhaltiges Wohlbefinden“ (SWEPPP), das von der Europäischen Union kofinanziert und gemeinsam mit drei europäischen Universitäten durchgeführt wurde, forschte das SIT-Team an einer dritten Säule, die sich mit dieser menschlichen Dimension der Transformation befasst: Wie fühlen, denken, handeln und arbeiten Menschen innerhalb von Systemen zusammen?

Das Projekt zielte darauf ab, ein ganzheitliches Verständnis von Wohlbefinden zu etablieren. Es legte den Fokus auf die gegenseitige Abhängigkeit von individueller Gesundheit, Organisationskultur und Umweltverantwortung und entwickelte strukturierte Lernmöglichkeiten, um diese Zusammenhänge greifbar und umsetzbar zu machen. Alle Ergebnisse sind auf der Projektwebsite frei zugänglich und tragen so zum breiteren Kompetenzaufbau in Europa bei. Sie unterstützen Pädagoginnen und Pädagogen, Fachleute und Organisationen, Wohlbefinden in Nachhaltigkeitsstrategien zu integrieren.

Ela Kurtcu fasst zusammen: „Eine wichtige Erkenntnis aus dieser Zusammenarbeit: Nachhaltiges Wohlbefinden ist kein ‚weiches‘ Zusatzelement von Nachhaltigkeitsagenden – es ist eine strukturelle Voraussetzung für langfristige, systemische Wirkung“.

Vom Projekt zum Schulungsprogramm 

Die Erkenntnisse aus dem EU-Projekt waren für die SIT Anstoß, ein Mikro-Zertifizierungsprogramm zum Thema „Nachhaltiges Wohlbefinden” zu konzipieren. Zusammen mit einer Wissenschaftlerin der Universität Malta, die im Rahmen des EU-Programms ERA Shuttle im Sommer 2025 zu Gast bei der SIT war, entwickelte das Forscherteam ein strukturiertes Schulungsprogramm, das sich zunächst an Forscher und Forschungsmanager richtete (siehe auch Beitrag “Brücke zwischen Wissenschaft und nicht-akademischer Welt”).

Das Programm wurde Zielgruppen in Danzig und Malta vorgestellt. Deren Feedback bestätigte sowohl die Relevanz als auch die Dringlichkeit des Themas, insbesondere in Forschungs- und Innovationsökosystemen, in denen hoher Stress, Leistungsdruck und systemische Komplexität an der Tagesordnung sind. Auf dieser Grundlage arbeitet die SIT nun daran, die Schulung als Mikro-Zertifizierungsmodul für Unternehmen und Organisationen anzupassen.

Ein ganzheitliches Verständnis von nachhaltigem Wohlbefinden 

Der Kurs soll den Lernenden ermöglichen, Praktiken für nachhaltiges Wohlbefinden in individuellen, organisatorischen und gesellschaftlichen Kontexten zu verstehen, anzuwenden und zu fördern und so zu langfristiger Gesundheit, Resilienz und ökologischer Nachhaltigkeit beizutragen.

Im Mittelpunkt steht ein zentraler Anspruch: Nachhaltige Systeme müssen so gestaltet sein, dass sie die Gesundheit und die Entwicklung des Menschen fördern und gleichzeitig ihrer Verantwortung gegenüber Organisationen, der Gesellschaft und dem Planeten gerecht werden. Das bedeutet auch, dass man lernen muss, Spannungen und Kompromisse zwischen diesen Dimensionen zu bewältigen.

Zahlreiche Studien belegen, dass Investitionen in das Wohlbefinden der Mitarbeitenden die Gesundheit, Produktivität, Kreativität, das Engagement und die Mitarbeiterbindung verbessern. Wohlbefinden am Arbeitsplatz lässt sich jedoch nicht allein auf Stress- oder Burnout-Management reduzieren. Viele der heutigen Gesundheitsprobleme haben ihre Ursachen im Lebensstil und systemischen Faktoren. Ein positiver Gesundheitsansatz umfasst Ernährung, Schlaf, körperliche Aktivität und soziale Kontakte. Diese Faktoren beeinflussen, wie Menschen bei der Arbeit auftreten, wie sie in Teams zusammenarbeiten und wie Arbeitsplätze organisiert sind und erlebt werden. Obwohl diese Aspekte weithin als „gesunder Menschenverstand” anerkannt sind, werden sie oft nicht in die tägliche Praxis umgesetzt.

Für Unternehmen ist die Investition in nachhaltiges Wohlbefinden nicht nur eine Frage der sozialen Verantwortung. Sie wird auch für die ESG-Ausrichtung immer relevanter, insbesondere in den Bereichen Soziales (S) und Governance (G). Organisationen, die das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden proaktiv fördern, stärken ihre Widerstandsfähigkeit, verringern das Burnout-Risiko, verbessern ihre ethische Führung und schaffen eine nachhaltigere Unternehmenskultur.

Verantwortungsbewusstsein schaffen 

Mit der Initiative „Wellbeing4Sustainability” möchte die SIT Menschen dazu befähigen, bewusst als Akteure des Wandels zu agieren, die die Zusammenhänge zwischen Selbstfürsorge, gesellschaftlichem Engagement und Verantwortung für den Planeten verstehen. Und wenn Gemeinschaften bewusst handeln, werden nachhaltige und widerstandsfähige soziale und wirtschaftliche Systeme möglich.

Nachhaltiger Wandel ist nicht allein auf politische Maßnahmen begrenzt. Er beginnt bei den Menschen. Die SIT sieht nachhaltiges Wohlbefinden nicht als optionale Ergänzung zu grünen und digitalen Strategien, sondern als deren notwendige humane Grundlage – als die Welle, die den Wandel wirklich nachhaltig macht.

Das Projekt SWEPPP

Sustainable Well-being – Education for Personal, Professional and Planetary Well-being (SWEPPP)
Projektnummer: 2023-1-PL01-KA220-HED-000156944
Website: www.wellbeing4sustainability.eu

Co-funded by the European Union

Im Rahmen des EU-Projekts ERA Shuttle ist der Steinbeis Transfer-Hub Berlin Gastgeber für Wissenschaftler und Führungskräfte von drei Partneruniversitäten aus Polen, Malta und Kroatien. Sie haben bei ihren Entsendungen die Möglichkeit, Unternehmen des Steinbeis-Netzwerks kennenzulernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Interessiert? Hier gibt’s weitere Infos: https://erashuttle.eu 

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Zuletzt geändert am 22.10.2026

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