„Brückenbauer zwischen Hochschule und Wirtschaft“

Im Gespräch mit Professor Klaus Gremminger

Herr Professor Gremminger, Ihr Steinbeis-Transferzentrum Innovation > Development > Application (STZ IDA) ist ein Musterbeispiel für marktnahen Technologietransfer, denn hier werden Erkenntnisse über innovative IT-Entwicklungen gebündelt und erfolgreich in die Wirtschaft transferiert. Ihr Leitspruch bei der Umsetzung Ihrer Projekte heißt „intelligent, wegweisend und zukunftssicher“. Was sehen Sie aktuell als wegweisende Entwicklungen in Ihrem Fachgebiet?

Seit dem ich 1989 in das Fachgebiet Informatik an der Hochschule Karlsruhe eingestiegen bin, habe ich mich stetig mit neuen Themen beschäftigt, welche ursprünglich den Schwerpunkt Datenbanksysteme auswiesen und über Verteilte Datenbanken sich auf Verteilte Informationssysteme ausweiteten. Aktuell liegt der Fokus bei mir und dem STZ IDA auf jQuery, jQuery Mobile, Android, iPhone, Eclipse RCP, OSGi, Spring, Enterprise Service Bus und BPM.

Das Steinbeis-Transferzentrum Innovation > Development > Application ist ein Urgestein des Steinbeis-Verbunds: 1984 von Professoren der Fakultät für Informatik an der Hochschule Karlsruhe gegründet, haben Sie 2002 die Leitung übernommen. 2004 wurde das Transferzentrum mit dem Löhn-Preis ausgezeichnet. Mehr als 25 Jahre erfolgreiche Arbeit – was sind die Meilensteine in der Entwicklung des STZ IDA, was hat sich am gravierendsten im Laufe der Zeit verändert?

Das STZ IDA hat sich seit 2002 kontinuierlich verbessert und ist inzwischen breitgefächert aufgestellt. Allgemein möchte ich den Schulterschluss mit der Wirtschaft in der TechnologieRegion Karlsruhe und die enge Kooperation mit namhaften Unternehmen wie 1&1 Internet AG, dm-drogerie markt GmbH + Co. KG, EnBW AG, Fiducia IT AG, IDS GmbH, LUBW ÖR, Mercedes-AMG GmbH, PTV AG, Rockwell Automation Solutions GmbH, Siemens Business Services GmbH sowie Systec & Services GmbH nennen, die wir weiter pflegen und ausbauen. Inhaltliche Themen waren VisITS 1998, Business Informer 1999, Call Management System 2000, Warehouse Management System 2003, Point of Sale 2004, Mobile Client Framework 2005, Mail International 2007, Visionäre Bedienkonzepte 2008, OSGi im Verkehrswesen 2009 und Single Sign-on 2010.

Evaluation und Prototyping neuer Technologien, Qualitätsmanagement in Softwareprozessen, Innovations- und Technologiemanagement – das ist nur ein Ausschnitt Ihres Angebots. Welche Projekte und Dienstleistungen werden aktuell von Unternehmen besonders gefragt?

Früher führten wir Evaluation und Prototyping neuer Technologien direkt mit Partnerfirmen durch. Erwähnenswert ist dmdrogerie markt in Karlsruhe. Erstmalig haben wir uns für deren Filialen ab 2002 mit dem Einsatz mobiler Geräte beschäftigt und u. a. Barcodes gescannt, um notwendige Produktlieferungen anzustoßen. 2006 gewannen wir einen JavaScript-Wettkampf mit einem Stuttgarter Unternehmen und sind von der 1&1 Internet AG als Sieger zur Weiterentwicklung bestimmt worden. Seit 2007 ist das STZ IDA als Mittler zwischen der regionalen Wirtschaft und Studenten des Master-Studiengangs der Hochschule Karlsruhe tätig. Dieser konkrete Beitrag zur Synergie von Hochschule und Steinbeis trägt zum Image einer anwendungsbezogenen Hochschule bei und bereichert durch innovative Themen insbesondere die Lehre. Aktuell sehe ich HTML5 als übergreifende Plattform, um sich unnötigen Aufwand für Android und iPhone zu ersparen. Weitere motivierende Themen für Studierende sind Business Process Management, Cloud Computing und Business Intelligence. Innovative Projektarbeiten der Studierenden und die vom STZ IDA erbrachten Dienstleistungen überzeugen die Unternehmen, so dass diese den Ausbau einer noch engeren Kooperation wünschen.

Die Region Karlsruhe zählt zu den führenden Innovationsstandorten und ist Europas drittgrößter IT-Cluster. Eines der Schwerpunktthemen Ihres Transferzentrums sind Produkt- und Prozessinnovationen für die regionale Wirtschaft im IT-Bereich. Wo liegen die Herausforderungen bei der Umsetzung internationaler wie auch regionaler, sogar lokaler Projekte?

Die an uns adressierten Herausforderungen von Kunden und Partnern erfüllen wir in der Regel mit sehr kurzen Reaktionszeiten. Weiterhin übernehmen wir die Rolle eines Vermittlers, indem wir lokale Firmen durch unsere pro Halbjahr stattfindende F&E-Runde in einen direkten Kontakt bringen.

Zwei Ausnahmen stellen die Internationalisierung der 1&1 Internet AG und die Rockwell Automation Inc. dar. Innerhalb der 1&1 haben wir für GMX.com ein innovatives Web-Mail- System unterstützt. Bei Rockwell Automation lag unser Schwerpunkt auf der Entwicklung einer Plattform für die Life Sience Industrie. Die Herausforderungen für das STZ IDA liegen allerdings vornehmlich im regionalen Bereich. Dort unterstützen wir die mit uns liierten Unternehmen. Das Erfreuliche dabei ist, dass die Nachfrage nach Absolventen stetig zunimmt. Auch an lokalen Projekten sind wir beteiligt, welche für verschiedene Branchen unter Einsatz verschiedener Technologien, Plattformen und Werkzeuge entwickelt werden.

Die IT-Branche wird einerseits als Innovationstreiber bezeichnet, bringt andererseits aber auch viele Fragen mit. Aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich erlauben Einblicke in Technologien und Konflikte der Zukunft. Welche Anforderungen ergeben sich aus den jüngsten technologischen Entwicklungen für Ihr Steinbeis-Transferzentrum, welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft?

Da der Einsatz von Technologien auf dem Markt sich immer wieder und fortlaufend verändert respektive erweitert, wählen wir als STZ IDA relativ zeitnah und für uns überzeugende neue Wege. Für die Zukunft planen wir den Einsatz von HTML5 im mobilen Bereich und OSGi im verteilten System. Cloud Computing sehen wir noch nicht wirklich im Vordergrund. Ein weiteres Ziel wird die Steuerung von Geschäftsprozessen und die Auswertung von Massendaten sein. Ergänzend sehen wir Embedded Systems auf dem Weg als Verwendung in verschiedenen Bereichen und auf verschiedenen Ebenen. Angemerkt sei auch unser Blickpunkt auf Softwarearchitektur und Softwarequalität. Das STZ IDA versteht sich als Brückenbauer zwischen Hochschule und Wirtschaft. Seine Ziele umfassen die Anreicherung von Theorie mit Praxis, die Steigerung der Lernkurve von Studierenden sowie „das Ohr an Markt, Forschung und Entwicklung“.

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