Wirtschaftsförderung als Instrument der Stadtentwicklungsplanung

Weg von Einzelfallhilfe hin zur projektorientierten Arbeitsweise

„Wir haben ein Stadtentwicklungskonzept“, hört man oft von Kommunalpolitikern, wenn es um die mittel- und langfristige Entwicklungsplanung der Gemeinden geht. In der Regel werden dabei oft nur die „klassischen“ Instrumente berücksichtigt, so dass die Möglichkeiten ungenutzt bleiben, die die Wirtschaftsförderung oder Verkehrsentwicklungsplanung bieten. Dass sich dieser Einbezug aber lohnt, hat das Steinbeis-Beratungszentrum Raumbezogene Planungen und Strukturentwicklung in der Kreisstadt Meiningen bewiesen.

Die Stadt Meiningen (Thüringen) hat seit der Wiedervereinigung rd. 20% ihrer Einwohner verloren, die meisten der Unternehmen im produzierenden Bereich wurden geschlossen oder erheblich umstrukturiert. Zahlreiche neue Unternehmen kamen hinzu, die Entwicklung einzelner Branchen verlief aber unkoordiniert. Ein starker Überhang an Unternehmen des tertiären Sektors ist die Folge, was bei der Generierung lokaler Wirtschaftskreisläufe erschwerend wirkt. Die vielerorts noch praktizierte einzelfallorientierte Wirtschaftsförderung musste in Meiningen umgestellt werden. Damit wurde das Steinbeis- Beratungszentrum Raumbezogene Planungen und Strukturentwicklung beauftragt, das in den vergangenen vier Jahren über einen Dienstleistungsvertrag die Aufgaben der Wirtschaftsförderung. In einem Projektbüro wurden Aufgaben unter dem Selbstverständnis der Wirtschaftsförderung als Fürsprecher und Dienstleister für Unternehmen übernommen. Die Akzeptanz der Arbeit des Wirtschaftsförderers aus unternehmerischer Sicht ist nach der Externalisierung über Steinbeis deutlich gestiegen. Der Wissenstransfer aus Universitäten und Hochschulen erfolgte durch zahlreiche studentische Arbeiten, die zu Denkanstößen beigetragen haben. Basierend auf den Leitbildern zur Wirtschaftsförderung, die durch die Stadtentwicklungsplanung erarbeitet wurden, wurde für die Wirtschaftsförderung in Meiningen ein „vier Säulen Modell“ entworfen, dessen Koordinierung Steinbeis übernahm.

Mit der Übernahme der Wirtschaftsförderung durch Steinbeis änderte sich die Arbeitsweise weg von der Einzelfallhilfe hin zur projektorientierten Abeitsweise. So kommen Erfolge der Wirtschaftsförderung allen Unternehmen gleichzeitig zugute. Bestehende Konflikte werden in strukturierte Bahnen gelenkt und somit auch transparenter, weniger konfliktträchtig und schneller für die Kunden gestaltet. Die Wirtschaftsförderung tritt als Impulsgeber und Partner für die Verwaltungsmodernisierung auf und kann somit „indirekt“ viel für die Unternehmen vor Ort leisten. Dieses projektorientierte Arbeiten ist Teil des Aufgabenwandels in der Wirtschaftsförderung, der eine Abkehr von ausschließlichen Ansiedlungsakquisitionen und Strategiekampagnen vorsieht. Gefragt ist heute eine pragmatische kommunale Wirtschaftsförderung, die durch Verwaltungsvereinfachung, schnelles Handeln und Kostensenkung auf lokaler Ebene geprägt ist. Besonders berücksichtigt werden muss in Zukunft auch das regionale, gemeinschaftliche Handeln, um größeren Projekten überhaupt noch eine Umsetzungschance zu geben. Dabei zeigte sich von Vorteil, dass formal die Angliederung an das Amt für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung bestand und der Wirtschaftsförderer über die Vertragsregelung mit Steinbeis als ein „neutraler Dritter“ galt.

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