Gesund durch den Arbeitsalltag

Modellprojekt im Landkreis Reutlingen fördert Betriebliches Gesundheitsmanagement

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist eine Frage der Haltung und unternehmerischen Verantwortung. Es stellt eine langfristige Investition dar, mit der sich die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter im Unternehmen auch bei verlängerter Lebensarbeitszeit erhalten lässt. Für die erfolgreiche Umsetzung sind eine bewusste Entscheidung für den BGM-Prozess und die konsequente, dauerhafte Bereitstellung aller notwendigen zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen notwendig. Das Modellprojekt „Planung, Aufbau und Umsetzung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements in kleinen und mittleren Unternehmen im Landkreis Reutlingen“ des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg spiegelt die aktuelle Situation der Arbeitswelt hinsichtlich der Bereitschaft zur Umsetzung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement wider. Die Kommunale Gesundheitskonferenz im Landkreis Reutlingen kooperiert mit dem Steinbeis-Beratungszentrum Betriebliches Gesundheitsmanagement im Modellprojekt.

2014 gründete die Kommunale Gesundheitskonferenz Reutlingen das kommunale Netzwerk „Dialog Arbeit und Gesundheit“ mit Teilnehmern zahlreicher kommunaler Interessenvertretungen des Landkreises Reutlingen. Schnell wurde deutlich, dass im Netzwerk ein gemeinsames Verständnis darüber, wie das komplexe Thema BGM zu definieren und umzusetzen ist, fehlte. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee eines Multiplikatoren-Modells, um ein gemeinsames Verständnis für BGM zu entwickeln, regionale BGM-Erfolgsmodelle aufzubauen und passende Werkzeuge zur Umsetzung von BGM zu erarbeiten.

Das Multiplikatoren-Modell besteht aus zwei Gruppen: das gesamte Netzwerk „Dialog Arbeit und Gesundheit“ stellt die übergeordnete Gruppe dar, die für alle offen ist. Die Beteiligten verstehen sich als Multiplikatoren für BGM und sollen befähigt werden, kompetent und überzeugend für Betriebliches Gesundheitsmanagement zu werben. Die andere Gruppe bildet eine interne Schulungsgruppe, die an einer BGM-Schulungsreihe teilnimmt, um die Umsetzung von BGM theoretisch zu erlernen und praktisch in der eigenen Organisation umzusetzen. Aus den theoretischen Schulungsinhalten und praktischen Erfahrungen bei der Umsetzung entsteht ein Instrumentarium für BGM, das am Ende der Schulungsreihe in Form eines Leitfadens zusammengefasst und an die Multiplikatoren weitergegeben werden soll.

Ulrike Niethammer, Leiterin des Steinbeis-Beratungszentrums Betriebliches Gesundheitsmanagement in Herrenberg, konzipierte die fachliche und methodische Ausrichtung der BGM-Schulungsreihe. „Ziel der Schulungsreihe ist es, ein gemeinsames Verständnis für BGM zu erarbeiten, Schritte der Umsetzung auf ihre Praxistauglichkeit hin zu überprüfen, im Prozess eine Identifikation mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement zu erzielen und Motivation für die Umsetzung von BGM in der eigenen Organisation zu erzeugen“, erläutert sie den Fahrplan für die Schulungsreihe, die aus sieben Workshop-Einheiten besteht. Dabei ist Ulrike Niethammer wichtig: „Learning by doing steht bei uns im Mittelpunkt: Die Theorie wird immer auf Praxistauglichkeit erprobt. So können die Anforderungen des BGM an die konkreten Bedarfe des Unternehmens angepasst werden.“

Im November 2015 haben fünf KMU die erste BGM-Schulungsreihe erfolgreich abgeschlossen. Sie sind für das Thema Gesundheit im Kontext der Arbeit sensibilisiert und setzen BGM in zahlreichen Maßnahmen im eigenen Unternehmen erfolgreich um. Im Landkreis Reutlingen fungieren sie als Erfolgsmodelle für BGM. Das Feedback der Schulungsteilnehmer fällt sehr positiv aus. Die Handwerkskammer Reutlingen als Teilnehmerin lobt, dass „in theoretischen und praktischen Anwendungen die Angst vor dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement genommen werden konnte“ und „durch die individuelle Zusammensetzung der Gruppe ein reger Erfahrungsaustausch möglich war“. Um die Mitarbeiter weiter und strukturierter unterstützen zu können, soll langfristig ein Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Handwerkskammer implementiert werden. In der SchwörerHaus KG gab es bereits eine Vielzahl an einzelnen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Was fehlte, war die klare Struktur des Gesundheitsmanagements. Die Teilnahme an der Schulungsreihe hat den Anstoß gegeben, das Betriebliche Gesundheitsmanagement aufzubauen und auf andere Bereiche auszudehnen.

Die Kommunale Gesundheitskonferenz hat vor kurzem den erarbeiteten Leitfaden für Betriebliches Gesundheitsmanagement in KMU herausgegeben und bewirbt ihn über das Netzwerk „Dialog Arbeit und Gesundheit“ im Landkreis Reutlingen. Die Schulungsteilnehmer der ersten Schulungsreihe sind Ansprechpartner für interessierte Unternehmen, um ihre Erfahrungen mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement zu teilen und vom Nutzen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu überzeugen. Das Netzwerk „Dialog Arbeit und Gesundheit“ will mit dem Leitfaden auch über die Grenzen des Landkreises Reutlingen hinaus Interesse für Betriebliches Gesundheitsmanagement und das Multiplikatoren-Modell wecken.

Kontakt

Der Leitfaden „Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements in KMU“ kann über
die Kommunale Gesundheitskonferenz in Reutlingen und das Steinbeis-Beratungszentrum
Betriebliches Gesundheitsmanagement bezogen werden.

Ulrike Niethammer
Steinbeis-Beratungszentrum Betriebliches Gesundheitsmanagement (Herrenberg)
ulrike.niethammer@stw.de 

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