Das Geld ist da – wo bleiben die passenden Ideen?!

Rückblick Steinbeis Finanzierungs-Arena 2016

Venture Capital, Kredite, Förderprogramme, Crowdinvesting – auf den ersten Blick scheint das Finanzierungsangebot für die Realisierung von Innovationspotenzialen in Deutschland groß. Und trotzdem beklagen Politiker, Intermediäre, Gründer und Unternehmen im Land die fehlende Bereitschaft von Kapitalgebern, bewusst ins Risiko zu gehen. Die Steinbeis Finanzierungs-Arena am 7. April brachte unter der provokanten Frage „Das Geld ist da – wo bleiben die passenden Ideen?!“ Vertreter von Geldgebern, Start-ups wie auch etablierten Unternehmen zu einer interaktiven, kontroversen Diskussionsrunde zusammen. Durch die Arena führten Prof. Stephan Ferdinand (Hochschule der Medien Stuttgart) und Tina Kraus (SWR). Dass das Thema den Zahn der Zeit und das Interesse der Wirtschaft traf, zeigte die Teilnehmerresonanz: Rund 200 Zuhörer kamen in den Stuttgarter Hospitalhof, weit mehr hatten Interesse und mussten auf den Mitschnitt vertröstet werden.

Christine Gysin-Rosenberger (L-Bank), Eleftherios Hatziioannou (smoope GmbH), Dr. Alex von Frankenberg (High-Tech Gründerfonds) und Guy Selbherr (Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH und Bürgschaftsbank Baden-Württemberg GmbH) brachten ihre Meinungen in den inneren Diskussionsring ein: Als Vertreter der Kapitalgeber auf der einen Seite wie auch der finanzierungssuchenden Existenzgründer auf der anderen Seite vertraten sie teils sehr kontroverse Sichtweisen. Zur Interaktivität der Veranstaltung trägt ganz wesentlich der äußere Diskutantenring bei. Hier begleiteten Heinz Liebrich (Steuerberater), Thomas R. Villinger (Zukunftsfonds Heilbronn GmbH & Co. KG) und Axel Wittig (WEBO GmbH) den Meinungsaustausch kritisch. Dass die Situation in Baden-Württemberg weder mit der im amerikanischen Hightech-Mekka Silicon Valley noch mit der in Berlin verglichen werden kann, darüber herrschte schon zu Beginn der Arena Einigkeit. Ob das jedoch daran liegt, dass hier zu Lande die Rahmenbedingungen für das erfolgreich „Voranscheitern“ fehlen oder das Klischee vom fürs Vorankommen so wichtigen Scheitern und Neu beginnen in der Realität auch in den hier als Vorbild geltenden USA ganz anders aussieht, darin waren sich die Diskutanten uneinig. Viel wichtiger sei, sich den eigenen Stärken im Land bewusst zu sein und diese weit offensiver und selbstbewusster zu kommunizieren. Dies sei eine Schwäche, die wohl der deutschen, insbesondere baden-württembergischen Unternehmermentalität geschuldet sei: Hier gelte Understatement, zu viel Eigenlob und -marketing gelten als unanständig, so die Arenameinung.

Doch nicht nur die unterschiedlichen Sichtweisen von Kapitalgebern und -nehmern waren Thema in der Arena, auch innerhalb der Finanzierungsbranche sind durchaus voneinander abweichende Standpunkte vorhanden: Die klassischen Banken sind in erster Linie ihrer Verantwortung gegenüber den Sparern und Aktionären verpflichtet und durch gesetzliche Regularien in der Risikobereitschaft stark eingeschränkt. Business Angels wie auch Family Offices, die im Land stark vertreten sind aber häufig im Hintergrund agieren, sind hier strategisch im Vorteil. Sie sind weit mehr in der Lage, für Existenzgründungen ins Risiko zu gehen, schließlich investieren sie das eigene Kapital. Das Publikum wie auch Diskutanten warfen in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob klassische Banken damit gar nicht als Risikokapitalgeber und Finanzierer von Existenzgründungen betrachtet werden sollten, da von ihnen ein Vorgehen verlangt werde, das sich mit dem Auftrag der Institute nicht vereinen lässt.

Der Diskussion der fehlenden Risikobereitschaft folgte die Frage nach der Mentalität der Macher. Was zeichnet den erfolgreichen Existenzgründer aus, was unterscheidet ihn von den vielen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, aber doch scheitern? Die Diskutanten betonten die Fähigkeit, in Lösungen zu denken und nicht in Technologien sowie die Fähigkeit, die Kundensicht einnehmen zu können. Für eine ausgeprägtere Macherkultur sei das Netzwerken unabdingbar. Hier ist die Gründerszene in den vergangenen Jahren schon wesentlich aktiver geworden, es bleibt aber Potenzial nach oben.

In der Schlussrunde stellte das Moderatoren-Duo allen Diskutanten dieselbe Frage: Welches elementare Start-up-Problem würde jeder Diskutant am folgenden Tag aus dem Weg räumen, falls er die Möglichkeit dazu hätte? Und die Antworten waren vielfältig. Sie reichten von der schlechten Stimmung als mentales Hindernis über die Barrieren und Vorurteile, die etablierte Unternehmer teilweise gegenüber Start-ups haben, bis hin zu der Angst potentieller Existenzgründer zu scheitern. Einer zentralen Forderung der Diskussionsrunde kamen Zuhörer wie Diskutanten im Anschluss nach. Beim Get-together stand das Netzwerken im Mittelpunkt und gemeinsame Projektideen konnten schon einmal ausgelotet werden.

Kontakt

Der Mitschnitt der Steinbeis Finanzierungs-Arena steht in voller Länge in der Steinbeis-Mediathek unter www.finanzierungsarena.de bereit.

Marina Tyurmina
Steinbeis-Stiftung (Stuttgart)
marina.tyurmina@stw.de

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