Personalentwicklung im Verbund

Kosteneffizientes Instrument zur Mitarbeiterbindung und -förderung

63% der deutschen Familienunternehmen nennen Personalentwicklung als zentralen Investitionsschwerpunkt und stellen das Thema damit an 1. Stelle vor die Investitionen in Produktion, F&E sowie Vertrieb & Marketing – so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers aus dem Jahr 2010. Insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen haben im Wettbewerb um qualifiziertes Personal häufig das Nachsehen und Ingenieure wie Betriebswirte entscheiden sich in der Folge für bekannte Großunternehmen. Ein Grund dafür liegt in der Tatsache, dass KMU wesentlich weniger in die Personalentwicklung ihrer Mitarbeiter und Führungskräfte investieren, als Großunternehmen. Prof. Dr. Benedikt Hackl, Leiter des Steinbeis- Beratungszentrums Human Capital Management, erarbeitete gemeinsam mit der IHK Bodensee-Oberschwaben und Peopledynamix ein Personalentwicklungsformat, das gerade KMU den kosteneffizienten Zugang zu qualitativ hochwertigen Personalentwicklungsangeboten und -expertisen in der Region ermöglichen soll.

Die Grundidee ist einfach: Um die hohen Fixkosten für Personalentwicklung zu sparen, bündeln Unternehmen ihre Bedarfe und Trainingsinhalte in einer Verbundlösung, in der auf Basis einer fundierten Bedarfsanalyse beispielsweise unternehmensübergreifende Führungskräfteentwicklungsprogramme entwickelt werden. Durch dieses Format können bei zehn teilnehmenden Unternehmen die Kosten für die Personalentwicklung einer Nachwuchsführungskraft um 70 bis 80% gesenkt werden. Die Qualität kann dagegen durch unternehmensübergreifendes Lernen und intensiven Austausch bei qualitativ hochwertigen Inhalten gesteigert werden. Die Unternehmen ihrerseits verzichten auf gegenseitige Abwerbungsversuche der Teilnehmer, bei einem Verlassen des Unternehmens während oder bis zu zwei Jahre nach der PE-Maßnahme muss der Teilnehmer die Kosten selbst aufbringen. Wichtig ist auch die regionale Fokussierung der Teilnehmer, um Mobilitätskosten einsparen zu können. Die Vorbereitung und Auswahl geeigneter Experten würde durch eine externe „PE-Koordination“ vollzogen.

Um die Bedarfe und die genaue Ausgestaltung für die Region zu ermitteln, befragten Benedikt Hackl und die Projektpartner knapp 50 KMU mit einer breiten Branchenstreuung in der Region. Die Ergebnisse hat das Team zusammengefasst: Das Format „PE im Verbund“ wird vor allem als Motivationsinstrument und zur Vorbereitung eines Mitarbeiters auf die nächste Führungsebene als sinnvoll angesehen.

Die befragten Unternehmen sehen insbesondere in der Verbesserung methodischer Kompetenzen, dem Best-Practice-Austausch und der Stärkung sozialer Fähigkeiten und der Schaffung eines Wissensnetzwerkes sehr großes Potenzial gemeinsamer, unternehmensübergreifender Personalentwicklung. Projektpartner wie auch die befragten Unternehmen teilen die Auffassung, dass PE im Verbund zu signifikanten Kosteneinsparungen führen kann. PE im Verbund wird außerdem als Vehikel zur Qualitätssteigerung und als Bereicherung für die Vielfalt der unternehmenseigenen PE-Landschaft gesehen. Ab Mitte 2013 ist ein Pilot „Personalentwicklung im Verbund“ in der Region Oberschwaben und Bodensee als auch Oberbayern geplant. Dabei wird branchenübergreifend für 10 bis 15 Unternehmen ein passgenaues Personalentwicklungsprogramm für ausgewählte Mitarbeiter zusammengestellt. Die Entwicklung des Programmes basiert auf unternehmensspezifischen Bedarfsanalysen. Angeboten werden zehn optionale Module aus den Themenfeldern Betriebswirtschaftliche Fachkompetenzen, Führung, Selbstmarketing, Coaching, Erfahrungsaustausch und Lernimpulse erfahrener Manager. Das Programm wird von der IHK Bodensee-Oberschwaben, der DHBW in Ravensburg und dem Steinbeis- Beratungszentrum für Human Capital Management in Stuttgart begleitet. Die Teilnehmer aller Module werden vom PE-Unternehmensverbund, der DHBW und der IHK zertifiziert.

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