Erfolgsfaktor Gründerpersönlichkeit

Gene oder Bildung?

Dass es mehrere Faktoren sind, die über Erfolg oder Misserfolg einer Gründung entscheiden, ist schon lange bekannt. Aber welche Rolle spielt dabei die Persönlichkeit der Gründer und wie wird diese definiert? Wird man als Gründer geboren oder kann man diese Eigenschaft erlernen? Diesen und anderen Fragen gehen Prof. Dr. Werner G. Faix und Jens Mergenthaler von der School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) der Steinbeis-Hochschule Berlin in ihrer Forschung nach.

Die Forschung macht vor allem vier Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Gründungen aus:

1. Die Qualität der Gründungsidee und der Gründungsgelegenheit;
2. Die Professionalität bei der Analyse, Planung und Durchführung der Gründung;
3. Die äußeren Rahmenbedingungen der Gründung (Finanzierungsmöglichkeiten, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Technologie, Gesetzgebung, Ökologie und Wertevorstellungen) sowie
4. Die Persönlichkeit des Gründers

Die Wichtigkeit des Erfolgsfaktors der „Gründerpersönlichkeit“ wird durch Forschung und Praxis immer wieder bestätigt. Mittlerweile ist die Reflexion der Persönlichkeit des Gründers daher auch Bestandteil von Business-Plänen. Für Werner G. Faix und Jens Mergenthaler steht der Erfolgsfaktor „Persönlichkeit des Gründers“ sogar im Mittelpunkt erfolgreicher Gründungen: Die Gelegenheit oder die Idee mögen noch so gut, die Vorarbeiten noch so umfangreich und die Rahmenbedingungen noch so ideal sein - ohne den tätigen Geist, die wirkende Hand und den umsetzenden Willen eines Unternehmers bleibt eine Gelegenheit nur eine Gelegenheit und eine Idee nur eine Idee. Vor allem brauchen Gründer daher eine unternehmerische, eine (er)schaffende, eine schöpferische Persönlichkeit, um aus Ideen wertschöpfende Wirklichkeit werden zu lassen.

Viel und oft wurde über den Begriff „Persönlichkeit“ gesprochen, weshalb unzählige Definitionen dieses Begriffs existieren. Werner G. Faix und Jens Mergenthaler sehen den Begriff „Persönlichkeit“ aufs Engste mit dem menschlichen Handeln verbunden: Die Persönlichkeit ist zum einen das, was all unserem Handeln zugrunde liegt; zum anderen ist unser gesamtes Tun, Dulden und Unterlassen das sichtbare Abbild von dem, was und wer wir sind. „Persönlichkeit“ steht damit als ein Sammelbegriff für die Gesamtheit unserer Neigungen, unserer Eigenschaften, unserer Fähigkeiten und unserer Absichten, die sich allesamt in unseren konkreten Handlungen zeigen.

Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff „Persönlichkeit“ in einem pragmatischen Sinne auf zweierlei Weisen verwendet: Persönlichkeit drückt einerseits ein Haben und andererseits ein Sein aus. Das Haben drückt sich beispielsweise darin aus, dass man an seiner Persönlichkeit arbeiten und sie entwickeln soll; das Haben zeigt sich auch darin, dass etwas Ausdruck oder Ausfluss der Persönlichkeit ist. Persönlichkeit erscheint hier als ein zutiefst zu einem Menschen gehörender Besitz, den der Mensch einerseits (um)gestalten kann und der zum anderen die Grundlage für seine Verhaltens- oder Interaktionsweisen ist. Persönlichkeit als ein Sein drückt sich aus in solchen Phrasen: Er ist eine große Persönlichkeit, sie ist eine namhafte Persönlichkeit aus Sport/Politik/ Wirtschaft/Gesellschaft/Kultur etc. Persönlichkeit steht in diesem Fall für einen Menschen, der in der Gesellschaft eine besondere Rolle spielt. Anders gesagt, steht das Sein einer Persönlichkeit für das Ergebnis eines komplexen sozialen Prozesses, bei dem eine Gemeinschaft den Rang/die Bedeutung/den Einfluss etc. eines Subjekts auf die Gemeinschaft bewertet. Im allgemeinen Sprachgebrauch kann man sowohl eine Persönlichkeit haben als auch eine Persönlichkeit sein. Dieser Definition folgend bezeichnet Persönlichkeit nach dem pragmatischen Verständnis sowohl ein Persönlichkeit-Haben als auch Persönlichkeit-Sein. Das Haben einer Persönlichkeit steht für das Innehaben jener Gesamtheit von Elementen, die einen Menschen eine einmalige und charakteristische Individualität verleihen. Dieses Haben besteht aus einer zutiefst individuellen Gesamtheit folgender Elemente: Wissen, Tugenden und Werte, Kompetenzen, Identität sowie Temperament und Charakter.

Das Zusammenwirken all dieser Elemente zeigt sich in unseren Handlungen darin, was wir tun, dulden oder unterlassen. Dass und wie wir handeln, führt wiederum dazu, dass wir von anderen in einer bestimmten Weise gesehen werden. Dieser soziale Wertungsprozess ist schließlich aufs Engste mit dem verbunden, was wir als Persönlichkeit-Sein bezeichnen. Denn es sind unsere Handlungen, die dazu führen, was der Andere in uns sieht, ob und was für eine Persönlichkeit wir in den Augen des Anderen sind. Einem Mensch, der eine Persönlichkeit ist, wird aus Sicht anderer dabei vor allem Ansehen, Autorität und Charisma zugesprochen.

Eine fortwährende Diskussion in der Gründerforschung besteht darin, ob Gründer geboren oder gemacht werden. Diese Diskussion bezieht sich darauf, ob Menschen gerade den oben genannten Charakter (im Sinne von „Persönlichkeitseigenschaften“) eines Gründers in den Genen haben oder ob es hier Bildungspotenzial gibt. Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es bis heute nicht, wird es (wohl) auch niemals geben. Dennoch lässt sich eine Tendenz dazu erkennen, dass selbst die tieferen Schichten der Persönlichkeit von Bildung beeinflusst werden können. So besteht eine dynamische Wechselwirkung zwischen dem Wissens- und Kompetenzerwerb auf der einen Seite und dem Charakter auf der anderen Seite. Allerdings ist diese Veränderung der tieferen Schichten der Persönlichkeit ein langfristiger Prozess. Daher sollte mit der Bildung des unternehmerischen Persönlichkeitspotenzials möglichst frühzeitig begonnen werden.

Die Lebensphase eines Unternehmens kann idealerweise in Phasen unterteilt werden. Jede dieser Phasen geht jeweils mit unterschiedlichen Herausforderungen an den Unternehmer einher und erfordert von diesem unterschiedliche Entscheidungen: In der Vorgründungsphase geht es vor allem darum, auf die „zündende Idee“ zu kommen und darüber zu entscheiden überhaupt zu gründen. In der Gründungsphase geht es um strategische Überlegungen, Akquisitionen von Geldquellen aber auch um die Hürden der Bürokratie; in dieser Phase fällt die Entscheidung über den Markteintritt. In der Stabilisierungsphase geht es um den operativen Alltag der Unternehmung und womöglich um erste Führungsaufgaben; am erfolgreichen Ende dieser Phase steht die Entscheidung, wie man weiter machen soll mit der Unternehmung (Verkaufen, neues Unternehmen gründen, So-Weitermachen, Wachstum etc). In der Wachstumsphase geht es darum, sich neue Ziele für sich und die Unternehmung zu setzen; die Entscheidungen, die hier getroffen werden, hängen wesentlich damit zusammen, welche Rolle man in der Unternehmung einnimmt (Manager versus Unternehmer).

Jede dieser Phasen verlangt vom Unternehmer, sich grundlegend mit der eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen und auch darüber zu entscheiden, ob und wie die eigene Persönlichkeit entwickelt werden sollte. Denn in jeder Phase muss sich der Unternehmer diese Fragen stellen: Was weiß ich, was kann ich, was bin ich und was will ich? Und was muss ich wissen, was muss ich können, was muss ich sein, was muss ich wollen, um diese Phase erfolgreich angehen zu können? Die Entwicklung des Unternehmens steht damit im engen Zusammenhang mit der Entwicklung der Persönlichkeit des Unternehmers. Oder anders gesagt: Das Unternehmen ist ein Ausdruck der Persönlichkeit des Unternehmers.

Kontakt

Prof. Dr. Werner G. Faix ist Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensund Personalführung an der Steinbeis-Hochschule Berlin sowie Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) der Steinbeis-Hochschule Berlin. Jens Mergenthaler, MBA ist persönlicher wissenschaftlicher Referent der Geschäftsführung an der SIBE. Die SIBE steht für erfolgreichen Wissenstransfer und systematischen Kompetenzaufbau zwischen Wissenschaft
und Wirtschaft und ist fokussiert auf Unternehmen, Organisationen und öffentliche Verwaltungen und auf kompetente, unternehmerisch global denkende und handelnde High Potentials.

Prof. Dr. Werner G. Faix
Jens Mergenthaler
School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) der Steinbeis-Hochschule Berlin (Herrenberg)
SU1249@stw.de

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