Just-in-Sequence mit Menschen mit Behinderung

Steinbeis-Student projektiert neues Logistikzentrum

Die GWW Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten GmbH ist ein Zusammenschluss von 17 Gesellschaftern, bestehend aus Landkreisen, großen Kreisstädten und Vereinen der Behindertenhilfe in der Region Böblingen/ Calw in Baden-Württemberg. Sie ermöglicht Menschen mit Behinderung die Teilnahme am Arbeitsleben. Um den steigenden Marktanforderungen in der Kontraktlogistik (u. a. Just-in-Sequence, JIS) gerecht zu werden, plante und realisierte Alexander Edele im Rahmen seines Studiums zum Master of Business Engineering an der School of Management and Technology der Steinbeis-Hochschule Berlin den Umzug der beiden Logistikbereiche in ein neu gebautes Werk, das als Logistikzentrum in Böblingen-Hulb betrieben wird.

Das Projekt von Alexander Edele sollte die bestehenden JIS-Bereiche aus den Werken Magstadt und Herrenberg-Gültstein mit deren Produkten analysieren, mögliche Synergieeffekte aus Flächen- und Prozessoptimierungen generieren und mit den Standortvorteilen des neuen Logistikzentrums in Böblingen-Hulb verknüpfen. Dadurch sollten zeitkritische und komplexe Logistikdienstleistungen angeboten werden können.

Zu Beginn des Projekts erstellte Alexander Edele für die beiden JIS-Bereiche eine Standort- und Prozess-Analyse und untersuchte die bestehenden Produkte und Flächen auf mögliche Synergieeffekte und Potenziale. Nachdem die beiden bisherigen JIS-Bereiche an ihre Kapazitätsgrenzen angelangt waren und die Daimler AG als Großkunde weitere Logistikdienstleistungen nachfragte, hatte man sich entschlossen einen größeren JIS-Standort zu suchen. Dieser sollte sich in räumlicher und zeitlicher Nähe zum Werk der Daimler AG in Sindelfingen befinden. Die Anforderungen im Bereich Just-in-Sequence sind hoch. Die GWW-Mitarbeiter sequenzieren Produkte nach elektronisch vorgegebenen Abrufen der unterschiedlichsten Baureihen und Modelle passend zu den Fahrzeugtypen, -farben und -varianten in spezielle Ladungsträger. Spätestens alle 120 Minuten müssen die Produkte in einem vorgegebenen Zeitfenster an die verschiedenen Pro- duktionsbänder im Daimler-Werk Sindelfingen geliefert werden. Jede Falschlieferung oder gar Lieferabbrüche hätten fatale Folgen.

Im Juli 2011 war ein Standort in Böblingen- Hulb gefunden. Alexander Edele konnte nach der erteilten Baugenehmigung mit den Planungen für den mieterseitigen Ausbau des neuen Logistikzentrums beginnen. Nachdem die Bauplanungen abgeschlossen waren, wurden die Layout- und Flächenplanungen, die speziell an die Bedürfnisse für Menschen mit Behinderungen angepasst wurden, finalisiert. Nach nur fünfmonatiger Bauzeit konnte das Logistikzentrum im Dezember 2011 übernommen und bezogen werden. Die Produktionsstraßen inklusive der Arbeitsplätze wurden wieder installiert, die Kanban-Lager wurden ebenso wie das IT-System mit integrierter Notstromversorgung implementiert. Nach vier Tagen Umzugstress und etlichen LKW-Touren begannen am 9. Januar 2012 die Produktion und die Lieferung der Ware ans Band der Daimler AG.

Auch aus heutiger Sicht war die Zusammenlegung der beiden Logistikbereiche in das neue Logistikzentrum mit rund 6.000 qm Fertigungs- und Büroflächen die richtige Entscheidung. Die Ziele einer optimierten Kundenbedarfsdeckung konnten umgesetzt werden. Die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens wurde gestärkt, durch Neuumfänge konnten bereits weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Für die über 50 Menschen mit Behinderung wurden durch den Bezug des neuen Werkes attraktivere Arbeitsplätze geschaffen. Die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr erlaubt es zukünftig die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten und das Arbeitsangebot zu erweitern.

Kontakt

Isabel Lindner
School of Management and Technology der Steinbeis-Hochschule Berlin (SHB, Berlin/Filderstadt)
su1323@stw.de

Alexander Edele
Gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten GmbH (Sindelfingen)
kontakt@gww-netz.de

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