Ferdinand von Steinbeis (1807-1893)

Vater der dualen Ausbildung | Pionier im Technologietransfer

Ferdinand von Steinbeis gilt posthum als Vater der gewerblichen Ausbildung in Württemberg. Er gründete im ganzen Land Gewerbeschulen, so beispielsweise die Webschulen in Blaubeuren (1852) und in Reutlingen (1855).

Steinbeis plädierte stets für eine doppelseitige Ausbildung. Erst in der Verbindung von theoretischem Wissen und praktischem Können sah er das Ausbildungsziel qualifizierter Industriearbeitskräfte der Zukunft. Als Leiter der Zentralstelle für Handel und Gewerbe entwickelte Steinbeis schon Mitte des 19. Jahrhunderts Konzepte für den lange nach seiner Zeit umgesetzten praxisorientierten Technologietransfer.

Ferdinand von Steinbeis kommt am 5. Mai 1807 in Ölbronn bei Maulbronn als Sohn eines Pfarrers zur Welt. Mit 14 Jahren beginnt er eine Lehre im Hüttenwerk in Wasseralfingen. Drei Jahre später nimmt er an der Universität Tübingen das Studium der Naturwissenschaften auf.

Bereits im Alter von 20 Jahren wird Ferdinand Steinbeis im Rahmen einer Wettbewerbsarbeit über die Glasmacherei die Doktorwürde verliehen. Im gleichen Jahr übernimmt er seine erste Stelle als "Hüttenschreiber" in der Königlich Württembergischen Hütte Ludwigstal bei Tuttlingen. 1831 wird er von Fürst Karl Egon von Fürstenberg zum Leiter des fürstlichen Hüttenwesens berufen.

Industriearbeitskräfte der Zukunft benötigen theoretisches Wissen gekoppelt mit praktischem Können. Ferdinand von Steinbeis

1842 übernimmt er die Stelle des Generaldirektors in den Eisenwerken der Familie Stumm in Neunkirchen. In dieser Zeit fördert Steinbeis auch die Ausbildung des ihm unterstellten Personals. Um der ständigen Gefahr der Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte entgegenzuwirken, beschäftigt er sich mit der Einführung einer sozialen Fürsorge des Werks: Dazu zählen eine Hilfskasse für bedürftige Mitarbeiter, eine Invalidenkasse für arbeitsunfähige Gesellen, ein Werksarzt, eine Werksküche und die finanzielle Unterstützung beim Erwerb von Eigenheimen.

1848 wird die "Zentralstelle für Gewerbe und Handel" gegründet, die sich der Gewerbeförderung widmen soll und Steinbeis wird zum Technischen Rat der Zentralstelle: Ihm wird der Titel und Rang eines Regierungsrates verliehen. 1855 wird er dort Direktor, später Präsident.

1878 wird er von der gesamten Abgeordnetenkammer aufs schärfste verurteilt, weil er sich gegen die Einführung von Schutzzöllen wandte. Daraufhin zieht er sich nach und nach von sämtlichen öffentlichen Aufgaben zurück. Im Juli 1880 wird sein Pensionierungsgesuch genehmigt.

Ferdinand von Steinbeis stirbt am 7. Februar 1893 in Leipzig und wird in Ulm begraben.

Im Zeitraffer

1807: In Ölbronn geboren, der Vater ist Pfarrer, die Mutter eine Schwester des Dichters Justinus Kerner. Frühes technisches Interesse und wenig Neigung, den (vorbestimmten) Pfarrberuf zu ergreifen.

1821-24: „hüttenmännische Lehrzeit“ in Wasseralfingen und Abtsgmünd

1824-26: „Bergwerkskandidat Steinbeis“ als Gasthörer in Tübingen (Chemie, Physik); Nachholen der Reifeprüfung und Aufnahmeexamen für den Universitätsbesuch.

1826: „Bergkadett Steinbeis“ erhält ein Gehalt von 200 Gulden und die Erlaubnis, seine Studien zu vollenden (in Mathematik, Physik, Chemie, Mechanik, Baukunde, Forstwirtschaft und Verwaltungslehre).

1827: Doktor der Philosophie.

1827-31: „Hütten-Schreiber“ in der Fürstlich-Fürstenbergischen Eisenhütte in Ludwigstal.

1831-42: „Oberhüttenverwalter“

1842-48: Direktor der Stummschen Werke in Neunkirchen/Saar.

1845-46: Einrichtung des ersten deutschen Schienenwalzwerkes.

1848: „Technischer Rat“ der neugegründeten „Centralstelle für Gewerbe und Handel“ in Stuttgart (später Präsident). Steinbeis beantragt eine Reform des Bankwesens und veröffentlicht des erste „Gewerbeblatt aus Württemberg“ unter seiner Redaktion; Reise zur Gewerbe-Ausstellung nach Paris, Aufbau des „Musterlagers“ der Centralstelle.

1850: Reise zur Industrie-Ausstellung nach Leipzig.

1851: Aufbau einer „Lehrmittel-Sammlung“ und Beginn der Sammlung von Gips- und Holzmodellen für das Musterlager. Erste Weltausstellung in London.

1852: Gründung einer „Web-Schule“ in Blaubeuren. Einrichtung einer „Bibliothek für alle Gebiete der bildenden Künste“ in der Centralstelle.

1853: Gründung der „Württembergischen Handelsgesellschaft“ in Stuttgart.

1854: Gründung einer „Web-Schule“ in Stuttgart; „Handels- und Gewerbekammern“ entstehen auf Betreiben von Steinbeis in Heilbronn, Reutlingen, Stuttgart, Ulm.

1855: Gründung einer „Web-Schule“ in Reutlingen (späteres „Technikum“). Zweite Weltausstellung in Paris.

1856: König Wilhelm I. verleiht Steinbeis den Personaladel. Erste Landesausstellung gewerblicher Erzeugnisse in Verbindung mit dem alljährlichen Landwirtschaftlichen Hauptfest in Cannstatt. Steinbeis wird Direktor der Centralstelle.

1858: Ausstellung während des Cannstatter Volksfestes wird „Fortschritts-Ausstellung“.

1860: Einrichtung einer „Börse“ im Stuttgarter Königsbau auf Betreiben von Steinbeis.

1861: Eröffnung der „Abteilung für Mädchen“ an der Stuttgarter Gewerblichen Fortbildungsschule.

1862: Einführung der Gewerbefreiheit in Württemberg.

1865: Steinbeis wird Präsident der Centralstelle. Einrichtung einer Gips-Gießerei und Holzmodell-Drechslerei für das Musterlager.

1867: Weltausstellung in Paris (Steinbeis ist Mitglied der Jury).

1868: Einrichtung einer „Steinbeis-Stiftung“ durch Männer der württembergischen Industrie aus Dankbarkeit für das Wirken Steinbeis‘ und der Centralstelle. Gründung einer „Frauenarbeitsschule“ in Reutlingen.

1869: Teilnahme Steinbeis‘ an der Einweihung des Suez-Kanals als „hervorragender Vertreter des Wirtschaftslebens“. Bau des kalorischen Kraftmessers für Robert Mayer.

1871: Einrichtung einer württembergischen Notenbank. Durch die Reichsgründung verliert die Centralstelle einige ihrer bisherigen Aufgaben, die von der Reichsregierung übernommen wurden: Teilnahme an internationalen Ausstellungen, Patentwesen, Zoll- und Handelsgesetzgebung. Industrieausstellung in Ulm bringt größte Breitenwirkung für die Centralstelle. Ehrenbürgerrecht als Dank der Stadt Ulm.

1878: Stellungnahme gegen Bismarcks Schutzzoll-Politik bringt Steinbeis Angriffe in der Abgeordnetenkammer.

1880: Einreichung des Pensions-Gesuchs, Übersiedlung nach Leipzig.

1881: Württembergische Landes-Gewerbe-Ausstellung in Stuttgart.

1893: Tod am 7. Februar in Leipzig.

(Quelle: Haus der Wirtschaft, Stuttgart)

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