Mit Normung zum Erfolg

Dienstleistungsqualität im IP Management

Die Bedeutung geistigen Eigentums und gewerblicher Schutzrechte, wie Patente, Marken und Gebrauchsmuster, für den Unternehmenserfolg ist im innovationsgetriebenen Wettbewerb unbestritten. Die systematische Schaffung, Umsetzung und Verwertung von sogenanntem Intellectual Property (IP) wird zumeist mit dem englischen Begriff IP Management überschrieben und nimmt im Innovationsmanagement von Unternehmen eine zunehmend wichtigere Stellung ein. Ein Standard für die Bewertung von Dienstleistungsqualität fehlt aber. Das soll ein Projekt des Steinbeis-Transfer-Institutes für Intellectual Property Management mit dem DIN e. V. ändern.

Parallel zur wirtschaftlichen Bedeutung von IP Management hat sich ein breites Spektrum an Dienstleistungen entwickelt, um Unternehmen dabei zu unterstützen, von ihrem IP zu profitieren. Diese Angebote bieten zum einen innovative Ansätze, um sich im Wettbewerb mittels IP zu behaupten, und zum anderen spezialisierte Ressourcen, die in der Form in den Unternehmen zumeist nicht oder nicht ausreichend vorhanden sind. Insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) sind auf die Unterstützung durch qualitativ hochwertige Dienstleistungsangebote angewiesen, um die Potenziale von IP erfolgreich zu nutzen. Die dafür notwendigen Dienstleistungen sind in Deutschland aber auch weltweit heute nach Art und Qualität sehr unterschiedlich.

Das Problem der Qualitätseinschätzung durch Kundenunternehmen aber auch der Kommunikation von Qualitätseigenschaften durch Anbieter ist dabei nicht auf Dienstleistungen beschränkt, sondern findet sich in der gesamten Wirtschaft. Normen und Standards sind das wesentliche Instrument, diese Schnittstellen für alle beteiligten Unternehmen verlässlich zu definieren. Eine Abschätzung des US-Congress aus dem Jahr 2005 besagt, dass rund 80% des Welthandels und mithin 7,3 Billionen US-Dollar direkt von Normen und ähnlichen Spezifikationen beeinflusst werden.

Das Steinbeis-Transfer-Institut für Intellectual Property Management der Steinbeis- Hochschule Berlin hat ein Projekt mit dem DIN e. V. gestartet, um einen Standard zur Dienstleistungsqualität im IP Management zu erarbeiten. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen der Initiative „INS – Innovationen mit Normen und Standards“ finanziell gefördert. Ziel ist es, zusammen mit Unternehmen und Dienstleistungsanbietern eine sogenannte Publicly Available Specification (PAS) zu entwickeln, die als eine Vorstufe hin zur DIN-Norm schnell und praxisnah Anforderungen und Richtlinien für Dienstleistungen im IP Management spezifiziert. Zur Umsetzung dieser Ziele bis zum Projektabschluss 2009 und der Publikation der PAS wird ein Arbeitskreis mit Unternehmen, Kunden und Anbietern von IP Management-Dienstleistungen gegründet und unter Führung des Steinbeis-Transfer- Institutes die Inhalte und Gestaltung der Publicly Available Specification erarbeiten.

Das Instrument der PAS hat sich in einem früheren Kooperationsprojekt des Steinbeis- Transfer-Instituts mit dem DIN e. V., der „PAS1070 Grundsätze ordnungsgemäßer Patentbewertung“, bewährt und große Resonanz in der Industrie hervorgerufen. Der Erfolg des Projekts führte zur Präsentation der Ergebnisse im Rahmenprogramm des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm durch Professor Alexander Wurzer, Leiter des Steinbeis-Transfer-Instituts, und aktuell zur Abstimmung über die Entwicklung einer weltweiten ISO-Norm zur Patentbewertung unter den ISO-Mitgliedsländern.

Der innovative Ansatz der Standardisierung der Dienstleistungsqualität soll die Art der IP Management-Dienstleistung, die anzulegenden Qualitätsmaßstäbe und Qualifikationsanforderungen an Dienstleistungsanbieter sowie den Prozess der Dienstleistungserbringung umfassen. Dadurch wird der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen wirksam gefördert und zugleich der deutsche aber auch internationale Markt für IP Management-Dienstleistungen stimuliert. Die konkreten Dienstleistungsansätze und Zielsetzungen für eine PAS ergeben sich aus der Anknüpfung von IP Management- Dienstleistungen an den Innovationsprozess von Unternehmen und insbesondere KMU und der Aufgabe diesen ganzheitlich zu unterstützen.

Das umfasst in den Frühphasen des Innovationsprozesses mit Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Wesentlichen die Bereitstellung und Nutzbarmachung technischer Informationen, wobei Patentliteratur die zentrale und hochwertigste Quelle darstellt. Recherche- und Analysedienstleistungen auf der Basis von Patentinformationen stellen einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Innovationen dar, helfen diese doch Entwicklungszeiten und -kosten zu reduzieren und z. B. unnötige Doppelentwicklungen zu vermeiden.

In späteren Phasen des Innovationsprozesses, wenn die Verwertung von Technologien und die Markteinführung neuer Produkte im Vordergrund stehen, gilt es eine effektive Aneignung der Innovationsrenditen zu ermöglichen und mit Dienstleistungen zur Auswahl und geeigneten Kombination von IP zu unterstützen. Weiterhin gewinnen Instrumente und Wege zum Technologietransfer zunehmend sowohl auf Unternehmensebene als auch gesamtwirtschaftlich an Bedeutung, was die Notwendigkeit von Dienstleistungen im Bereich von Lizenzierungen, Handelsplattformen aber auch der Schutzrechtsdurchsetzung und Verteidigung beinhaltet. Ein weiterer wichtiger Bereich von IP Management-Dienstleistungen betrifft die Gestaltung, den Aufbau und das Management von IP Portfolios im Hinblick auf den Wettbewerb, Technologie- und Marktentwicklungen sowie eigene Verwertungsaktivitäten.

Für alle diese Dienstleistungsansätze gilt, dass nur hohe Qualität in der Dienstleistungsgestaltung und -erbringung Unternehmen in die Lage versetzt, wirtschaftlichen Erfolg aus dem vorhandenen Know-how zu generieren. Die Dienstleistungen sind momentan nicht hinreichend systematisch beschrieben oder gar standardisiert. Ein Grund liegt insbesondere in der Vielzahl verschiedener Dienstleistungsanbieter aus verschiedenen Bereichen und Disziplinen. So sind im IP Management neben Patentanwälten bei der Schutzrechtsgestaltung und -durchsetzung auch Innovationsintermediäre wie z. B. der Steinbeis-Verbund und Beratungsunternehmen aus den Disziplinen Jurisprudenz, Wirtschaft und Technologie tätig. Diese Heterogenität bedingt große Unterschiede und Probleme in der Qualität von IP Management Dienstleistungen. Interdisziplinäre Ausbildungsprogramme wie das CEIPI Programm „Master of IP Law and Management“, der Universität Strasbourg in Zusammenarbeit mit dem Steinbeis-Transfer-Institut Intellectual Property Management sind Ansätze, diesen fachübergreifenden Qualitätsanforderungen zu genügen.

Das gemeinsame Projekt mit dem DIN e. V. soll daher Qualitätsstandards für unterschiedliche Arten von IP Management- Dienstleistungen im Innovationsprozess festschreiben und zugehörige Qualitätsmaßstäbe und Beurteilungskriterien für Dienstleistungsanbieter sowie für Kunden solcher Dienstleistungen geben. Außerdem sollen notwendige Qualitätsanforderungen und qualitätssichernde Maßnahmen bei der Dienstleistungserbringung und dem Prozessablauf definiert werden. Ein weiteres Ziel des Projekts besteht darin, mit der PAS die Basis für einen Normungsvorschlag bereitzustellen, der nachfolgend in eine DIN-Norm bzw. eine Normung auf internationaler Ebene (CEN und ISO) überführt werden soll.

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