„Mein Anspruch ist es, etwas Neues auszuprobieren und dabei möglichst viel zu lernen – und natürlich auch als Unternehmer erfolgreich zu sein“

Thomas Link gründet mit der Geschäftsidee „FTT - Fahrbarer Transporttisch“ gemeinsam mit Philipp Pfundstein und Karl-Bang Gottlebe sein eigenes Start-up. Im Rahmen des ESF-Förderprogramms „Exi-Gründungs-Gutscheine“ begleitete Ruben Maier, Leiter des Steinbeis- Forschungszentrums Simulation, der bei Steinbeis als Existenzgründerberater tätig ist, das Team. In einem gemeinsamen Interview berichten die beiden über ihre Erfahrungen in diesem Gründungsprojekt.

Ruben Maier im Gespräch mit dem jungen Gründer-Team

Herr Link, wann und wie reifte bei Ihnen der Entschluss, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Nachdem ich mich bei meiner Abschlussarbeit mit der betriebswirtschaftlichen Seite des fahrbaren Transporttisches auseinandergesetzt hatte, stand für mich fest, dass ich nach meinem Studium zusammen mit Philipp Pfundstein die Idee in die Tat umsetzen wollte. Zu Ruben Maier kam ich über die Empfehlung eines Bekannten, der bei seinem Gründungsvorhaben ebenfalls von ihm beraten wurde. Ich habe Herrn Maier dann im Juni 2015 während meiner Bachelorthesis angesprochen. Für uns war es wichtig zu wissen, ob es eine Idee ist, die man unternehmerisch verfolgen kann. Wir wollten mit einem Experten sprechen, der Erfahrung im Aufbau von Unternehmen mitbringt und uns darin unterstützt, grundlegende Fehler zu vermeiden.

Herr Maier, wie sind Sie bei der Beratung vorgegangen?

Nach einem ersten Kennenlerngespräch und der Begutachtung des Prototypens konnte ich relativ schnell die Überzeugung von Thomas und Philipp teilen, dass die Produktidee erfolgsversprechend ist. In der achtstündigen Kompaktberatung, die für Gründungsinteressierte kostenfrei ist, konnten wir dies prüfen. Ziel dieser Beratung war es, herauszufinden, ob die Geschäftsidee Potenzial hat und ob die beiden Gründer auch tatsächlich für eine Gründung geeignet sind.

Wie ging es dann mit der Beratung weiter?

Thomas Link: Unser Ziel war es, das EXIST-Gründerstipendium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und so finanzielle und strukturelle Unterstützung zu erhalten. Herr Maier hat sehr schnell erkannt, dass wir hierfür noch einen weiteren Mitgründer benötigten, um eine Chance zu bekommen, an diesem Programm teilzunehmen. Folglich war ein Hauptziel der weiteren Beratung, ein neues Teammitglied zu rekrutieren, welches idealerweise unsere fehlende Kompetenz im Bereich der Mechatronik mit ins Unternehmen einbringt.

Ruben Maier: Wir konnten mehrere Gespräche an der Hochschule Pforzheim mit gründungswilligen Studierenden führen. Unseren absoluten Favoriten, Karl-Bang Gottlebe, konnten wir überzeugen, in das Team einzusteigen. Er ergänzt das Team fachlich perfekt, da er als Mechatronik- Student das wichtige und noch fehlende Know-how in das Unternehmen einbringt. Zum anderen passt er persönlich sehr gut ins Team. Auch Produktdesign und -ergonomie sowie die Preiskalkulation standen auf unserer Agenda.

Herr Link, Sie stehen noch ganz am Anfang Ihrer Selbstständigkeit, dennoch, was würden Sie als Ihre größten Erfolge bezeichnen und was sind Ihre Ziele als Unternehmer?

Unser größter Erfolg ist auf jeden Fall die Zusage für das EXIST-Gründerstipendium seit August dieses Jahres. Mit dem Stipendium bekommen wir nun ein monatliches Gründergehalt und Gelder für unser Unternehmen. Philipp konnte dank dieser Zusage nun seine Vollzeitstelle als Angestellter kündigen und sich, ebenso wie Karl und ich, ganz auf unser Startup konzentrieren. Mein persönliches Ziel als Unternehmer ist es, mich selbst zu verwirklichen und jeden Tag mit Freude bei der Arbeit zu sein. Mein Anspruch ist es, etwas Neues auszuprobieren und dabei möglichst viel zu lernen – und natürlich auch als Unternehmer erfolgreich zu sein.

Verraten Sie uns, was Ihre größten Ängste und Bedenken hinsichtlich Ihrer Unternehmensgründung waren?

Dass eine Existenzgründung mit einem gewissen Risiko verbunden ist, war mir von Beginn an klar – und dennoch, nur wer wagt, der gewinnt. Für uns als Team ist vor allem wichtig, Risiken und Sorgen offen anzusprechen und dann gemeinsam zu entscheiden, welche Risiken wir bereit sind einzugehen. Die Sorge beispielsweise, dass wir bei wesentlichen strategischen Entscheidungen nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen oder dass nicht alle Teammitglieder mit gleicher Kraft am selben Strang ziehen könnten, wird sich vermutlich erst mit der Zeit legen. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass eine Teamgründung wesentlich mehr Vor- als Nachteile mit sich bringt und wir gemeinsam deutlich mehr erreichen können. Und dann gibt es ja auch noch eine Reihe an externen Risiken, z.B. dass ein Kunde nicht bezahlt oder wir einen notwendigen Bankkredit nicht erhalten. Hier hat uns die Erstellung einer Risikoanalyse geholfen, interne und externe Risikopotenziale zu identifizieren. Nun liegt es an uns, Maßnahmen zur Vorbeugung und Risikominimierung zu treffen, um möglichst vorausschauend in die Selbstständigkeit starten zu können.

Herr Maier, Sie haben schon viele Existenzgründer begleitet. Welche Fehler beobachten Sie häufig? Was sind die klassischen Stolperfallen? Und wie können Gründer hier vorbeugen?

Viele Gründer haben eine sehr einseitige Sicht auf die eigene Idee. Diese ist leider häufig fern von den Markt- und Kundenbedürfnissen. Einige haben auch Bedenken, mit Bekannten über die eigene Geschäftsidee zu sprechen. Hier besteht häufig die Angst, dass diese die Idee selbst verfolgen könnten. Diese Befürchtung ist allerdings eher unbegründet, da der Weg von einer Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung doch meist lang und steinig ist. Ich kann daher nur empfehlen, im Vorfeld so viel Feedback wie möglich einzuholen – von Bekannten, Freunden und potenziellen Kunden.

Herr Link, wie geht es nun bei Ihnen weiter?

Wir versuchen natürlich auch weitere Gelder für unser Unternehmen zu erwirtschaften und uns bekannt zu machen. Hierfür nehmen wir nun regelmäßig an Pitch-Wettbewerben teil. Auch hierbei hat uns Herr Maier unterstützt und gecoacht. Wenn möglich begleitet er uns sozusagen als moralische Unterstützung zu den Wettbewerben. Ansonsten ist unser klares Ziel, im kommenden Jahr unser Produkt marktfähig zu machen und die Marketing- und Vertriebsstrategie zu erarbeiten.

Herr Maier, welche Tipps würden Sie Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

Grundsätzlich ist ein Gründungsvorhaben immer mit Risiken verbunden. Gerade deshalb ist es notwendig, sich vor der Gründung fachkundigen Rat einzuholen. Ich empfehle daher allen Gründungsinteressierten, sich an die passenden Anlaufstellen wie beispielsweise die Kammern zu wenden, die kostenfreie Erstberatungen anbieten. Wenn sich die Gründungsidee konkretisiert und man ernsthaft Potenzial im eigenen Unternehmen sieht, steht in Baden-Württemberg das ESF-Programm Exi- Gründungs-Gutscheine zur Verfügung. Die in diesem Programm zugelassenen Beratungsdienste wie Steinbeis haben erfahrene Spezialisten, die gerne helfen, das Vorhaben erfolgreich zu verwirklichen.

Kontakt

Thomas Link, Absolvent an der Hochschule Pforzheim, wandte sich auf der Suche nach dem Thema seiner Abschlussarbeit an die Hochschule und trat hierbei das erste Mal in Kontakt mit Philipp Pfundstein. Dieser hatte die Geschäftsidee eines fahrbaren Transporttisches als Helfer im Haushalt und in der Pflege. Die Idee kam Philipp Pfundstein, der von Beruf Anlagenbauer ist, als er eine Beinverletzung hatte. Er schraubte ein Tablett auf ein ferngesteuertes Spielzeugauto und konnte so trotz zweier Krücken Kaffee, Geschirr oder andere Gegenstände selbstständig transportieren.

Ruben Maier, Maschinenbau-Ingenieur, ist Leiter des Steinbeis-Forschungszentrums Simulation und arbeitet als Dozent an einer privaten Universität und an der Hochschule Pforzheim. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Gründungsberater für das Steinbeis-Beratungszentrum Existenzgründung begleitet er das Vorhaben der jungen Gründer.

Ruben Maier
Steinbeis-Forschungszentrum Simulation (Stuttgart)
su1775@stw.de 

Thomas Link
thomas.link@hs-pforzheim.de

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