Technologie sucht Gründer

Wie motiviert man zur Unternehmensgründung?

Laut den neuesten Daten und Fakten aus Deutschland scheint der Transfer von Technologie in die Wirtschaft gut zu funktionieren. Deutschland belegt in der Zahl der Patentanmeldungen mit 16 900 im Jahr 2006 weltweit Platz drei hinter den USA (49 600) und Japan (26 900). Pro Kopf liegt Deutschland damit sogar an erster Stelle. Dank immer neuer Innovationen konnte sich Deutschland in den letzten Jahren zum Exportweltmeister entwickeln und bereits in der Vergangenheit gab es eine Vielzahl erfolgreicher Innovationsgeschichten, die Milliardenmärkte erschlossen: Fernseher, Faxgerät, Hybridmotor oder auch MP3-Datenkomprimierung. Eines haben diese Erfindungen jedoch gemeinsam. Ihre wirtschaftliche Verwertung fand entweder vollständig oder zu großen Teilen im Ausland statt.

Deutschland scheint es also nicht an Spitzenforschern – 20 Nobelpreise für Chemie und Physik allein in den letzten 50 Jahren – Produktideen und Patenten zu mangeln. Vielmehr scheinen Unternehmer Mangelware zu sein, die den Mut zur Unternehmensgründung haben, um aus Ideen Produkte entstehen zu lassen, auch gegen das in der Gesellschaft ihrer Berufsgruppe entgegengebrachte Misstrauen.

So ermittelte der Global Entrepreneurship Monitor 2006, dass lediglich 3 Prozent der deutschen 18- bis 64-Jährigen ein Unternehmen gründen und lediglich 6 bis 7 Prozent (Spiegel Nr. 42/2007) davon aus dem Hochtechnologiebereich stammen. Damit belegt Deutschland den 32. Platz von 42 untersuchten Ländern. Hinzu kommt, dass rund 30 Prozent aller Gründer die Angst vor der Arbeitslosigkeit als stärkste Motivation für die Selbstständigkeit angeben. Wen wundert es da, dass in Zeiten der guten Konjunktur, die Zahl der Technologiegründungen nicht steigt, sondern sinkt? Allein im Bereich der Elektrotechnik gingen sie in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent zurück.

Hochschulabgänger können sich die Jobs wieder aussuchen und entscheiden sich vermehrt für eine Industriekarriere. Doch kennen sie die Möglichkeiten der Selbstständigkeit und begreifen sie diese als vollwertig alternatives Berufsbild? Politiker und Bildungseinrichtungen reagieren auf diese Frage inzwischen reflexartig mit der Forderung nach einer studienbegleitenden BWL-Ausbildung der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Es ist jedoch keine Frage mangelnder BWL-Kenntnisse, die junge Leute davon abhält den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen. Meist mangelt es schlicht an der Erkenntnis, dass Fördereinrichtungen, Netzwerke und Investoren existieren und unterstützen. Es mangelt an interdisziplinärem Austausch zwischen den Wirtschaftsfakultäten und denen der Naturwissenschaften.

Mit Exist-Seed, dem High-Tech-Gründerfonds, Businessplanwettbewerben und vielen lokalen Netzwerkinitiativen und Technologietransferstellen haben Bund und Länder eine Infrastruktur für Technologiegründungen geschaffen, die sich zwar sehen lassen kann, was an den rückläufigen Zahlen bisher jedoch nichts ändern konnte. Diesem Missstand kann schnell und unbürokratisch begegnet werden.

Um eine Bürokratisierung zu vermeiden, sollte man zunächst von einer Integration von BWL-Grundlagen in den Lehrstoff der Naturwissenschafts- und Ingenieursstudiengänge absehen. Kaum einer hat die Kapazität ein zweites Studium, oder auch nur weitere Seminare aufzunehmen, um sich etwa juristische oder betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse anzueignen, ohne sein eigentliches Studium zu vernachlässigen. Ein Doktorandenseminar mit einem Businessplanspiel dagegen kann in Absprache mit den jeweiligen Professoren einfach und preiswert durchgeführt werden, da die Diplomarbeit und Promotion die Phasen der Ausbildung sind, in denen sich junge Natur- und Ingenieurwissenschaftler Gedanken über ihre berufliche Zukunft machen. Es muss darum gehen, den Absolventen eine andere Perspektive auf ihre wissenschaftliche Arbeit und spätere Karriere zu eröffnen. Es gilt, sie in einen ökonomischen Kontext einzubetten und sich mit spielerischen Mitteln mit den Chancen und Risiken einer Technologiegründung zu befassen.

Letztlich ist für den Erfolg solcher Maßnahmen entscheidend, dass Industrie und Hochschulen aufhören eine Ausgründung als Konkurrenz um die besten Köpfe zu betrachten. Sie sind im Gegenteil wichtige Innovationsmotoren zum Wohle aller gesellschaftlichen Interessensgruppen.

Seite teilen