Führung mit PS

Führungskräfteseminar mit Mensch und Pferd

Zugegeben, der Zusammenhang zwischen Führungsqualitäten und Pferdestärken ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Sobald man aber mit Heike Felbecker-Janho und Martina Zambelli, Leiterinnen des Steinbeis-Beratungszentrums Personal- und Persönlichkeitsentwicklung, ins Gespräch kommt, wird schnell klar, wie Pferde die Mitarbeiterführung von Managern auf die Probe stellen können. „Pferde reagieren im Gegensatz zu Mitarbeitern nur auf den Menschen hinter der Führungsperson, nicht auf seine Titel oder Positionen. Leittiere unter den Pferden wiederum zeichnen sich durch Vertrauen und Sicherheit, Respekt, Klarheit, Zielgerichtetheit und Authentizität aus. Diese Qualitäten können Führungskräfte bei uns durch den Umgang mit Pferden für die eigene Führungsaufgabe im Unternehmen ausbauen“, erklärt Felbecker-Janho.

Seit 2007 führen die Experten am Steinbeis-Beratungszentrum in Korntal-Münchingen Beratungen und Entwicklungsmaßnahmen für Unternehmen, Teams, Führungskräfte, Projektleiter, Nachwuchsführungskräfte und Privatpersonen durch. Eine Besonderheit sind dabei pferdegestützte Maßnahmen – die sogenannten „Seminare mit PS“ – die eine erstaunlich hohe Wirksamkeit und Nachhaltigkeit aufweisen.

Diese Erfahrung hat auch ein Führungsteam eines mittelständischen IT-Unternehmens zusammen mit den Steinbeis-Experten gemacht. Die Ausgangssituation: eine Gruppe von acht Führungskräften, die Mehrzahl neu in einer Führungsrolle. Die Mitarbeiter waren international tätig und auch selbst wieder verantwortlich für interkulturelle Einzelteams. Die Zielsetzungen der Geschäftsführung des Unternehmens für das Seminar waren klar umrissen. Die Kompetenzen individueller als auch kollektiver Führung sollten weiterentwickelt werden, zentrale Fragestellungen sollten sein „Wie führe ich mein Team gut?“; „Wie führen wir die Gesamtabteilung gemeinsam erfolgreich?“. Außerdem sollte die Gruppe stärker als Team zusammenwachsen.

Die Steinbeis-Experten entwickelten ein maßgeschneidertes Konzept, basierend auf ihren Kompetenzen sowie langjährigen Erfahrungen in Personal-, Team- und Organisationsentwicklungsprozessen. So entstand ein zweitägiges pferdegestütztes Seminar mit intensiver Prozessbegleitung.

Schon der Beginn des Seminars war für ein Führungskräfteprogramm nicht ganz üblich: An einem sonnigen Morgen trafen sich die Teilnehmer des Seminars auf Strohballen auf der Weide, sichtlich gespannt, was auf sie zukommen würde. Für den ersten Tag stand die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Führung auf dem Programm. Nach dem ersten Beschnuppern von Mensch und Pferd gewannen die Coaches Eindrücke von den Teilnehmern, die später in die Feingestaltung der Übungen und Schwierigkeitsgrade, beispielsweise bei der Pferdeauswahl, einbezogen wurden. Anfangs schwang bei manchen Teilnehmern auch Unsicherheit bzw. Angst im Umgang mit den fremden großen Tieren mit. Die Steinbeis-Berater unterstützten dabei: denn Führung und Vertrauen sind eng miteinander verknüpft.

Nach der ersten Eingewöhnungsphase ging es dann ans Führen. Teamleiter Jan startete mit Pferd Lucky. Nach einigen Metern begann Lucky das saftige Gras am Rand des Reitplatzes zu fressen statt „seiner Führungskraft“ zu folgen. Christel Buwitt, die Pferdeflüsterin des Trainerteams rief: „Jan, was machst Du jetzt als Chef?“ Jan versuchte, Lucky am Strick wegzuziehen. „Nicht zu fest und nicht zu ruckartig und schau, er hat Dich verstanden, spürst Du es?“ ergänzte Christel. „Jetzt nur noch den Kontakt halten, er folgt Dir schon.“ Jan strahlte. Im Videofeedback konnte er genau den Moment erkennen, in dem er Lucky „verloren“ hatte. Kennt er das auch aus seinem Unternehmensalltag? Wie kann er dort sicherstellen, dass er den Kontakt behält? Diese Fragen bearbeiteten die Steinbeis-Coaches mit Jan weiter. Später stellte er fest, dass Pferd Paschou wiederum anders geführt werden musste. Zunehmend gewannen die Teilnehmer Sicherheit bei den Übungen und trauten sich, ihrer Intuition zu folgen. Die Lernkurve war überzeugend.

Nachdem der erste Tag auf der Weide mit Buffet, Lagerfeuer und Gitarrenmusik endete, begann der nächste Morgen mit einer Reflektionsrunde zum Vortag. Einige Teilnehmer hatten bereits begonnen ihre Ein- drücke und Erlebnisse zu sortieren, aufzuschreiben und zu verarbeiten. Diese Erkenntnisse griffen die Steinbeis-Mitarbeiter auf und stellten den Transfer in den Unternehmensalltag sicher.

Der zweite Seminartag stand unter dem Motto Führung als Gruppe. Die Gruppe konnte die erste gemeinsame Aufgabe mit den Pferden zunächst nicht lösen, weil es für sie ungewohnt war, in dieser Weise zusammen zu arbeiten. Jeder versuchte, seinen Teil der Aufgabe möglichst schnell zu lösen; manche achteten dabei nicht mehr auf die Wechselwirkungen innerhalb und zwischen den Gruppen. Doch in den folgenden Übungen wurden viele der Erkenntnisse gleich umgesetzt. Nach und nach lernten die Teilnehmer sich besser abzusprechen, gemeinsam zu planen und das Gesamte im Auge zu behalten. Von den Trainerinnen gab es viel Einzelfeedback und Feedback an die Gruppe, außerdem wurden Konflikte geklärt. Die schwierige Abschlussaufgabe funktionierte zur Freude aller schließlich auf Anhieb und stärkte in den Teilnehmern das Bewusstsein, wie wichtig es für den zukünftigen Abteilungserfolg sein würde, dass „alle an einem Strang ziehen“.

Sechs Wochen nach dem Seminar startete der Nachcoaching-Prozess, zu dem Steinbeis- Coach Martina Zambelli zunächst für zwei Tage zum Kunden fuhr. Diese Nachsorge ist für Trainer wie Kunden sehr wichtig, denn einige der Impulse aus dem Seminar werden erst nach Wochen wahrgenommen und wirksam, dadurch entstehen neue Fragen bei den Teilnehmern. Jeder Teilnehmer erhielt ein Einzelcoaching, in dem besprochen wurde, wo er aktuell steht, welche Lern erkenntnisse er bereits umsetzen konnte, welche Fragen noch offen sind und wie weitere Schritte aussehen könnten. Zusätzliche Besprechungen im Team, oft unter Einbeziehung des Leiters der Abteilung und des Geschäftsführers, führten zu weiteren zielführenden Veränderungen. Teilnehmer wie Geschäftsleitung waren hoch zufrieden mit dem Erfolg des Seminars und den Ergebnissen des Coachings.

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