Burnout in der Erschöpfungsgesellschaft

Steinbeis-Informationsabend in Herrenberg

Mehr als 100 Zuhörer kamen zum Herrenberger Informationsabend des Steinbeis-Beratungszentrums Betriebliches Gesundheitsmanagement in Kooperation mit Dr. Jürgen Bauer und dem Netzwerk Gesundheit Herrenberg und Gäumed. Thema des Abends war Burnout und Burnout-Prophylaxe und die Frage „Wie kann es gelingen, die täglichen Herausforderungen energie-, humor- und lustvoller anzugehen?“.

Mit dieser Frage beschäftigte sich der Vortrag von Dr. Carsten Till, Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapeut und Betriebswirt und seit 1999 Chefarzt der AHG Klinik Hardberg. Sein Credo: Entschleunigung und ein humorvoller und verständnisvoller Umgang mit sich selbst und den eigenen Stärken und Schwächen.

Carsten Till nennt zur Einführung erschreckende Zahlen. Ein Drittel aller Arbeitnehmer geben „starke psychische Belastungen“ an, mehr als zwei Drittel „allgemeine psychische und psychosomatische Symptome“. Die gesellschaftlichen Kosten der Gesundheitsschäden durch Produktivitätsausfälle, medizinische und therapeutische Behandlungen, Krankengeld und Rentenzahlungen sind enorm.

Den Schwerpunkt seines Vortrags legt Carsten Till, Vater von vier Kindern mit zwei verschiedenen Jobs an zwei Kliniken und reichhaltiger Selbsterfahrung im Balancieren, allerdings auf die Fragestellung, wie „genussvolle und kreative Lebensbalance auch in schwierigen Zeiten" gelingen kann. Seine Empfehlungen:

  • Einen Ausgleich zum Alltag und zur Pflichterfüllung in der Natur zu suchen. Sie helfe dabei, immer wieder zwischen Nichtigem und Wichtigem zu unterscheiden und eine Angemessenheit in den Dingen des täglichen Lebens zu erreichen, was gleichzeitig helfe, Prioritäten zu setzen.
  • Von der Außenschau gelegentlich die Aufmerksamkeit vermehrt nach innen zu richten und inneren Werten, Anlagen und Vorstellungen zu folgen.
  • Zwischen beruflichen Pflichten und privaten Herausforderungen immer wieder ein Gleichgewicht herzustellen.
  • Einen Ausgleich zwischen Geben und Nehmen anzustreben.
  • Zu unterscheiden zwischen Gegebenheiten, die sich nicht ändern lassen und zwischen Problemen, für die es eine Lösung gibt.
  • Perfektionisten empfiehlt Dr. Till, sich schon mit dem Erreichen und Umsetzen von 65 bis 70% der gesteckten Ziele zufrieden zu geben.
  • Fehler sollten als Lernfeld erkannt werden, um neue Sichtweisen und Lösungsmöglichkeiten hervorzubringen.
  • Gelegentlich sei es sinnvoll und bereichernd immer wieder Erfahrungen außerhalb des Gewohnten und Bekannten zu suchen, also einen Perspektivenwechsel einzunehmen.
  • Arbeitgeber sollten Mitarbeiter neben ihren fachlichen Kompetenzen nach Werten aussuchen, die der Wertehaltung des Unternehmens und der Mitarbeiterschaft entsprechen. Ziele müssen von der Geschäftsleitung klar definiert sein. Gleichzeitig müsse ein angemessener Handlungsspielraum gewährleistet werden, in welchem dem Einzelnen Art und Weise des Umsetzens und Erfüllens von Zielevorgaben weitestgehend selbst überlassen sei.


Der Abend gab allen Anwesenden zahlreiche Anregungen zur Selbstentwicklung und Kontaktmöglichkeiten zu Therapeuten und Fachleuten. Der Vortrag von Carsten Till kann per Mail beim Steinbeis-Beratungszentrum Betriebliches Gesundheitsmanagement angefordert werden.

Zuletzt geändert am 18. Mai, 2011 von HJE