Schulsport mit Pferd

SHB-Studentin entwickelt ein pferdegestütztes Präventionsprogramm

Zahlreiche Studien belegen, dass sozial-emotionale Kompetenzen eine zentrale Rolle bei der sozialen und schulischen Anpassung von Kindern und Jugendlichen spielen. Dazu gehören Kompetenzen wie eigene und fremde Gefühle zu erkennen und zu verstehen, zu lernen sich in andere einzufühlen und eigene Gefühle zu steuern sowie Durchsetzungsfähigkeit und Konfliktbewältigung. Defizite dieser Kompetenzen gehen häufig mit Verhaltensstörungen einher. Frauke Schneider-Franzen, Business Coach und Beraterin, studiert seit 2012 an der Steinbeis Business Academy der Steinbeis-Hochschule Berlin (SHB) im Bachelor of Arts-Studiengang Social-, Healthcare- and Education-Management im Wahlpflichtfach Equine Assisted Therapy. Sie engagiert sich für den pädagogischen Reitunterricht für Kinder im Grundschulalter und beschäftigt sich in ihrem Studienprojekt mit der Frage, wie man die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung und die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Kindern im Grundschulalter mit Hilfe des Mediums Pferd fördern kann.

Pferde bieten einzigartige Voraussetzungen für den pädagogischen und therapeutischen Prozess, wie beispielsweise Kooperation, Geduld, Bereitwilligkeit, Ansprechbarkeit und eine menschenzugewandte Orientierung. Die Interaktion mit Pferden löst bei Kindern und Erwachsenen Emotionen aus, die im pädagogischen Prozess nutzbar gemacht werden können. Darüber hinaus sind Pferde Herdentiere mit einer Rangordnung und reagieren sensibel auf ihre Umwelt. Zusammen mit der Annahme, dass Kinder eine natürliche Affinität zu Pferden haben, können diese Eigenschaften von Pferden eine bedeutsame Rolle bei einem entwicklungsorientierten Präventionsprogramm spielen.

„Der Einsatz von Pferden in therapeutischen und pädagogischen Handlungsfeldern steigt kontinuierlich. Allerdings ist die Studienlage hinsichtlich evidenzbasierter Praxis im Bereich pferdegestützter Interventionen im deutschsprachigen Raum dürftig. Es werden methodisch gut durchdachte Studien benötigt, um die Wirksamkeit von pferdegestütz- ten Interventionen in den jeweiligen Anwendungsbereichen nachzuweisen.“ berichtet Projektbetreuerin Jennifer Kurré, Diplom-Psychologin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie berät das Steinbeis- Transfer-Institut Equine Assisted Therapy and Management, das 2010 von Dr. med. Rosemarie Genn gegründet wurde, um Fachkräfte für pferdegestützte Interventionen zu qualifizieren, Qualitätsstandards zu definieren und Forschung systematisch voranzutreiben.

An dieser Stelle setzt Frauke Schneider-Franzen mit ihrem Projekt an. „Mein persönliches Ziel ist es, die positiven Auswirkungen, die subjektiv mit den therapeutischen und pädagogischen Interventionen gesammelt wurden, empirisch nachzuweisen“, erklärt sie. Ihr Pilotprojekt „Pferdegestützte Intervention zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen“ (PIseK) untersucht die Wirksamkeit der pferdegestützten Interventionen im Hinblick auf die sozial-emotionale Kompetenzentwicklung und die Förderung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Kindern im Grundschulalter.

Als Studiendesign wählte Frauke Schneider-Franzen einen quasi-experimentellen Ansatz mit drei Befragungszeitpunkten. Die Interventionsgruppe nimmt an dem pferdegestützten Präventionsprogramm teil, während die Vergleichsgruppe in dem gleichen Zeitraum den regulären Schulsport besucht. Das Design ermöglicht sowohl Aussagen über kurzfristige Veränderungen als auch die Nachhaltigkeit der pferdegestützten Intervention.

Nach der Genehmigung durch die Landesschulbehörde Niedersachsen wird das Projekt an der Heideschule in Buchholz i.d.N. durchgeführt. Anke Stenzel, die Leiterin der Grund-, Haupt- und Kooperationsschule, ist aufgeschlossen für innovative Ideen zur Förderung ihrer Schüler und setzt Inklusion schon seit Jahren vorbildlich um. Im Rahmen des Schulsports nehmen 24 Schüler der Klassen 1-4 an dem pferdegestützten Präventionsprogramm teil. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen findet auf dem schulnah gelegenen Franzenhof einmal wöchentlich die angeleitete Beschäftigung mit und auf dem Pferd statt. Die pferdegestützte Intervention beinhaltet sowohl das eigentliche Reiten als auch die Vorbereitung und anschließende Versorgung des Pferdes. Das pädagogische Konzept sieht vor, dass sich jeweils zwei Kinder ein Pony teilen. Jede Stunde wurde von Frauke Schneider-Franzen in Abstimmung mit der Klassenlehrerin und ihrer Projektbetreuerin inhaltlich geplant. Bei der Durchführung assistieren ihr eine Reitlehrerin und vier weitere Assistenten.

Die Schüler sind begeistert von den Interventionen und erste sehr positive Reaktionen seitens der Lehrer und Eltern lassen darauf hoffen, dass die wissenschaftliche Begleitung positive Ergebnisse zeigen wird. Corinna Vogt, Klassenlehrerin und stellvertretende Schulleiterin berichtet nach den ersten Interventionen: „Es war beeindruckend, miterle- ben zu dürfen, welche positiven Veränderungen im sozialen Umgang miteinander bereits nach kurzer Zeit eingetreten sind. Besonders auch deshalb, weil sich diese auch deutlich im Schulalltag gezeigt haben.“

Schulleiterin Anke Stenzel äußert sich ebenfalls begeistert: „Viele Schüler sind über sich hinausgewachsen, haben große Ängste – nicht nur vor Pferden – bekämpft und am Ende des Projektes ein deutlich selbstbewussteres und selbstsicheres Auftreten und Verhalten gezeigt.“ Sie würde es sehr begrüßen, wenn pferdegestützte Interventionen wie PIseK regelhaft in den Alltag von Grundschulen integriert werden würden und ist gespannt auf die Ergebnisse der Auswertungen.

Rosemarie Genn freut sich als Studiengangleitung vor allem über die Fähigkeit von Frauke Schneider-Franzen und ihren anderen Studierenden, den Transfer der Studieninhalte in kürzester Zeit zu leisten und ihre Projekte wissenschaftlich fundiert in die Praxis umzusetzen.

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