Das hat Potenzial!

Materialeffizienz und Energieoptimierung in der Metallverarbeitung

Die Europäische Kommission setzt auf Energieeffizienz und Ressourcen-Management. Im Jahr 2010 hat sie ihr Strategiepapier „Energie 2020 für eine wettbewerbsfähige, nachhaltige und sichere Energie“ verabschiedet. Bis zum Jahr 2020 sollen die Emissionen um 20 Prozent reduziert, der Anteil erneuerbarer Energien auf 20 Prozent erhöht und die Energieeffizienz um 20 Prozent verbessert werden. Die Unternehmen sind hier zum Umdenken und Handeln aufgefordert. Europäische Projekte setzen hier bereits erste Meilensteine. Das Steinbeis-Europa-Zentrum unterstützt mit zahlreichen Initiativen.

Steigende Preise im Energiesektor und die Knappheit an Ressourcen veranlassen Unternehmen und Betriebe, sich Gedanken über Energieeffizienz und Einsparmöglichkeiten zu machen. Eine Studie der DEMEA (Deutsche Materialeffizienzagentur) stellt fest, dass Materialkosten 45,4 Prozent der Kosten in produzierenden Unternehmen ausmachen. Materialeffizienz ist daher zu einem wichtigen Schlüsselbegriff geworden.

Lediglich sechs Prozent der europäischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) haben ein EMS (Environmental Management System) und nur 29 Prozent haben Maßnahmen zur Einsparung von Ressourcen eingeleitet, während dies 46 Prozent der großen Unternehmen bereits umsetzen. Damit auch KMU ihre Ressourceneffizienz und Umweltbilanz verbessern können, vergibt das Steinbeis- Europa-Zentrum (SEZ) Gutscheine für Potenzialanalysen für betrieblichen Umweltschutz und Energieanalysen. Dies wird von der Europäischen Kommission über die EU-Projekte EURESP (European Regional Environmental Services Platform) und ESMI (Environmental Services for Metalworking Industries) gefördert. Das SEZ ist Partner in beiden Projekten und kann daher diese Umweltdienstleistungen kostengünstig für KMU anbieten. Beide Projekte verfolgen die Ziele, KMU durch einen verbesserten Zugang zu Dienstleistungen, die auf ihre Bedürfnisse angepasst sind, bei der Verbesserung ihrer Umweltleistungen zu unterstützen. Außerdem wollen die Projekte Strategien zur Optimierung der Energieeffizienz entwickeln und nachhaltig im Unternehmen implementieren.

Um diese Ziele umzusetzen hat das SEZ Kooperationsverträge mit Dienstleistern geschlossen und bereits einige Seminare mit regionalen Akteuren durchgeführt. Eine Diskussionsplattform zum Thema „Rohstoffschonende Metallbe- und -verarbeitung“ boten das SEZ, das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg, das Modell Hohenlohe e.V., der Südwestmetall- Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden- Württemberg e.V. und das Metall-Effizienz- Zentrum Gosheim im März in Stuttgart an. Hier präsentierten innovative Unternehmen Umsetzungsbeispiele auf dem Weg zur Ressourceneffizienz.

Als Beispiel präsentierte die mittelständische Adolf Schnorr GmbH & Co. KG, Sindelfingen- Maichingen, ihre Erfahrungen aus der Durchführung eines Materialeffizienz-Projekts. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Tellerfedern und Sicherungselementen spezialisiert. Angesichts der Materialkosten in Höhe von ca. 25 Prozent der Fertigungskosten und ca. 50 Prozent Metallabfällen hat sich das Unternehmen im Jahr 2009 entschlossen, ein Projekt zur Verbesserung der Materialeffizienz durchzuführen. Dabei wurde das Förderprogramm VerMat des BMWi mit einer Potenzialanalyse sowie der Vertiefungsberatung durch die ABAG-itm, Pforzheim genutzt. Die Potenzialanalyse brachte Transparenz in die Stoffströme und in die im Herstellungsprozess anfallenden Verluste und dokumentierte ein hohes Optimierungspotenzial. Im zweiten Schritt wurden in einem Materialeffizienzteam einzelne Optimierungsmaßnahmen definiert und bewertet. Bis heute wurden über 50 rentable (ROI max. 2 Jahre) Einzelprojekte definiert. Wesentliche Ansatzpunkte waren die Optimierung des Materialeinsatzes beim Stanzprozess, die Optimierung der Ausschuss- und Rüstverluste bis zur sortenreinen Erfassung der Drehspäne. Von den Einzelprojekten konnten im Jahr 2010 bereits 30 Projekte umgesetzt werden, mit Einsparungen von über 65.000 Euro pro Jahr. Die weiteren bereits jetzt ermittelten Einsparungen liegen bei zusätzlichen 60.000 Euro pro Jahr.

Auch Unternehmen aus anderen Branchen möchte das Steinbeis-Europa-Zentrum ansprechen und vergibt weitere Gutscheine. Für Unternehmen der Betonbranche hat das SEZ in Zusammenarbeit mit den Verbänden Beton- Bauteile Bayern im BIV e. V., BetonMarketing Süd GmbH und dem Fachverband Beton- und Fertigteilwerke im Januar den Workshop „Innovative Ideen für Betonbauteile: über Innovation und Ökologie zum wirtschaftlichen Erfolg“ in Neresheim durchgeführt. Finanzierungsmöglichkeiten für Innovation, Ökologie und Energieeffizienz für Betriebe aus dem Bäcker- und Konditorenhandwerk standen im April in Pforzheim auf dem Programm. Weingenossenschaften wurden bereits im Februar zum Thema Energieeinsparung und Wassermanagement in der Weinherstellung informiert.

Kontakt

Prof. Dr. Norbert Höptner
Teresa Puerta Maria Kourti
Steinbeis-Europa-Zentrum (Stuttgart)
su1216@stw.de

Gutscheinsystem des SEZ

Anhand einer detaillierten Bestandsaufnahme des Unternehmens führt das SEZ in Zusammenarbeit mit Experten eine Analyse im Bereich Energie oder Umwelt durch. Im Rahmen der Beratung wird das Einsparpotenzial des Betriebes quantifiziert und die Bereiche mit Optimierungspotenzial werden ermittelt. Somit können direkt im Anschluss an die Beratung erste Einsparmaßnahmen eingeführt werden. Unternehmen übernehmen einen Teil der Kosten sowie die anfallenden Reisekosten des Beraters.

Die Gutscheine richten sich an Unternehmen aus der Metallindustrie, Bauindustrie und Betonfertigung, Nahrungsmittel (Weinproduktion und Bäckereien) und Abfall.

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