Exzellente Managementsysteme in der Aus- und Weiterbildung

Steinbeis-Team berät Bildungsdienstleister

Auch im Bildungssektor besteht eine zunehmende Wettbewerbssituation und es stellt sich die Frage nach geeigneten Kompetenzbestätigungen und Zertifikaten. Bisher gab es für den Bereich der Aus- und Weiterbildung keine spezifische Norm, abgesehen von gesetzlichen Regelungen für die speziellen Anforderungen der Arbeitsmarktpolitik und der DIN ISO 9001. Im Vergleich zu anderen Regelwerken orientiert sich die neue DIN ISO 29990 sehr viel deutlicher an den konkreten Anforderungen für Anbieter von Aus- und Weiterbildungen und ist damit für diesen Bereich besser geeignet. Die Experten am Steinbeis-Beratungszentrum Institut für Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung IfQO haben das Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen (IbBG) in der Frage beraten, ob die Zertifizierung weiterhin auf Basis der DIN ISO 9001 oder aber nach der neuen Norm für Bildungseinrichtungen angestrebt werden sollte.

Schnell sprachen die wesentlichen Kriterien für einen Umstieg auf die neue Norm. Die Steinbeis-Berater sehen in der DIN ISO 29990 mehrere Ansätze, die die Belange von Bildungsdienstleistern mehr als bisher berücksichtigen: Die neue Norm spezifiziert die Bedarfe von Lernenden, Unternehmen und Sponsoren; sie definiert Lerninhalte und Lernprozesse; sie evaluiert Lerndienstleistung und Kompetenzen des Lerndienstleisters und richtet schließlich das Management auf die spezielle Situation der Aus- und Weiterbildung aus. Daneben passt sich die ISO 29990 besser an die Erfordernisse und den Sprachgebrauch der Organisation als Lerndienstleister an, deckt aber gleichzeitig auch rund 2/3 der ISO- 9001-Inhalte ab. Auch aus internationaler Sicht ist die ISO 29990 für Bildungseinrichtungen eine klare Alternative zur ISO 9001.

Für die Umstellung des Managementsystems des IbBG auf die neue Norm wählte das Projektteam den Zeitpunkt der Rezertifizierung. Ein Schwerpunkt beim „Umbau“ des bisherigen Managementsystems lag nun bei der Definition der Kernprozesse bezogen auf die Bestimmung des Lernbedarfs, Gestaltung, Erbringung und Monitoring der Lerndienstleistungen sowie der Evaluation. Außerdem richtete sich das Augenmerk auf die Ausgestaltung der Managementfunktionen zur Verwirklichung der kundenbezogenen Prozesse. Hier sind – neben den bereits klassischen und etablierten Funktionen – insbesondere folgende Punkte wesentlich:

  • Strategie und Unternehmensmanagement
    Die Steinbeis-Experten erstellten mit dem IbBG einen Geschäftsplan, der die Strategie und Geschäftsziele sowie eine Beschreibung der Führungsstruktur, der Schlüsselprozesse und der Qualitätspolitik des Lerndienstleisters beinhaltet.
  • Finanzmanagement und Risikomanagement
    Anforderung der neuen Norm war, ein geeignetes System des Finanzmanagements und ein System zum Erkennen, Bewerten und Bewältigen von Risiken einzusetzen und zu dokumentieren, um die Geschäftskontinuität zu sichern.
  • Kompetenzen der Mitarbeiter
    Die DIN ISO 29990 verlangt die Sicherstellung der notwendigen Kernkompetenzen (persönliche, unternehmerische und bzgl. der Erbringung der Lerndienstleistungen) durch angestellte und externe Mitarbeiter.

Das Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen wurde im Juni 2014 erfolgreich nach DIN ISO 29990 zertifiziert. Aus Sicht des IbBG war der Umbau des Managementsystems nach der neuen Norm eine komplexe und anspruchsvolle Aufgabe, deren Aufwand sich aber gelohnt hat. Positive Effekte machen sich schon heute bemerkbar: Die Akzeptanz des Qualitätsmanagementsystems ist unter allen Mitarbeitern erheblich gestiegen. Die systematische Entwicklung eines „Pflegecurriculums“ mit Beteiligung aller Lehrkräfte der Pflegeausbildungsgänge ist eingeleitet worden und die Organisationsstrukturen des Institutes konnten den Aufgaben entsprechend angepasst werden.

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