Gut beraten

Gezielte Beratung für Ärzte, Kliniken, Banken und Investoren

Im Sommer diesen Jahres wollte sich der Allgemeinmediziner Dr. Werner Huber (Name geändert) seinen lange gehegten Traum einer eigenen Praxis erfüllen. Er hatte die Möglichkeit, für eine sechsstellige Summe eine Einzelpraxis zu übernehmen. Zusätzlich zum Kaufpreis wären noch Renovierungskosten der Räume sowie einige technische Geräte zu finanzieren gewesen. Eine Veröffentlichung, dass nach Schätzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) rund ein Drittel der niedergelassenen Ärzte immer stärker unter existenziellen Druck gerät und die Zahl der Insolvenzen nach Schätzung der Firmendatenbank Creditreform erneut steigen wird, veranlassten ihn, sein Vorhaben nochmals kritisch zu hinterfragen. Für eine unabhängige Expertenmeinung wandte er sich an das Steinbeis-Beratungszentrum Healthcare Business Research & Management.

Trotz steigender Umsätze steigt die Zahl der insolventen Arztpraxen rapide. Das Steinbeis-Beratungszentrum Healthcare Business Research & Management unterstützt Ärzte dabei, ihre Praxis frühzeitig zu reorganisieren – so kann der Ernstfall oft noch abgewendet werden. Für Existenzgründer steht ein umfangreiches Beratungs- und Dienstleistungsangebot von erfahrenen Experten zur Verfügung. Das Zentrum verfügt durch seine laufend aktualisierte Datenbank im Gesundheitswesen über umfangreiches betriebswirtschaftliches Datenmaterial.

Der Fall von Dr. Huber steht stellvertretend für viele Ärzte in Deutschland, die ihre Praxis aus Altersgründen verkaufen, und Existenzgründer, die diese übernehmen möchten. Bis 1993 das Gesundheitsstrukturgesetz kam, konnten sich Ärzte ohne Beschränkungen selbstständig machen. Seit 1993 kaufen sich Ärzte häufig in laufende Praxen ein oder übernehmen diese. Die Zahl der Arztpraxen in Deutschland stagniert. Sie hat seit 1998 nur noch um 0,9 Prozent zugenommen. In dieser Entwicklung spiegelt sich vor allem auch die zunehmende Zusammenlegung von Praxen zu Gemeinschaftspraxen wider. Im Zeitraum 1996 bis 2006 hat sich die Zahl der hausärztlich tätigen Vertragsärzte um 5,5 Prozent verringert, die der fachärztlich Tätigen hat sich um den gleichen Prozentsatz erhöht. Hierin zeigt sich teilweise auch der medizinische Fortschritt, der vor allem die Entwicklung der Fachärzte betrifft und dazu geführt hat, dass einige Behandlungen, die früher nur in der Klinik erbracht werden konnten, nunmehr auch in der Praxis möglich sind. Dadurch kam es zu einem kleinen Niederlassungsboom in einigen Fachgruppen, wie der Onkologie/Hämatologie, Anästhesie, Kardiologie und Nuklearmedizin.

Die heutige Arztpraxis stellt einen modernen Dienstleistungsbetrieb dar, in dem unternehmerische Strategien zwingend gefordert sind. Als Messlatte für die von Huber geplante Praxisübernahme dient der im Jahr 2006 in einer allgemeinmedizinischen Praxis erzielte durchschnittliche Umsatz von 208.062 Euro. Davon entfallen auf den vertragsärztlichen Bereich 82,9 Prozent, 15 Prozent sind dem Privatumsatz und 2,1 Prozent den sonstigen Einnahmen zuzuordnen. Nach Abzug der Kosten von 52,8 Prozent verbleibt ein Gewinn von 47,2 Prozent. Im Vergleich dazu schneidet die Gemeinschaftspraxis deutlich besser ab: ihr verbleibt ein Gewinn von 53,6 Prozent. Im Hinblick auf die Entscheidung, welchen Weg Dr. Huber einschlagen kann, sind die durchschnittlichen Investitions- und Finanzierungskosten von herausragender Bedeutung. Im Jahr 1990 war die Übernahme einer Einzelpraxis, ganz gleich welcher Fachrichtungen, mit einem durchschnittlichen Gesamtfinanzierungsvolumen von 143.991 Euro günstiger als eine Neugründung (149.305 Euro). Unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesundheitsstrukturgesetzes kehrte sich dies um: Bereits 2004 waren für die Praxisübernahme im Westen 203.402 Euro (133.169 Euro im Osten) und bei Neugründung im Westen 136.512 Euro (115.098 Euro im Osten) zu finanzieren.

Wichtig für jeden Arzt ist die Ablauforganisation in seiner Praxis. Der Architekt, Planer und Unternehmensberater Reinhold R. Wolff gehört zum Expertenteam des Beratungszentrums. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Kostentreiber Nr. 1 die Praxisräume sind. Sie können optimale Arbeitsabläufe verhindern und zusätzliche Personalkosten verursachen. Bei herkömmlicher Praxisplanung verbraucht ein Arzt am Tag durchschnittlich zwei Stunden seiner Arbeitszeit für Wege innerhalb der Praxis. Im Durchschnitt kommen in einer Einzelpraxis auf einen Arzt drei Mitarbeiter, für deren Wege durchschnittlich ebenfalls zwei Stunden pro Tag zu veranschlagen sind. Intelligente Planung kann den Zeitaufwand für Wege um bis zu acht Stunden, was einer Vollzeitstelle entspricht, reduzieren. Die durch intelligente Planung eingesparten Kosten belaufen sich auf rund zehn Prozent pro Jahr. Die Steinbeis-Experten überprüfen Planunterlagen und beraten bei Neu- oder Umbauvorhaben. Das Berliner Steinbeis-Beratungszentrum betreut nicht nur Ärzte wie Dr. Huber. Betriebsanalysen in Kliniken und Unternehmensbewertungen von Kliniken, Arzt- und Zahnarztpraxen, Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen gehören genauso zum Tätigkeitsfeld wie deren umfassende betriebswirtschaftliche Beratung sowie die Projektentwicklung von Ärztehäusern/Medizinischen Versorgungszentren und Einrichtungen des Rettungsdienstes. Banken und Beratungsunternehmen können auf die Daten der Research-Datenbank zurückgreifen.

Die Erfahrung zeigt, dass es oftmals für Praxen und Kliniken nicht nur kostengünstiger, sondern auch wesentlich effizienter ist, zukunftsweisende und hoch innovative Projekte nicht durch externe Beratung, sondern unter wissenschaftlicher Begleitung im eigenen Haus zu entwickeln. Das Steinbeis-Beratungszentrum arbeitet in diesem Bereich eng mit dem Institut für Management im Gesundheitswesen der Steinbeis-Hochschule Berlin und der Steinbeis Business Academy zusammen. Der Studiengang „Management im Gesundheits- und Sozialwesen (Bachelor of Business Administration)“ ist auf die spezifischen Bedürfnisse des Gesundheitswesens ausgerichtet.

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