„Technologietransfer ist für uns von großer Bedeutung“

© DHBW/Klaus Mellenthin
© DHBW/Klaus Mellenthin

Seit Februar 2016 entscheidet Professor Arnold van Zyl als Präsident über die Geschicke der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Die Erwartungen an die Weiterentwicklung dieses Erfolgsmodells im dualen Studium sind groß, dank jahrelanger Tätigkeit in der Forschung wie auch in der Automobilindustrie kennt der promovierte Ingenieur die Erwartungen der Wirtschaft an die Ausbildung ihrer Nachwuchsführungskräfte genau. TRANSFER sprach mit Arnold van Zyl über die Anforderungen an eine moderne Hochschulausbildung und die immer wichtiger werdende Schnittstelle Wissenschaft – Wirtschaft.

Herr Professor van Zyl, seit 2009 ist die frühere Berufsakademie auch offiziell Teil der akademischen Welt: Die Umwandlung in eine Hochschule hat unter anderem mit sich gebracht, dass die DHBW nun einem kooperativen Forschungsauftrag nachkommt. Bei Ihrem Amtsantritt haben Sie als eines von vier Handlungsfeldern formuliert, ein eigenes Forschungsprofil entwickeln zu wollen. Wo sehen Sie hier das Alleinstellungsmerkmal der DHBW, was wird dieses Profil auszeichnen?

Dem Prinzip der Dualität entsprechend findet Forschung an der DHBW anwendungs- und transferorientiert statt, in Kooperation mit den Dualen Partnern, insbesondere den KMU und kommunalen sowie sozialen Einrichtungen. Die kooperative Forschung wird dabei in vielfältigen Projektund Organisationsformen durchgeführt; von großer Bedeutung ist hierbei auch die Transdisziplinarität, das heißt, dass bei technischen Fragestellungen auch wirtschaftliche und soziale Aspekte mitbeleuchtet werden. Die kooperative Forschung trägt zur Wissensbildung bei und bietet einen Mehrwert für unsere Partner. Sie strahlt aber auch sehr stark auf die Lehre aus. Wir schärfen damit unser besonderes Absolventenprofil zudem mit wissenschaftlichen und forschungsmethodologischen Kompetenzen.

Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung im Unternehmen zu bringen, das ist die Aufgabe der Transfer GmbH der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. In diesem Kooperationsunternehmen von DHBW und Steinbeis sind seit 2013 zahlreiche Steinbeis-Unternehmen erfolgreich aktiv. Wie wichtig ist der konkrete Technologietransfer für eine anwendungsbezogene Hochschule wie die DHBW?

Dieser Technologietransfer ist für uns von großer Bedeutung. Wir sehen unseren Forschungsauftrag nicht nur darin, neues Wissen zu generieren. Dieses Wissen soll vor allem auch konkrete Anwendung in unseren Partnerunternehmen finden und Lösungsansätze bieten.

Die DHBW ist in Baden-Württemberg an neun Standorten und zusätzlich drei Campus vertreten. Bei aller überregionalen Präsenz betonen Sie, insbesondere auf lokaler Ebene und als regionaler Partner vermehrt aktiv werden zu wollen. Was heißt das für Ihre geplanten Innovations- und Transferaktivitäten?

Wir haben in den jeweiligen Regionen unserer Standorte sehr vielfältige Innovations-Ökosysteme, die uns großartige Möglichkeiten bieten für unsere Transferaktivitäten. Wir sehen hier viele Chancen, auf lokaler Ebene Wissenscluster zu bilden, die in besonderer Weise auf die regionalen Bedürfnisse abgestimmt sind.

Grundsätzlich verstehen wir uns als regionale Impulsgeber, die konkreten Wissens- und Technologietransfer vor Ort leisten. Damit leisten wir auch einen gesellschaftlichen Mehrwert. Dies zählt neben Forschung und Lehre zu den zentralen Aufgaben einer Hochschule. Durch unsere engen Verbindungen zu unseren Unternehmen und sozialen Einrichtungen sind wir dazu geradezu prädestiniert.

Die Entwicklung der Studierendenzahlen an der DHBW kennt seit Jahren nur eine Richtung: stetig nach oben. Das duale Studium aus Theorie und Praxis erfüllt bis heute passgenau die Anforderungen, die Unternehmen an die Ausbildung ihres akademischen Nachwuchses haben. Was sind für Sie die wichtigen Weichenstellungen in der Zukunft, um mit dem Konzept weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben?

Die DHBW hat sich mit ihrem dualen Erfolgskonzept als ein zuverlässiger Bildungspartner etabliert. Wir müssen auch zukünftig sicherstellen, dass wir den sich stetig verändernden Erwartungen unserer Studierenden und unserer Dualen Partner gerecht werden und uns hier weiterentwickeln. Dies bedeutet eine weitere Optimierung der Berufsbefähigung, der sogenannten Employability, der DHBW-Absolventinnen und -Absolventen sowie eine ständige kritische Überprüfung unserer Studieninhalte. Durch den intensiven Austausch mit unseren Dualen Partnern und ihrer Mitwirkung in zahlreichen unserer Gremien ist nicht nur die Qualitätssicherung gewährleistet, sondern gerade diese Weiterentwicklung unseres Konzeptes im beständigen kritischen Dialog. Neben diesem Austausch mit unseren Dualen Partnern sichern wir uns zudem durch unser Netzwerk mit inzwischen 140.000 Absolventinnen und Absolventen Wissen über aktuelle Entwicklungen und die Bedürfnisse der Wirtschaft.

Prof. Arnold van Zyl
Prof. Arnold van Zyl

Kontakt

Prof. Arnold van Zyl PhD/Univ. of Cape Town studierte Chemical Engineering an der University of Cape Town und wurde 1987 zum PhD in Engineering promoviert. Nach seinem Postdoc am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart war er von 1990 bis zum Jahr 2000 in verantwortlichen Funktionen in den Bereichen Forschung und Entwicklung im Automobilsektor in Stuttgart, Ulm und Brüssel tätig. Von 2001 bis 2007 vertrat er die europäische Automobilindustrie in San Diego (USA) und Brüssel. In den Jahren 2008 bis 2011 war van Zyl Vizepräsident für Forschung, Innovation und Internationales an der forschungsstarken Stellenbosch University (Südafrika), die heute zu den besten Universitäten Afrikas zählt. Von 2012 an war er Rektor der Technischen Universität Chemnitz.

Prof. Arnold van Zyl PhD
Duale Hochschule Baden-Württemberg (Stuttgart)
vanzyl@dhbw.de

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