Unternehmen mit Engagement

Die Forderung nach Corporate Citizenship wächst

Der Ruf an die Wirtschaft, mehr gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, wird spürbar lauter. Unternehmen werden sowohl von der Politik, als auch von der Gesellschaft zu mehr Verantwortung, zu sogenanntem Corporate Citizenship, aufgefordert. Betriebe sollen sich als verantwortlicher Teil der Gesellschaft verstehen und sich nach Kräften an der Lösung sozialer Probleme beteiligen. Dieser Forderung kommen heute schon viele Unternehmen nach, immer mehr werden ihrer Rolle als verantwortungsvolle Bürger der Gesellschaft gerecht und engagieren sich gemeinnützig. Diese Unternehmen verstehen sich als Teil der Gesellschaft, die sie mitgestalten möchten, auch um ihr eigenes Fortbestehen nachhaltig zu sichern.

Die Art und Weise, wie sich Unternehmen in der Gesellschaft engagieren, ist äußerst vielfältig: Das Engagement umfasst sowohl innerbetriebliche Projekte für die Arbeitnehmer, Aktionen für soziale Anliegen am Betriebsstandort, sowie regionale, überregionale oder sogar globale Projekte zu bestimmten Themengebieten. Die Entscheidung in welchem Bereich sich ein Unternehmen schlussendlich engagiert hängt maßgeblich von der Grundmotivation des Unternehmens für das gesamte gemeinnützige Engagement ab.

Bei der Ausgangsmotivation sind klare Trends erkennbar. Kleine und mittelständische Betriebe richten ihr Engagement bevorzugt nach persönlichen Interessen aus. Hier entscheiden in der Regel Betriebseignerin oder Betriebseigner über etwaige soziale Projekte, diese knüpfen zumeist im persönlichen Umfeld der Personen an. So hat sich der Bäcker Volker Antelmann aus Radolfzell entschieden, Jugendliche ohne Ausbildungsplatz engagiert zu unterstützen (siehe Infobox). Gefördert wird aber häufig auch der eigene Sportverein oder eine sonstige Initiative, in der Inhaber oder Geschäftsführer selbst persönlich engagiert sind.

Eine zweite Gruppe richtet ihr Engagement nach dem Kriterium der internen Wirkung entsprechender Projekte oder Aktionen aus. Das Augenmerk liegt auf den eigenen Arbeitnehmern. Das gemeinnützige Engagement dient in erster Linie zur Verbesserung der Identifikation der Mitarbeiter mit dem Betrieb, zur internen Teambildung oder Weiterbildung sozialer Fertigkeiten einzelner Mitarbeiter und der Belegschaft. Diese Unternehmen unterstützen zum Beispiel Vereine und Organisationen in denen eigene Mitarbeiter aktiv sind oder führen gemeinsam mit den Arbeitnehmern Projekte durch, die positiv auf das Betriebsklima wirken. Das kann die gemeinsame Gestaltung eines Kinderspielplatzes am Unternehmensstandort oder die Organisation eines Bazars für einen sozialen Zweck sein.

Die externe Wirkung gemeinnütziger Projekte steht bei einer dritten Gruppe im Fokus der Entscheidung für Engagementbereich und -form. Gemeinnütziges Engagement dient hier zur Positionierung einer Marke oder eines Unternehmens auf dem Markt. Im Blickpunkt des Interesses stehen vor allem die Kunden und Stakeholder des Unternehmens. Bei der Auswahl entsprechender Projekte und Themen achten die Unternehmen darauf, dass der Engagementbereich zum Image und Selbstbild der Firma passt: So engagieren sich Unternehmen aus der Chemiebranche beispielsweise im Bereich des Umweltschutzes. Gemeinnützige Projekte dienen dann dem Marketing und der Verbesserung des Ansehens.

Entgegen dieser streng theoretischen Gliederung der Ausgangsmotivationen sind in der Praxis natürlich vielfach Mischformen oder zahlreiche weitere gute Argumente für gemeinnütziges Engagement zu finden. Ganz gleich, welche Motivation hinter gemeinnützigem Unternehmensengagement auch steckt, wichtig ist die Wirkung der Projekte in der Gesellschaft bzw. den unterstützten Initiativen und Organisationen. Win-Win Situationen sind der Schlüssel, um Unternehmen für dauerhaftes gesellschaftliches Engagement, im Sinne von Mitgestaltung und Partizipation, zu motivieren.

Das Steinbeis-Transferzentrum Sozialplanung Qualifizierung und Innovation in Weingarten ist momentan im Landesmodellprojekt „Unternehmen BE“ des Ministeriums für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg aktiv, das die Förderung des gemeinnützigen unternehmerischen Engagements zum Thema hat. Das Transferzentrum ist dabei einer von insgesamt fünf Modellstandorten in Baden-Württemberg und betreut die Bodenseeregion mit den Landkreisen Ravensburg, Konstanz und dem Bodenseekreis. Die Modellstandorte des Landesprojekts haben zur Aufgabe, gemeinnütziges Engagement einerseits strukturell zu fördern und andererseits auch einzelne Unternehmen bei konkreten Projekten zu beraten.

Strukturelle Förderung findet statt durch Veranstaltungen für Wirtschaftsvertreter und Verbände, Fortbildungsangebote, intensive Öffentlichkeitsarbeit und die Initiierung einzelner Best Practise Projekte im regionalen oder kommunalen Raum. Zusätzlich stehen Kapazitäten für die Beratung einzelner Firmen bereit, die Unterstützung bei der Umsetzung bestimmter Projektvorhaben brauchen oder Beratung für die Implementierung einer Gesamtstrategie für Unternehmensengagement im Betrieb wünschen. Interessierte Firmen können sich an die jeweils zuständigen regionalen Projektfachbüros in den fünf Modellstandorten wenden.

Ansprechpartner für die Modellregionen:

Modellregion Bodensee
Prof. Dr. Sigrid Kallfaß
Steinbeis-Transferzentrum Sozialplanung Qualifizierung und Innovation
stz020@stw.de

Modellregion Rhein-Neckar
Dr. Ralf Vandamme
StädteNetzWerk
ralf.vandamme@staedtetag-bw.de

Modellregion Südbaden
Dr. Martina Wegner
Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg
wegner@efh-freiburg.de

Modellstadt Rottenburg
Jürgen Rohleder
Stadtverwaltung Rottenburg – Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement
Juergen.Rohleder@Rottenburg.de

Modellstadt Reutlingen
Dr. Ursula Weber
Stadtverwaltung Reutlingen – Stabsstelle Bürgerengagement
ursula.weber@reutlingen.de

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