Der Krise ins Auge sehen

Standpunkt | Ein Plädoyer für die Präventation im Politik- und Krisenmanagement

Ob Abbau von Arbeitsplätzen oder Korruption: Immer wieder geraten Unternehmen in die Schlagzeilen und verursachen ein negatives Medienecho. Große Krisenfälle zeigen, wie Produkte und Unternehmen jeden Tag ins Visier der Journalisten geraten. Diese Fälle bestätigen: Mangelhaftes Krisenmanagement lässt eine Krise schnell zu einer Katastrophe ausufern - mit erheblichen Auswirkungen auf das Image und die Marke eines Unternehmens. Die Entlassung der vermeintlich verantwortlichen Manager hat kurzfristig Wirkung, die Reputation des Unternehmens jedoch ist auf Dauer geschädigt.

Jede Krise verläuft einzigartig. Sie ist ein amoralisches Konglomerat von ökologischen, ökonomischen oder politischen Interessen. Gleichzeitig reagieren Verbraucher kritischer, sensibler und auch konfliktbereiter. Bei unzureichendem Krisenmanagement, folgenlosen Versprechungen und Kommunikationsdesastern werden Topmanager heute persönlich zur Verantwortung gezogen. So sind Krisen für die Betroffenen immer ein psychologischer Extremfall. In Stress und Ausnahmesituationen reagieren Menschen ohne umfangreiche präventive Maßnahmen spontan und impulsiv. Was nun tun?

Die erhöhte Anzahl von Krisen in der heutigen Zeit und die Prognose einer weiteren Steigerung in der Zukunft machen einen Blick in die Krisenwissenschaft unvermeidbar. Krisenmanagement und Kommunikation in der Krise haben sich zu einer zentralen Aufgabe der Führungskräfte entwickelt. Krisenpotenziale müssen erkannt und antizipiert, Infrastrukturen geschaffen, Abläufe eingeübt und Mitarbeiter geschult werden. Nur so kann ein Unternehmen in krisenhaften Situationen souverän agieren statt mit Schrecken zu reagieren. Außerdem ist es nur durch klare Zuständigkeiten, ein Krisenkonzept, Spontaneität und Ordnung möglich, der Krise offensiv zu begegnen und die nächste Ebene, die Katastrophe, zu verhindern.

Krisen kommen meist schleichend. Themen, die gestern noch als harmlos eingestuft wurden, entpuppen sich heute als Brennpunkte. Die Etablierung eines Frühwarnsystems ist für ein frühzeitiges Identifizieren und Beobachten von möglichen Risikothemen für ein erfolgreiches Krisenmanagement unabdingbar. Dazu gehört professionelles Issues Management: Mittels regelmäßigem, fokussiertem Monitoring auf verschiedenen Plattformen unter Einbeziehung von Medienberichten, relevanten Diskussionen, neuen Entwicklungen im Unternehmen, in der Politik oder in Rechtsstreitigkeiten, kann frühzeitig auf schädigende Entwicklungen eingewirkt werden. Aufgrund der steigenden Bedeutung von Krisen und der Entwicklung der Massenmedien wird auch die Bedeutung professioneller Krisen-PR steigen. Da auch die Massenmedien dem härteren Wettbewerb ausgesetzt sind, stürzen sie sich auf krisenbehaftete Themen. Um hier vorzubeugen, müssen sich Organisationen mit anspruchsvolleren und kritischeren Bezugsgruppen über ihr Selbstverständnis austauschen und auf Wünsche und Erwartungen eingehen. In Zukunft wird argumentative, überzeugende Krisen-PR entscheidend sein, denn erklärende Kommunikation führt dazu, dass sich Selbstbild und Fremdbild annähern und eine ausgeglichene Beziehung entstehen kann.

Ein weiterer wichtiger Baustein zur Prävention liegt in der Analyse politischer und gesellschaftlicher Aktivitäten, die für die Organisation oder das Unternehmen relevant sind. Die Bewertung der Interessenlage anderer sowie die Analyse von Handlungsmöglichkeiten sind essentiell, um in wichtigen Fällen im Sinne eines „Frühwarnsystems“ sehr kurzfristig reagieren zu können.

Die politische Beratung von Unternehmen bei der Durchsetzung ihrer Interessen gegenüber der Politik hat sich in Deutschland zunehmend etabliert. Aus dem negativ beäugten Lobbying im dunklen Hinterzimmer ist ein professionelles, strategisches Handwerk der Interessensvertretung geworden. Das „Know-how“ steht hier vor dem „Know who“. Die für Unternehmen relevanten Gesetze werden unüberschaubarer und die wirtschaftlichen Konsequenzen einer politischen Entscheidung kaum noch einschätzbar. Zugleich müssen die Unternehmen stärker öffentlich agieren, um rechtzeitig auf unerwünschte Vorhaben einwirken zu können. Hierfür ist es wichtig, relevante politische Entwicklungen zu beobachten und sich mit der eigenen Position Gehör zu verschaffen.

Am Institute Political & Crisis Management der School of Governance, Risk & Compliance an der Steinbeis-Hochschule Berlin werden Führungskräfte der Wirtschaft im Bereich der politischen Kommunikation und professionellen Krisenbewältigung ausgebildet. Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erläutern von unternehmerischer, rechtswissenschaftlicher und politischer Seite das Handwerkszeug im Politik- und Krisenmanagement. So wird interdisziplinär das notwendige Wissen vermittelt, um sicher und kompetent im politischen und medialen Umfeld zu agieren und potenzielle politische Stakeholder sowie Krisenfelder zu identifizieren.

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