Strategisches Wissen nutzen

Multinationale Unternehmen und KMU kooperieren im Projekt Connect-2-Ideas

Multinationale Unternehmen (MNU) nutzen für ihre Produktentwicklung immer stärker zusätzlich zu den Ergebnissen eigener interner Forschungsaktivitäten die Entwicklungen externer Partner, häufig von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Gleichzeitig produzieren sie internes Wissen, das sie selbst nicht weiterverwerten können und bieten es KMU zur Verwertung an. Diese veränderte Unternehmensstrategie der „Open Innovation“ bietet gerade KMU große Chancen für bisher kaum machbare Kooperationen mit Großunternehmen. Das Steinbeis-Europa-Zentrum unterstützt im Auftrag der Europäischen Kommission KMU bei der Begegnung dieser Herausforderungen und bei der Entwicklung von Unternehmensstrategien.

KMU sind in einer Welt der "Open Innovation" umso erfolgreicher, je schneller sie strategisches Wissen, das beispielsweise aus Prozessen der Technikvorausschau und -folgenabschätzung zur Verfügung steht, als langfristige Investition erkennen, aufbauen und für ihre eigenen Firmenstrategien nutzen. Damit KMU diese neuen Herausforderungen meistern können, werden auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene öffentliche Programme aufgelegt. Das europäische Pilotprojekt Connect-2-Ideas, in dem das Steinbeis-Europa-Zentrum als baden-württembergischer Partner agiert, konzentriert seine Unterstützung insbesondere auf die Branchen Informations- und Kommunikationstechnologien, Mechatronik und Life Sciences. Connect-2-Ideas wird von der Europäischen Kommission bis Mai 2008 gefördert und von sieben Partnern aus Deutschland, Großbritannien (darunter Procter & Gamble), Italien und Slowenien durchgeführt.

Für Unternehmen aus Baden-Württemberg führte das Steinbeis-Europa-Zentrum unter der Schirmherrschaft des Wirtschaftsministeriums Mitte 2007 zusammen mit regionalen Partnern vier Workshops in den Bereichen Informations und Kommunikationstechnologien (IKT) und Mechatronik durch, zwei weitere im Bereich Life Sciences folgen im Herbst. Ziel war es, die Teilnehmer für die strategische Bedeutung zukünftiger Entwicklungen für ihr Unternehmen zu sensibilisieren und eine Plattform für zukunftsfähige Innovations- und Technologiekooperationen zu bieten.

Die Workshops brachten die wichtigsten Cluster-Akteure aus Groß- und Kleinunternehmen, aus Forschung und Entwicklung sowie aus der Politik zusammen und wurden von Unternehmern, Geschäftsführern und leitenden Angestellten aus den Bereichen Entwicklung, Forschung und Technik sowie Vertretern von Hochschulen, Verbänden, Kammern und Kommunen besucht. Im Bereich IKT kamen von wichtigen Global Players wie SAP und IBM Impulsreferate, die Durchführung erfolgte mit der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH, Baden-Württemberg Connected e.V. und dem Forschungszentrum Informatik in Stuttgart und Karlsruhe. Im Bereich Mechatronik fand die Kooperation mit dem Kompetenznetzwerk Mechatronik Göppingen e.V., der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und der Festo AG in Göppingen und Esslingen statt. Hier kamen unter anderem Experten der Siemens AG, des Forschungszentrums Karlsruhe und des Fraunhofer Instituts IPA zu Wort.

Das Steinbeis-Europa-Zentrum sieht die Einführung und Nutzung von strategischer Intelligenz als ein neues Schlüsselelement im Prozess der „Open Innovation“ und damit für den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Instrumente strategischer Intelligenz sind wegweisend in zweierlei Hinsicht:

• für Unternehmen zur Identifizierung zukünftiger Geschäftsmodelle und für gemeinsame Strategien und Aktivitäten mit Kooperations- und Handelspartnern,

• für eine Innovationspolitik, die langfristige und nachhaltig wettbewerbsfähige Perspektiven und Rahmenbedingungen für alle Innovationsakteure schaffen möchte; insbesondere für die Akteure im Dreieck Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Die Frage nach Methoden, Konzepten und Vorgehensweisen für ein strategisches Zukunftsmanagement (Corporate Foresight) in Unternehmen, und ebenso die Präsentation von erfolgreichen Kooperationen in der Industrie bildeten die Schwerpunkte der Workshops. Die Teilnehmer sollten selbst kreativ werden und zukünftige Entwicklungen im Hinblick auf die nächsten zehn Jahre antizipieren und diskutieren. Mögliche Handlungsfelder für Unternehmen wurden identifiziert, um bereits heute die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen zu können.

Die Nutzung strategischen Wissens stellt zwar die Basis für künftigen Unternehmenserfolg dar, kann ihn aber ohne Nutzung der"klassischen" Unternehmens- und Politikinstrumente nicht garantieren. Deshalb war ein zweiter Schwerpunkt der Workshops der"Markt der Möglichkeiten". Die Teilnehmer hatten einerseits Gelegenheit eigene Technologieprofile zu präsentieren und andererseits Technologieangebote und Gesuche aus Europa auf die Möglichkeit einer Kooperation für ihre Unternehmensaktivitäten zu prüfen. Das bot Raum für bilaterale Gespräche über Partnerschaften und gemeinsame Projekte. Die bewährte Methodik des Technologietransfers der Innovation Relay Centres (IRC) bot hierfür den Rahmen. Das Netzwerk der IRC umfasst 250 Partner aus 33 Ländern und wird von der Europäischen Kommission seit 1995 gefördert. Das Steinbeis-Europa-Zentrum ist das IRC für Baden-Württemberg, Thüringen und die deutschsprachige Schweiz.

Das Pilotproject Connect-2-Ideas unterstützt die Weiterentwicklung des IRC-Netzwerkes nicht nur mit der Durchführung der genannten Workshops. Die Schaffung einer neuartigen Plattform zur Koordinierung von Technologieanfragen und -angeboten sowie die Erstellung eines Best Practice-Handbuchs für internationale Technologiekooperationen zwischen MNU und KMU ergänzen diese Aktivitäten. In einer Welt der „Open Innovation“ liegen die Chancen und Herausforderungen für die KMU auf der Hand: die Verwendung von strategischem Wissen bzw. Einführung eines strategischen Zukunftsmanagements und der Aufbau strategischer Innovations- und Technologiekooperationen sind wichtige Faktoren für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.

Kontakt

Dr. rer. nat. Björn Sautter
Dr. rer. nat. Günter Clar

Steinbeis-Europa-Zentrum (Stuttgart)
stz516@stw.de

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