Systeme.Methoden.Mehrwert.

175 Teilnehmer beim 2. Steinbeis Engineering Tag

Nicht nur mit der Konkurrenz mithalten, sondern besser sein – dieses Ziel wurde einmal mehr deutlich beim 2. Steinbeis Engineering Tag am 17. April in Stuttgart. Die Teilnehmer erhielten wertvolle Anregungen und praxisbezogene Lösungshinweise, um so zur weiteren Verbesserung entlang des gesamten Produktentstehungsprozesses beizutragen. Neben der Vorstellung der Steinbeis Engineering Studie 2012 erläuterten Experten aus dem Steinbeis- Verbund sowie Vertreter aus kooperierenden Unternehmen ihre  Erfahrungen. 

Im Wettbewerb mit den Besten drohen wir weniger in technologischen Rückstand zu geraten, sondern in wenig leistungsfähigen Organisationen „stecken zu bleiben“. Unternehmen, die nur schlanker werden, ohne neues Wachstum vorzubereiten, schaffen sich eine nach innen gerichtete Organisation – die Zukunft gewinnt man so nicht! Darauf wies Prof. asoc. univ. PhDr. Arno Voegele (Steinbeis-Transferzentrum Produktion und Management) in seinem Impulsreferat deutlich hin. Die Anpassungsgeschwindigkeit der Unternehmen muss deshalb mindestens so groß sein wie die Änderungsgeschwindigkeit des Umfeldes. „Innovativ sein“ kann letztlich aber nur der Mensch, und Verantwortung kann nur der übernehmen, der neben seiner unbestritten fachlichen Qualifikation durch Weiterbildung gezielt darauf vorbereitet wurde. Nicht „Wissen“ allein sondern Teilung von Wissen zur Vermehrung der Kompetenz, das ist „Schlagkraft in der Breite“. Das Wissen um die Kompetenzen im Unternehmen ist wertschöpfend; Wissensmanagement generiert Mehrwert, der dem Unternehmen zugute kommt.

Wie schaffen es erfolgreiche KMU in einem herausfordernden Umfeld erfolgreich am Markt zu operieren? Kann der praktizierte Produktentstehungsprozess (PEP) auch zukünftig noch zum Erfolg verhelfen? Die Ergebnisse der Steinbeis Engineering Studie zum PEP stellte Christian Albrecht (Steinbeis-Europa-Zentrum) vor; diese zeigen auf vielfältige Weise die in Klein- und Mittelständischen Unternehmen vorhandenen Stärken, aber auch Problemfelder (siehe Beitrag S. 9). 

Durch die Flut an neuen Produktvarianten und -modellen sowie den Zwang zu immer kürzeren Innovationszyklen müssen die Entwicklungsabteilungen mit wesentlich mehr Projekten und Neuanläufen zurechtkommen. Dietmar Ausländer (Steinbeis-Transferzentrum Logistik und Fabrikplanung) konnte anhand eines Best-Practice-Beispiels aufzeigen, wie Unternehmen die immensen Herausforderungen meistern können. Der ganzheitliche Ansatz des Veränderungsmanagements anhand der Wertstrommethode und des Reifegradmodells führte im Projektbeispiel zu wesentlichen Verbesserungen wie z.B. schnellere Abwicklung von Entwicklungsprojekten, Steigerung des Outputs der Entwicklungsabteilungen durch eine verbesserte Organisation und Abstimmung der Arbeiten und reibungslose Vernetzung von Vertriebs-/Kundensicht mit Entwicklung und Anlaufmanagement. 

In seinem Beitrag erläuterte Prof. Rainer Göppel (Steinbeis-Transferzentrum TMS Managementsysteme) wie der Einsatz ausgewähter Engineering-Methoden geplant und erfolgreich im Unternehmen umgesetzt werden kann. Das verspricht mehr Systematik und Transparenz bei der Aufgabenbearbeitung im PEP. Die notwendigen Voraussetzungen betreffen vor allem drei Aspekte: die Auswahl der firmenspezifisch richtigen Methoden, der richtige Zeitpunkt der Methodenanwendung und die verknüpfte Nutzung der Ergebnisse aus den Methodenanwendungen. 

Knut Hoyer (Testo AG) zeigte einen ganzheitlichen Ansatz für eine divisionsübergreifende, dezentrale Modulentwicklung im PEP. Produkte müssen heute mehr denn je die immer differenzierteren Kundenanforderungen erfüllen. Der damit verbundenen Variantenzunahme und -vielfalt kann nur durch eine flexible Produktplattform, die einen Baukasten für alle zukünftigen Produkte bietet, entsprochen werden. Damit können der durchschnittliche Entwicklungsaufwand pro Projekt reduziert und die freiwerdenden Ressourcen für die Entwicklung neuer Applikationen und Innovationen eingesetzt werden. Die übliche, rein auf Bauteile fokussierte Wiederverwendung und einfache Modul-Bibliotheken greifen ohne Umstellung der Organisationsstrukturen und Verhaltensweisen zu kurz. 

Der Energiesektor ist ein relativ konservativer Markt mit weitreichenden Folgen bei Systemausfällen. Deshalb werden erprobte Produkte bevorzugt, die Kompatibilität und Komponentenverfügbarkeit muss über Jahrzehnte gewährleistet sein, so Dr. Michael Zerrer (Pfisterer Kontaktsysteme GmbH). Dies stellt besondere Anforderungen an die Produkt­entstehung, z.B. flexibler aber dennoch einheitlicher Prozess für eine große Produkt-/Projektbandbreite. Bewährt hat sich ein 5 Phasen-Modell: von der Vorphase bis hin zur Nullserie mit einer Freigabe am Ende jeder Phase. Flexibel bedeutet, dass z.B. für kleine Projekte keine detaillierte Unterteilung erfolgt und nur ein Freigabeschritt erforderlich ist. Zerrers Fazit: Der PEP muss eine gewisse Flexibilität zulassen, ein Abgleich zwischen Projektplan und PEP-Meilensteine muss möglich sein und der Projektfortschritt muss durch ein Controlling-Tool messbar und steuerbar sein. 

Wie man durch langfristige Forschungskooperation stetige Innovationsschritte generieren kann, erläuterte Friedrich Obermeyer (Zeitlauf GmbH Antriebstechnik) am Beispiel der Entwicklung eines neuen Kronradgetriebes. Die begrenzten Ressourcen im Bereich Produkt-, Prozess- und Technologieentwicklung erfordern zwingend die Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern für die erfolgreiche Ideenumsetzung und Markt­- einführung. Durch die Kooperation mit den Industriepartnern und Hochschulen konnte eine am Markt akzeptierte „Neuheit“ nach mehreren Jahren Entwicklungsarbeit erfolgreich eingeführt werden. Die Innovation lebt in der Kooperation weiter und wird ständig ergänzt mit neuen Technologiebausteinen. Die schnell entwickelte und umgesetzte Innovation gibt es nur selten. Vielmehr gilt es bei der Entwicklung innovativer Prozesse und Produkte mit absoluter Zielorientierung und Beharrlichkeit voranzugehen. 

Obwohl viele Unternehmen im Rahmen der ISO-Zertifizierung sowohl ihre Kernprozesse, wie die Produktentwicklung und -herstellung, als auch die erforderlichen Unterstützungsprozesse festgeschrieben haben, reichen diese nach Erfahrung von Prof. Dr.-Ing. Günther Würtz (Steinbeis-Transferzentrum Management – Innovation – Technologie), der den Tag moderierte, für die tägliche Arbeit hinsichtlich Steigerung von Effizienz und Effektivität nicht aus. Engineering-Projekte sollten vielmehr auf Basis eines routinierten, standardisierten Ablaufs durchgeführt werden. 

„Engineering“ im Produktentstehungsprozess umfasst eine weite Spanne – von der Produktprogrammplanung über Entwicklung/Konstruktion, Produktionsplanung und Materialwirtschaft, Fertigung/Montage und Nullserie, über Technischen Vertrieb bis hin zum Markt/Kunden und verlangt nach modernen Methoden und Vorgehensweisen, so Prof. asoc. univ. PhDr. Arno Voegele in seinem Fazit und Ausblick. Da sich auch technisch gute Produkte kopieren lassen, ist es für Unternehmen immer wichtiger, durch exzellente Prozesse den entscheidenden Vorsprung zu erzielen. Die Prozessorientierung bei der Leistungserstellung wird zu einem wichtigen Aspekt der marktorientierten Unternehmensorganisation. Das Ergebnis muss sein, eine deutliche Verbesserung der Produktivität/Effizienz, sowie der organisatorischen Leistungsfähigkeit zu erreichen. Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden. Geld und Strategie sind wichtige Voraussetzungen für Innovationen – der Erfolg wird jedoch vom Menschen gemacht.

Kontakt

Prof. asoc. univ. PhDr. Arno Voegele
Steinbeis-Transferzentrum Produktion und Management
Steinbeis-Transfer-Institut Entwicklung und Management (Stuttgart)
su0092@stw.de

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