„Für KMU kann die Kooperation mit Steinbeis-Unternehmen sehr fruchtbar sein“

Im Gespräch mit Prof. Dr. rer. pol. Udo Wupperfeld

Herr Professor Wupperfeld, Ihr Steinbeis-Transferzentrum Technologiebewertung und Innovationsberatung (TIB) hat seinen Sitz in der Metropolregion Rhein-Neckar. Wie wirkt sich der Branchenmix dieser starken Region auf Ihr Dienstleistungsprofil und die Anforderungen Ihrer Kunden aus?

Der Branchenmix der Region spiegelt sich auch bei den von uns bisher bearbeiteten Themen wider. So haben wir in den letzten 15 Jahren über 900 NTG (Netzwerk für Markt- und Technologiegutachten)-Gutachten in den unterschiedlichsten Branchen erstellt. Ebenso zeichnen sich unsere Dienstleistungen durch eine hohe Expertise und Flexibilität aus, was maßgeblich durch unsere Mitarbeiter beeinflusst wird.

Unsere Tätigkeit wurde in dieser Zeit stark von technologischen Trends, wirtschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen beeinflusst, so dass wir auf die dadurch veränderten Kundenwünsche zeitnah reagieren mussten, indem neue Dienstleistungen angeboten werden und unser Personal ständig weiterqualifiziert wird.

Potenzial erkennen – Chancen nutzen – Risiken minimieren, so umreißen Sie das Motto Ihres Zentrums. Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei diesen Aufgaben ganz konkret?

Dadurch, dass wir über ein Gutachternetzwerk mit zur Zeit über 1.700 Experten in nahezu allen Technologiebereichen verfügen, können wir sehr komplexe Vorhaben in Bezug auf deren Technologie- und Marktpotenzial genau einschätzen. Unsere Kunden profitieren hierdurch, da sie auf diese Weise die mit einem Vorhaben verbundenen Chancen besser nutzen können und vorhandene Risiken bereits im Vorfeld identifiziert und minimiert werden können.

Ein Bespiel, um dies zu verdeutlichen: Mit Hilfe einer Finanzierung soll ein Unternehmen gegründet werden, das einen neuartigen Ansatz zur Medikamententestung entwickelt hat, so dass damit Tierversuche in Zukunft überflüssig werden. Einer unserer Experten hat die entwickelte Technologie und ihre Marktfähigkeit überprüft. Auch Themen wie beispielsweise der Schutz der Innovation vor Nachahmung oder die Vermarktbarkeit des Produktes wurden im Rahmen der Begutachtung von ihm untersucht. Werden dabei Probleme identifiziert, werden von unserem Experten zeitnah praxisnahe Handlungsempfehlungen entwickelt, um diese zu lösen.

Sie haben Ihr Steinbeis-Unternehmen 1998 mit dem Ziel gegründet, den Finanzierungsmarkt nachhaltig in seinem Bemühen zu unterstützen, die mittelständische Wirtschaft und innovative Vorhaben wie Patente, Produktentwicklungen oder Neugründungen zu fördern. Wie haben die Entwicklungen der Finanzbranche in den vergangenen Jahren Ihre Arbeit im Zentrum beeinflusst?

Eine wichtige Entwicklung der letzten Jahre war die stärkere Förderung von jungen technologieorientierten Unternehmen mit dem Ziel, dem Markt für Seed-Finanzierungen in Deutschland deutliche Impulse zu geben und damit die Finanzierungsbedingungen für technologieorientierte Gründer nachhaltig zu verbessern.

Besonders durch die enge Zusammenarbeit mit dem High-Tech Gründerfonds in Bonn und der Sparkassenfinanzgruppe hatte das TIB die Chance, viele neu entstehende technologieorientierte Unternehmen bereits in ihrer Seed-Phase kennen zu lernen und sie bei ihren ersten Schritten zu begleiten.

In Ihrem Beitrag „Tech-Guide 2012“ für das Venture-Capital Magazin beschäftigen Sie sich gemeinsam mit Michael See mit dem Thema Innovationen, Technologietransfer und Wettbewerbsvorteile. Wie können sich aus Ihrer Sicht insbesondere KMU heute Wettbewerbsvorteile gegenüber regionalen wie auch internationalen Konkurrenten sichern?

Innovation ist das wesentliche Element, um sich gegen Konkurrenten abzuheben und im nationalen wie auch internationalen Umfeld konkurrenzfähig zu bleiben. Gerade für KMU, die zum Teil nur über eingeschränkte Ressourcen verfügen, kann hier die Kooperation mit Steinbeis- Unternehmen sehr fruchtbar sein und es kann durch Technologietransfer ein deutlicher Innovationsvorsprung entstehen. KMU können hierdurch enorm profitieren und so ihre Innovationskraft sowie Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Ein weiterer Aspekt, der immer wichtiger wird, ist der Schutz der eigenen Innovation vor Nachahmung z.B. durch Patente, da sonst der hart erarbeitete Wettbewerbsvorteil innerhalb kürzester Zeit verloren gehen kann.

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