KMU im Wandel vom Produkt- zum Lösungsanbieter

Steinbeis-Team entwickelt in Verbundprojekt Produkt-Service-Systeme für den Mittelstand

Unter dem Motto „Use-PSS – Usability von betrieblichen Produkt-Service-Systemen im Mittelstand“ startete Ende 2015 ein Verbundprojekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Förderschwerpunktes „Mittelstand Digital - Strategien zur digitalen Transformation der Unternehmensprozesse“. Denn die Rolle produzierender Unternehmen wandelt sich grundlegend: Während sich diese Unternehmen bisher vornehmlich auf die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb qualitativ hochwertiger Sachprodukte konzentrierten, erwarten die Kunden künftig komplette Problemlösungen. Für die Bereitstellung einer solchen Komplettlösung eignen sich Produkt- Service-Systeme (PSS) besonders gut. Sie bestehen aus einer Produkt- und einer Dienstleistungskomponente, deren Gewichtungen sich je nach Anwendungsfall stark unterscheiden können. Ziel des Projektes ist es, mittelständische Unternehmen beim Aufbau solcher Systeme zu unterstützen und im Rahmen von realen Anwendungsfällen mit kleinen und mittelständischen Unternehmenspartnern einen innovativen Usability-Gestaltungsrahmen zur PSS-Generierung zu entwickeln und zu erproben. Umsetzungspartner des Projekts sind das Pforzheimer Steinbeis-Innovationszentrum 2 Digital Business, die Hochschule Pforzheim, die bwcon GmbH (Stuttgart) als Unternehmen im Steinbeis- Verbund sowie als Partnerunternehmen aus der Industrie die doubleSlash Net-Business GmbH (Friedrichshafen), die NETSYNO Software GmbH (Karlsruhe) und die teXXmo Mobile Solution GmbH & Co. KG (Böblingen).

Branchenübergreifend stehen produzierende Unternehmen vor der Herausforderung, auf den Wandel der Kundenbedürfnisse weg vom Kauf eines reinen Sachprodukts hin zu einer nutzerzentrierten Gesamtlösung als Kombination aus Produkt und Service zu reagieren. Kontinuierliche Produktverbesserungen und hohe Qualität sichern langfristig alleine nicht mehr die Wettbewerbsfähigkeit. Eine Anreicherung der Produkte mit intelligenten Dienstleistungen zur Einbettung in die Prozesse des Anwenders kann hingegen zu einem Alleinstellungsmerkmal führen. Die Gestaltung und Realisierung dieser Produkt-Service-Systeme findet in einem erweiterten Wertschöpfungsnetzwerk in enger Rückkoppelung mit dem Kunden statt. Produzierende Unternehmen durchlaufen somit einen fundamentalen strategischen Wandel hin zum kundenorientierten Service Provider, der insbesondere für den Mittelstand eine große Herausforderung bedeutet.

Die Transformation zum PSS-Anbieter zeigt das Projekt-Team beispielhaft an einem Maschinenbauunternehmen auf, das in der Vergangenheit stark produktorientiert war. Mit der Veränderung hin zum Lösungsanbieter sieht sich dieses Unternehmen mit der Fragestellung der Entwicklung eines geeigneten Geschäftsmodells konfrontiert. So kann das Unternehmen durch den Aufbau eines Produkt-Service-Systems um sein Angebot herum dem Kunden problemorientierte Gesamtlösungen offerieren. Anstatt wie bisher die Maschine nur zu verkaufen, kann das Unternehmen zunächst eine Vermietung der Maschine anbieten, Kunden können dann weitergehende Dienstleistungen wie Schulungen, Wartung oder Prozessoptimierung beziehen. Bei einer ausgeprägten Dienstleistungsorientierung stellt das Unternehmen seinem Kunden die Maschine im Rahmen eines Rundum-Service- Vertrages zur Verfügung und bietet eine Bezahlung pro produziertem Teil an. Bei dieser Gesamtlösung werden alle vom Lebenszyklus des Produkts abhängigen Verantwortlichkeiten von der Anschaffung über den Betrieb bis hin zur Entsorgung vom Anbieter übernommen.

Zur Unterstützung des Mittelstandes bei der Entwicklung und Umsetzung nutzerfreundlicher PSS werden im Projekt Use-PSS mehrere Werkzeuge und Maßnahmen entstehen:

  • Das Projekt-Team erarbeitete einen Gestaltungsrahmen für den Entwicklungsprozess von PSS, der spezifische Usability-Kriterien berücksichtigt.
  • Die Vorgehensmodelle werden in einer zweiten Phase mit Anbieterund Anwender-KMU getestet, und es entsteht ein validiertes Best- Practice-Vorgehensmodell zur Entwicklung und Implementierung eines PSS für den Mittelstand.
  • Um diese Ergebnisse in die Breite zu tragen, werden im weiteren Projektverlauf zielgruppenspezifische Informationsmaterialien online zur Verfügung gestellt sowie Informationsveranstaltungen, Seminare und Schulungen angeboten.

Mit Hilfe von PSS-Lösungen können sowohl höhere und nachhaltige Umsätze für den Anbieter generiert als auch ein höherer Kundennutzen erzeugt werden. Daraus resultieren eine stärkere Kundenbindung und ein Wettbewerbsvorteil. Um Unternehmen bei dieser Transformation zu unterstützen, soll als Kernergebnis des Projektes Use-PSS ein Kompetenzzentrum für KMU als Anlaufstelle und Netzwerk-Plattform entstehen. Geplant ist, mit Hilfe des Kompetenzzentrums auch nach Auslaufen des Projektes KMU zu unterstützen.

Schwerpunkte des Steinbeis-Innovationszentrums 2 Digital Business im Projekt sind die Erarbeitung von Best-Practice-Lösungen für den Einsatz der entwickelten Methoden und Modelle in KMU sowie die Entwicklung von praxistauglichen Dienstleistungen, die den Transfer der Ergebnisse in KMU unterstützen. Das Projekt Use-PSS ist Teil der Förderinitiative „Einfach intuitiv – Usability für den Mittelstand“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Kontakt

Weitere Informationen zum Projekt finden sich unter www.mittelstand-digital.de.

Prof. Uwe Dittmann, Prof. Alfred Schätter
Steinbeis-Innovationszentrum 2 Digital Business (Pforzheim)
SU1779@stw.de
www.use-pss.de

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