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Company Building: Kompetente Köpfe schaffen Zukunft | Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
unsere Gesellschaft steht vor einem grundlegenden Spannungsfeld: dem Wunsch, Bewährtes zu erhalten – und der Notwendigkeit, Neues zu schaffen. In Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dominiert vielfach die Haltung, bestehende Strukturen um nahezu jeden Preis zu stabilisieren. Darin liegt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.
Denn die Evolution lehrt uns ein anderes Prinzip. Fortschritt entsteht nicht durch Stillstand, sondern durch Anpassung und Erneuerung. Der Ökonom Joseph Schumpeter hat diesen Gedanken mit dem Begriff der „schöpferischen Zerstörung" auf den Punkt gebracht: Nur durch das Ersetzen alter Strukturen durch neue kann nachhaltiges Wachstum entstehen. Die im vergangenen Oktober mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichneten Ökonomen Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howitt haben darauf aufbauend gezeigt, dass schöpferische Zerstörung die Grundlage ist, Wohlstand zu erhalten und eine Wirtschaft auf den nachhaltigen Wachstumspfad zu führen. Während Deutschland und Europa hier oft zögern, zeigen die USA und viele asiatische Volkswirtschaften, wie konsequente Erneuerung als Wettbewerbsvorteil genutzt wird. Die Fähigkeit zur Transformation ist längst ein entscheidender Standortfaktor.
An dieser Stelle gewinnt das Konzept des Company Buildings eine besondere gesellschaftliche Bedeutung. Company Builder schaffen gezielt Strukturen, in denen Innovationen nicht dem Zufall überlassen bleiben, sondern methodisch entwickelt, getestet und skaliert werden. Für Volkswirtschaften wie die deutsche – historisch geprägt durch industrielle Exzellenz – kann Company Building eine Brücke schlagen: zwischen der Stabilität etablierter Systeme und der Dynamik unternehmerischer Innovation, ohne die Kernorganisation zu destabilisieren. Aber auch hier gilt: Innovation erkennt man an den Widerständen, die sich gegen die flankierend erforderliche Veränderung stellen.
Wie viel Company Building brauchen wir für den Wohlstandserhalt Deutschlands? Wie gehen wir mit den Teilen unserer Gesellschaft um, die sich vom Wandel bedroht fühlen? Für die Bürgerinnen und Bürger ist das eine schwere Entscheidung – vor allem dann, wenn weite Teile der Politik suggerieren, dass Wohlstandserhalt ohne Veränderung und schöpferische Zerstörung möglich ist, und faktisch durch ihr Handeln die Erkenntnisse von Mokyr, Aghion und Howitt negieren. Wer mit einem neuen Lenkrad einen neuen Weg einschlagen möchte, muss leider das alte loslassen. Einfach gesagt, aber wahrscheinlich für uns alle die größte Herausforderung. Ich persönlich würde mir wünschen, dass unser Bildungssystem die Fähigkeit, diese Herausforderungen annehmen zu können, schon unseren Kindern vermittelt. Denn Fortschritt entsteht dort, wo Neues entstehen darf, und nicht, wo Altes nur optimiert wird.
Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre – und vielleicht auch den ein oder anderen Impuls, selbst Altes loszulassen, damit der eigene Gestaltungsraum größer wird.
Ihr
Dr.-Ing. Jürgen Jähnert
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