HORIZON 2020 – das neue EU-Forschungsrahmenprogramm

TRANSFER im Gespräch mit Professor Dr. Norbert Höptner

Herr Professor Höptner, im Januar ging die Europäische Union mit dem Programm HORIZON 2020 in eine neue Förderrunde. Was ist neu an diesem Programm im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem 7. Forschungsrahmenprogramm?

Horizon 2020 bündelt erstmalig bisher getrennte Aktivitäten, wie das Forschungsrahmenprogramm, das Programm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation und das Europäische Institut für Innovation und Technologie. Damit verspricht sich die Europäische Kommission ein besseres Ineinandergreifen der Förderinstrumente. Des Weiteren hat das Programm mit 77 Milliarden Euro Fördervolumen für den Zeitraum 2014- 2020 ein weitaus höheres Budget als das 7. Forschungsrahmenprogramm. Horizon 2020 ist ein wichtiger Pfeiler der Innovationsunion, eine der Leitinitiativen der Strategie Europa 2020, mit der Europas weltweite Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden soll. Um der Wirtschaft Europas Chancen für die Zukunft zu sichern, konzentriert sich die Europäische Kommission auf drei Themen: Wissenschaftsexzellenz, die führende Rolle der Industrie und die sogenannten gesellschaftlichen Herausforderungen und stellt damit – und dies ist neu in dieser expliziten Formulierung - drei für unsere Zukunft relevante Bereiche in den Mittelpunkt: Wissenschaft, Industrie und die Gesellschaft.

An wen richtet sich das Programm, welche Chancen bieten sich für Baden- Württemberg?

Vor allem hinter den Themen „Gesellschaftliche Herausforderungen“ und „Führende Rolle der Industrie“ verbergen sich Förderprogramme, die für Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg von großem Interesse sind. Hier werden transnationale Kooperationen gefördert. Teilnehmen können alle Rechtspersonen eines EU-Mitgliedsstaates, aus einem assoziierten Staat oder eines Drittlandes. Im Gegensatz zu früheren KMU-Programmen ist bei dem neuen KMU-Instrument auch eine Einzelantragsstellung möglich. Hier muss die wissenschaftliche Ausrichtung und obligatorische Beteiligung von Forschungsdienstleistern in Form von „Business Cases“ entlang der Bedürfnisse und Möglichkeiten von KMU definiert werden, um eine Förderung zu erhalten. KMU dürfen wissenschaftliche Partner durch Aufträge einbinden. Das KMUInstrument findet sich in den Programmschwerpunkten „Gesellschaftliche Herausforderungen“ und „Führende Rolle der Industrie“. In diesen beiden Säulen sollen 20% des Budgets für KMU reserviert werden. Unsere exzellenten Forscher in Baden-Württemberg sollten sich für die Projektförderung im Programm Wissenschaftsexzellenz durch den Europäischen Forschungsrat bewerben. Auch im Bereich Forschungsinfrastrukturen liegt ein großes Potenzial.

Haben sich die Förderinstrumente verändert? Was müssen Unternehmen beachten?

Die EU Kommission fördert Projekte entlang des gesamten Innovationszyklus – von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung. Grundsätzlich – mit Ausnahme der Einzelförderungen - muss ein förderfähiges Projekt mindestens drei voneinander unabhängige Einrichtungen aus drei unterschiedlichen EU-Mitgliedsländern bzw. assoziierten Ländern umfassen. In der Regel sind die Konsortien aber größer. Es gibt in HORIZON 2020 nur noch zwei unterschiedliche Förderhöhen für direkte Kosten: 100% für Forschungsprojekte und 70% für Innovationsprojekte (marktnahe Maßnahmen). Diese Förderquote gilt dann generell pro Projekt und alle seine Aktivitäten. Eine Ausnahme bilden gemeinnützige Einrichtungen, die auch für Innovationsprojekte bis zu 100% Förderung ihrer direkten Kosten erhalten. Der Fördersatz für indirekte Kosten wird für alle Projektarten mit einer Pauschale von 25% abgegolten. Die Umsetzung von Forschung in marktfähige Produkte hat an Bedeutung gewonnen, die Förderung hat sich vereinfacht.

Wie stehen die Chancen in der Antragstellung? Welche Unterstützung bietet das Steinbeis-Europa-Zentrum?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass es gerade für KMU nicht einfach ist, einen EU-Antrag zu stellen, vor allem wenn man dies zum ersten Mal als Koordinator versucht. Neulingen empfehlen wir, zunächst als Partner in ein Projekt zu gehen. Das Steinbeis-Europa-Zentrum bietet Hilfe bei der Antragstellung. Unsere Begleitung erhöht die Projektchancen um ein Vielfaches. Wir unterstützen die Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen bei der Beantragung und Durchführung von Projekten, bei der Suche nach Partnern und bei den Vertragsverhandlungen mit der Europäischen Kommission. Durch zahlreiche Infoveranstaltungen in Baden-Württemberg zu den europäischen Programmen und in unserem Newsletter erhalten Akteure kostenlos ausführliche Informationen zu aktuellen Fördermöglichkeiten. Darüber hinaus bietet unsere Trainingsreihe zur Antragstellung und zum Projektmanagement eine fundierte Weiterbildung in kleinen Gruppen für Unternehmer und Wissenschaftler, die bereits in EU-Projekten tätig sind oder es werden wollen.

Steinbeis-Europa-Zentrum (SEZ)

Das Steinbeis-Europa-Zentrum (SEZ) wurde 1990 gegründet und hat zur Aufgabe, die Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg zu Fragen der europäischen Forschungsprogramme und bei Technologiekooperationen zu unterstützen. Mit Standorten in Stuttgart und Karlsruhe leistet das SEZ Hilfestellung bei der Antragstellung und Durchführung grenzüberschreitender Projekte, bei Partnersuche, Projektmanagement, Technologietransfer und bei der Entwicklung regionaler Innovationsstrategien.

Das Steinbeis-Europa-Zentrum ist Beratungsstelle für KMU in Baden- Württemberg im Auftrag des Europabeauftragten. Zugleich agiert es als EU-Beratungsstelle für die Hochschulen in Baden- Württemberg im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Für das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft ist das SEZ als regionale INTERREG-Kontaktstelle tätig.

Das SEZ ist Partner im Enterprise Europe Network der Europäischen Kommission und agiert als Partner im baden-württembergischen Konsortium in Kooperation mit Handwerk International, dem Wirtschaftsministerium und sieben Industrie- und Handelskammern.

Kontakt

Prof. Dr. Norbert Höptner ist Leiter des Steinbeis-Europa- Zentrums und Europabeauftragter des Ministers für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-Württemberg.

Professor Dr.-Ing. Norbert Höptner
Steinbeis-Europa-Zentrum (Stuttgart)

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