kvwmap - GIS-Entwicklung für Kommunen und Landkreise

Auf den Nutzer zugeschnittene Geodaten

Internet-Geoinformationssysteme (kurz GIS) verfügen durch die fortschreitenden Entwicklungen in der Web-Technologie über immer mehr Funktionalität und beginnen zunehmend Desktop-GIS zu ersetzen. Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz eines Open-Source Internet-GIS in der kommunalen Verwaltung ist kvwmap, eine vom Steinbeis-Transferzentrum Geoinformatik betreute Internet-GIS-Entwicklungsplattform. Das ursprünglich als prototypische Web-Mapping-Applikation entstandene System wurde in den letzten Jahren zu einer komplexen Web-GIS-Lösung mit umfangreichen Analyse-, Editor- und Präsentationsfunktionen weiterentwickelt und findet durch den größer werdenden Funktionsumfang mehr und mehr Anwendungsbereiche in der öffentlichen Verwaltung.

kvwmap wird derzeit in mehreren Kreis- und Amtsverwaltungen in Mecklenburg-Vorpommern sowie in einigen Ministerien und Behörden bundesweit erfolgreich eingesetzt. Einige Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern haben sich zur „WebGIS-Initiative Mecklenburg-Vorpommern“ zusammengeschlossen und treiben die Entwicklung von kvwmap gemeinsam voran.

Internet-GIS-Lösungen bieten gegenüber lokalen Desktop-GIS sehr viele Vorteile. Das Konzept basiert auf der redundanzfreien zentralen Datenhaltung, so dass jeder Nutzer mit den aktuellsten Daten arbeiten kann. Die Client-Server-Architektur des Internet- GIS hat außerdem den Vorteil, dass der Pflege- und Verwaltungsaufwand ausgelagert werden kann. Der gesamte Administrations- aufwand konzentriert sich auf einen Server und nicht auf hunderte von Arbeitsplätzen. Die Nutzer selbst müssen lediglich in die Handhabung des Browsers und der Funktionen der Benutzerober fläche der Anwendung eingewiesen werden.

Open-Source GIS-Lösungen stellen eine interessante Alternative zu kommerziellen GIS-Produkten dar, da hier keine Softwarelizenzen gekauft werden, sondern freie Software genutzt wird. Die zur Verfügung stehenden Mittel werden dafür verwendet, die Software weiter zu entwickeln und auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. kvwmap nutzt das Open-Source-Sys tem UMN-Map- Server, das gleichzeitig auch OGC-konform ist. Es liefert Geodaten nach Bedarf als WMS, WCS, WFS und im SOS-Format oder bindet andere verteilte Dienste als Datenquellen ein. Die Daten können so zwischen den Datenanbietern untereinander online ausgetauscht und gemeinsam für die Nutzer bereitgestellt werden.

Um das Projekt kvwmap hat sich bereits eine Community gebildet, in der die Anwender des Systems auf Grundlage gemeinsamer Interessen die Weiterentwicklung vorantreiben, sich gegenseitig Hilfestellung geben und Erfahrungen austauschen. Zur Kommunikation zwischen Entwicklern und Nutzern dient dabei ein Wiki und eine Mailingliste. Auf den regelmäßig stattfindenden Anwendertreffen der „WebGIS-Initiative Mecklenburg-Vorpommern“ werden die neuen Entwicklungswünsche und deren Umsetzung diskutiert.

Eine Besonderheit von kvwmap ist sein Nutzer- Stellen-Konzept. Mit dieser stellen- und personenbezogenen Nutzerverwaltung besteht die Möglichkeit, jede Art von raumbezogener Information individuell räumlich, zeitlich und thematisch zugeschnitten für Anwender zur Verfügung zu stellen. Durch das Konzept des generischen Layereditors wird den Benutzern die Möglichkeit gegeben, mit wenigen Handgriffen selbst eigene Fachanwendungen zu erstellen. Egal ob Polygon,- Linien- oder Punktgeometrien und unabhängig von den Attributen ist es für jeden Layer sofort möglich, neue Datensätze zu erzeugen, bestehende zu bearbeiten und nach Datensätzen zu suchen.

Durch integrierte Fachschalen ist es möglich, spezielle Fachaufgaben direkt im System zu bearbeiten. So können unter anderem Bodenrichtwertzonen, Nachweisverwaltung und Jagdbezirke erfasst und bearbeitet werden. Viele der Fachschalen bieten Schnittstellen zu raumbezogenen Daten aus anderen Softwaresystemen. So beinhaltet beispielsweise die Fachschale Jagdkataster eine Schnittstelle zur Jagdverwaltung und gibt den Landkreisen die Möglichkeit, ihre gemeindlichen und privaten Jagdbezirke zu erfassen und zu verwalten.

Basis jeder Fachanwendung ist die Er stellung eines Datenschemas, das in einer PostGISDatenbank abgebildet wird. Anschließend lassen sich Layer definieren, die auf das Datenschema zugreifen. Der generische Ansatz besteht nun darin, aus dem Datenschema und der Layerdefinition alle nötigen Informationen für die Darstellung in der Karte, die Sachdatenanzeige, einen Sachdaten- Editor, einen Geometrie-Editor und eine Suchfunktion zu extrahieren. Alle diese Funktionen müssen nicht programmiert werden, sondern werden zur Laufzeit generiert und stehen sofort zur Verfügung.

Eine umfangreiche Nutzer- und Rechteverwaltung macht es möglich, den Zugriff auf die Layer genau festzulegen. Jeder Nutzergruppe lassen sich layerbezogene Rechte zuweisen, die genau definieren, ob neue Datensätze erzeugt und/oder gelöscht werden dürfen, welche Layerattribute ausgeblendet werden, welche sichtbar und welche editierbar sind.

Die Formularfelder des Layereditors können verschiedene Typen haben. Welcher Typ für ein bestimmtes Attribut verwendet wird, ergibt sich entweder direkt aus dem Datenschema oder aus Metainformationen, die für jedes Layerattribut definiert werden können.  

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Ralf Bill
Peter Korduan
Stefan Rahn

Steinbeis-Transferzentrum Geoinformatik (Rostock)
stz447@stw.de

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