Preisträger 2013

Traditioneller Orgelbau trifft auf moderne Wissenschaft

Klang – Architektur – Technik, in der Schnittmenge dieser Begriffe steht das Phänomen Orgel mit all seinen Facetten. Mit der Orgel als einem der vielseitigsten Musikinstrumente weltweit trifft traditionelles Handwerk auf Wissenschaft. Die Orgelforschung stellt sich der Herausforderung, dieses Handwerk im Hochpreissegment mit modernster Wissenschaft und neuen Technologien zusammenzubringen. In acht europäischen Forschungsprojekten, die das Steinbeis-Europa-Zentrum (SEZ) koordinierte, haben die Partner Werkstätte für Orgelbau Mühleisen GmbH, Steinbeis-Transferzentrum Angewandte Akustik, Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) und SEZ erfolgreich zusammengearbeitet. Ziel war es, das traditionelle Windsystem – der Teil der Orgel, der ihren Klang nachhaltig beeinflusst – besser planen und optimierter dimensionieren zu können.

Antje Seyd-Mundhenke (Steinbeis), Konrad Mühleisen (Werkstätte für Orgelbau Mühleisen), Karl-Martin Haap (Werkstätte für Orgelbau Mühleisen), Dr. Judit Angster (Fraunhofer), Prof. Dr. Philip Leistner (Fraunhofer), Dr. Jonathan Loeffler (Steinbeis), Prof. Norbert Höptner (Steinbeis), Zlatko Dubovski (Fraunhofer) (v.l.n.r.)

Der Orgelbau ist keine Massenproduktion, jede Orgel ist ein Unikat mit einem einzigartigen Klang, und sollte speziell für den Raum optimiert werden, in dem sie später stehen wird. Wissenschaftliche Methoden der Akustikforschung helfen, die Orgel so zu konstruieren, dass ihr Klang optimal auf die Raumakustik abgestimmt ist und so voll zur Geltung kommt.

Neben der Optimierung des bestehenden Windsystems hatten die Projektpartner das Ziel, neue Windsysteme zu entwickeln, die entweder durch eine verbesserte mechanische Regulierungseinrichtung oder ein elektronisches Steuerungssystem einen störungsfreien Betrieb der Orgel gewährleisten. Im Labor des Fraunhofer IBP wurden zusammen mit dem Steinbeis-Transferzentrum Angewandte Akustik die wichtigsten Elemente eines Windsystems einzeln auf ihre strömungstechnischen und akustischen Eigenschaften hin untersucht. Durch die Entwicklung mechanisch sowie elektronisch gesteuerter Auslassventile können die Orgelbauer das Winddruckverhalten nun besser steuern. Es wurde eine Software entwickelt, mit der sowohl traditionelle als auch neuartige Windsysteme optimiert entworfen und darüber hinaus bei gleichzeitiger Verbesserung der Klangqualität auch die Produktionskosten um 15 bis 20 % gesenkt werden können. Kern der Software ist ein physikalisches Modell, in dem die strömungstechnischen Vorgänge im Windsystem und das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten beschrieben werden. Das neu entwickelte System wird bereits erfolgreich von Orgelbauunternehmen in der Praxis eingesetzt. Die Ergebnisse aus den Forschungsprojekten sind darüber hinaus gebündelt in die am Fraunhofer IBP stehende Forschungsorgel gefl ossen. Orgelbau Mühleisen, Fraunhofer und Steinbeis haben hier ein gläsernes Instrument geschaffen, das der Wissenschaft zu Forschungszwecken dient – weltweit einzigartig. Für diese langjährige Entwicklungszusammenarbeit werden sie mit dem Transferpreis der Steinbeis-Stiftung – Löhn-Preis ausgezeichnet.

Projektpartner

  • Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
  • Werkstätte für Orgelbau Mühleisen GmbH
  • Steinbeis-Transferzentrum Angewandte Akustik
  • Steinbeis-Europa-Zentrum Karlsruhe

    Ansprechpartner

    Prof. Dr.-Ing. Norbert Höptner, Dr. Jonathan Loeffler
    Steinbeis-Europa-Zentrum Karlsruhe

    Prof. Dr. András Miklós
    Steinbeis-Transferzentrum Angewandte Akustik

    Traditioneller Orgelbau trifft auf moderne Wissenschaft

    Dauer: 6 Min.
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