„Wir leben laufend in Veränderungen“

Die Steinbeis-Hochschule qualifiziert Führungskräfte

Der Fachkräftemangel bremst die Maschinenbauer. Doch jammern nützt nichts. Weiterbilden heißt die Devise. Mittelständler wie Elektror qualifizieren gezielt mit Hilfe des Kooperationspartners Steinbeis Career Center an der Steinbeis-Hochschule Berlin.

Wie spannend Wirtschaft sein kann, erleben die Mitarbeiter der Elektror Airsystems GmbH jeden Tag aufs Neue. Ob es die firmeneigene Weiterbildungs-Akademie ist, die eine Wirtschaftspsychologin konzipiert, ob der Aufbau von Vertriebsgesellschaften im Controlling, den ein Absolvent der Steinbeis-Hochschule Berlin in die Wege leitet, oder der After- Sales-Bereich, den ein Elektror-Mitarbeiter vorantreibt und nach Weiterqualifikation demnächst den Master of Science der Donau- Universität Krems erhalten wird. Was sie eint, ist die Arbeit an Projekten mit glänzenden Perspektiven – für das Unternehmen wie für die eigene Karriere.

Klare Ziele, hohe Erwartungen: Der Hersteller von Industrie-Radialventilatoren und Seitenkanalverdichtern hat die Weiterbildung zur Maxime erhoben. Wer Bereitschaft zeigt, an sich zu arbeiten, wird belohnt. Dem Führungsnachwuchs steht eine breite Palette an Qualifizierungsmöglichkeiten offen, die der Elektror-Kooperationspartner Steinbeis Career Center (SCC) anbietet: vom Besuch des modular angelegten St. Galler Management- Seminars über berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengänge mit Abschluss Bachelor und Master, bis hin zur Promotion.

Entscheidend ist der Titel nicht, die Qualifizierung muss der Firma nützen. „Die anzustrebende Qualifikation hat immer zu den benötigten Fähigkeiten unseres Unternehmens wie auch zum individuellen Aufgabenbereich zu passen“, zieht Personalleiterin Pia Eberspächer die Grenze. Ein Zwang zur Weiterbildung bestehe nicht. Auch ist das Programm nicht nur dem Nachwuchs vorbehalten. Patricia Kuppinger, Direktorin des SCC, bestätigt: „Dass Elektrors ältester St. Galler- Absolvent 53 war, zeigt, wie gezielt auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen wird.“

Im Seminar arbeiten sich die Studierenden in zehn Modulen, die jeweils zwei Tage dauern, durch eine Fülle von Fallbeispielen, die sie auf die Anforderungen im Management vorbereiten. Da die Teilnehmer aus unterschiedlichen Branchen stammen, so Kuppinger, würde besonders der Blick über den Tellerrand geschult. „Da entstehen Beziehungen, die auch dem Unternehmen nützen können“, hebt die SCC-Leiterin auf den Netzwerkgedanken ab.

Kein Wunder, dass das Talentmanagement bei Elektror zugleich ein effektives Motivationsprogramm ist. Wie sehr die hauseigene Exzellenzinitiative genutzt wird, zeigt auch das Jahresbudget von aktuell rund 200 000 Euro. Knapp ein Dutzend Mitarbeiter hat das St. Galler Programm bislang absolviert, ebenso viele haben den Master-Abschluss in der Tasche. Dabei zählt die aktuelle Belegschaft des Esslinger Maschinenbauunternehmens gerade mal 210 Köpfe. Gemanagt wird im württembergischen Esslingen – nach Umzug des Stammhauses demnächst im nahe gelegenen Ostfildern –, produziert wird in Waghäusel.

Dort, im badischen Landesteil, hat Geschäftsführer Ulrich W. Kreher ein ganzheitliches Produktionssystem eingeführt. Kontinuierliche Verbesserungsprozesse optimieren die Abläufe. Die Produktivität steigt so stetig wie der Umsatz. Nach diesem Vorbild soll sich jetzt auch der Verwaltungsbereich ändern. Ziel sind schlanke, von Verschwendung freie Abläufe. „Früher“, vergleicht Pia Eberspächer, „hat der Mitarbeiter abgearbeitet, jetzt denkt er mit und bringt sich ein.“ Zur Kultur von Elektror gehöre es, laufend in Veränderungen zu leben. Das Gros der Belegschaft ziehe mit, bestätigt die Personalchefin. „Sie freuen sich über Veränderungen, die sie mitgestalten können, und bringen sich kreativ ein.“ Fachliche Fähigkeiten allein bringe ein Unternehmen nicht voran“, weiß Eberspächer. Vielmehr braucht es auch Sozial- und Führungskompetenzen, vor allem aber unternehmerisches Denken.

Solche Fähigkeiten sind gefragt, wenn der Stammsitz-Neubau nahe des Stuttgarter Flughafens bezogen ist. Wenn Kaizen auch ins Office einzieht und dort die Abläufe optimiert, ist das „auch eine Entwicklungschance für alle Mitarbeiter hin zu einer werthaltigeren Tätigkeit“, sieht Eberspächer den Nutzen. Aus ihrer Sicht wird das Prozessdenken immer wichtiger: „In einigen Jahren werden wir statt in Bereichen in Prozessen arbeiten.“ Am künftigen Stammsitz wird die Zukunft geprobt. Abteilungsstrukturen sind dann zwar immer noch vorhanden. Doch mit dem Einzug schlägt der Mittelständler ein neues Kapitel in puncto Prozesssicht auf. Dann wird getestet, wie ein Hauptprozess aufgesetzt wird, wie er läuft und wie die Zusammenarbeit funktioniert. In Workshops wurde der Auftragsdurchlauf als Hauptprozess näher beleuchtet, seine Wertströme analysiert und als Prozess modelliert. Darin besser zu werden, treibt die Elektror-Mitarbeiter an.

Alle Maßnahmen – die organisatorischen wie die weiterbildungsseitigen – zielen darauf ab, den Standort Deutschland zu erhalten und talentierte Mitarbeiter zu binden. Abgesehen von altersbedingten Austritten herrscht bei Elektror kaum Fluktuation. Auch das ist ein Indiz dafür, dass der Weg hin zur lernenden Organisation der richtige ist. Ein Garant dafür sei das von Steinbeis vermittelte Management- Know-how, „das zum Mittelstand und zu Unternehmen unserer Größe passt“, betont Eberspächer. Mit dem Bildungsanbieter kooperieren die Esslinger seit mehr als zehn Jahren. SCC-Direktorin Kuppinger kann auf rund 5000 Kontakte zu Unternehmen kleinerer und mittlerer Größe verweisen. Elektror, mit seinen systematischen Maßnahmen der Personalentwicklung, sieht sie „im oberen Level der lernenden Unternehmen“.

Kleinere Betriebe können sich eine Weiterbildung im großen Stil nicht leisten. Ihnen will die Elektror-Führung den Zugang verschaffen. Das Wissen um Lernprozesse, aber auch um Erfahrungen, wie ein Unternehmen nach vorne gebracht werden kann, soll in einer eigenen Akademie in Kooperation mit dem SCC vermittelt werden. Am künftigen Stammsitz, einem eleganten Neubau aus Stahl und Glas, ist reichlich Platz dafür. Es soll ein Zentrum der Weiterbildung werden. Der Maschinenbauer will seine neue Ausbildungsstätte sogar als Geschäftszweig etablieren. Bereits zur Jahresmitte sollen die ersten Maßnahmen starten.


Pia Eberspächer will diese Institution zur breit angelegten Bildungsplattform ausbauen, die auch die Bedürfnisse kleinerer Betriebe berücksichtigt. Steinbeis mit dem St. Galler Management-Seminar ist ein tragender Pfeiler, gesetzt sind auch der gemeinnützige Bildungsträger BBQ oder das Münchener Management Forum für das Coaching und Führungskräfteentwicklung. Weiteren Partnern stehen die Türen offen. Eberspächers Anspruch ist die fachübergreifende ganzheitliche Weiterentwicklung. Sie will bieten können, was die Wirtschaft verlangt. Entsprechend breit muss das Spektrum sein.

Der Anspruch kommt nicht von ungefähr. Berufsbegleitende Weiterbildung wird vom Chef vorgelebt: Ulrich W. Kreher selbst hat Mitte der 90er-Jahre den Weg zu Steinbeis geebnet. Technisch orientiert, hat sich der Geschäftsführer dort betriebswirtschaftliches Wissen und Management-Know-how für seine Tätigkeit angeeignet. Auf das St. Galler Management-Seminar sattelte er den Bachelor und den Master. Bald war ihm klar: Auch seine Mitarbeiter sollten hier ihren Schliff erhalten, um dieselbe Sprache zu sprechen und in puncto vernetztem Denken mithalten zu können. „Diese Vorgabe“, freut sich SCC-Direktorin Kuppinger, „war die Einflugschneise zu Steinbeis.“

Dietmar Kieser
Quelle: Industrieanzeiger 12/2008

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