Vorausschauend gebaut

Die Rahmenbedingungen für das Bauen werden heute durch Klima- und Umweltschutzziele sowie Anforderungen an die Ressourcenschonung bestimmt. Auch die Anforderungen an Funktionalität, Flexibilität, Gesundheitsschutz und Behaglichkeit wachsen. Um zu hinterfragen, ob diese Ansprüche beim Bau eines Gebäudes erfüllt wurden, hat das Bundesbauministerium 2010 das „Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB)“ für die Bewertung der Nachhaltigkeit von Nichtwohngebäuden der öffentlichen Hand in Deutschland eingeführt. Das Steinbeis-Transfer-Institut Bau- und Immobilienwirtschaft ist als BNB-Systemanbieter vom Ministerium anerkannt und bietet die Ausbildung und Prüfung von „Sachverständigen für Nachhaltiges Bauen (SHB)“ und die Konformitätsprüfung von BNB-Bewertungen der Sachverständigen an.

Ludwig-Bölkow-Haus“ am Schweriner See

Das Grundprinzip der Nachhaltigkeit „Ausgewogenheit zwischen ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Anforderungen“ wird beim Bauen um technische und prozessuale Anforderungen ergänzt und auf den Lebenszyklus eines Gebäudes bezogen. Die Anwendung des BNB ermöglicht die Bewertung der erwarteten Qualitäten unterteilt in 46 Kriterien. Der Bund oder anerkannte Konformitätsprüfungsstellen überprüfen die Nachhaltigkeitsbewertungen und verleihen das Gütesiegel des Bundes in Bronze, Silber oder Gold.

Seit 2011 haben die Steinbeis-Experten um Bernd Landgraf am Steinbeis- Transfer-Institut mehr als 100 Sachverständige qualifiziert, die bundesweit tätig sind. Aktuell begleiten sie 20 BNB-Projekte des Bunds sowie der Länder und Kommunen: Sie umfassen Büro-, Unterrichts- und Laborgebäude, die nach ihrer Fertigstellung von Steinbeis geprüft und zertifiziert werden. Für Neubau- und Modernisierungsprojekte von Schulen und Hochschulen entwickelt das Steinbeis-Team die Bewertungskriterien für Komplettmodernisierungen im Rahmen von Forschungsprojekten. „2015 haben wir daneben neue Bewertungsmaßstäbe für die Ökobilanzierung und Lebenszykluskostenanalyse auf Basis umfangreicher Modellrechnungen erarbeitet, sie gelten seit 2016 bundesweit“, erläutert Bernd Landgraf.

Der Nutzen von Nachhaltigkeitszertifizierungen besteht in der dokumentierten und geprüften Qualität zentraler Gebäudeeigenschaften. Zur Erreichung dieser Eigenschaften ist ein planungs- und ausführungsintegrierter Prozess notwendig. Dieser Prozess dokumentiert die Erwartungen der Nutzer und dient als Grundlage für die Messung des Ergebnisses. Im Kern bedeutet das die konsequente Analyse der Wechselwirkungen raumbildender, baukonstruktiver, baustofflicher und gebäudetechnischer Lösungen im Gebäudelebenszyklus in Verbindung mit der Simulation von Nutzungs- und Betriebsszenarien. Dieses Vorgehen setzt ein integratives Miteinander und das Wissen aller über die Wechselwirkungen disziplinärer Teillösungen voraus. Außerdem erfordert integrale Planung ein gemeinsames Zielverständnis und die Bereitschaft, Synergien in der Verschmelzung einzelfunktionaler Planungslösungen zu schaffen. Systeme der Nachhaltigkeitsbewertung ermöglichen eine unabhängige Bewertung von Lösungsvarianten.

Jedes Gebäude kann nachhaltig geplant, gebaut und betrieben werden, unabhängig von Nutzung und Standort. Das erste vom Steinbeis-Team zertifizierte Bürogebäude ist das „Ludwig-Bölkow-Haus“ in Schwerin. Bauherr und Hauptnutzer ist die IHK zu Schwerin. Die Steinbeis-Experten haben das Bürogebäude mit dem Gütesiegel in „Silber“ zertifiziert. Das Gebäude beherbergt Konferenzräume und Büroflächen der IHK und externer Mieter. Die besonderen Baugrundbedingungen am Standort führten zu einer Pfahlgründung mit Energiepfählen für eine Geothermie. Die so gewonnene Umweltwärme wird über eine Betonkernaktivierung genutzt und erzeugt einen hohen Komfort bei geringer Umweltwirkung und hoher Wirtschaftlichkeit. Die Grundrissgestaltung ermöglicht eine kleinteilige Vermietung und die gleichermaßen funktionale wie gestalterisch hochwertige Fassade schafft eine gute Tageslichtversorgung der Arbeitsplätze. Der Einsatz langlebiger und emissionsarmer Bauprodukte sorgt für eine gesunde Arbeitsumgebung und niedrige Lebenszykluskosten. Das Steinbeis-Team war sich einig: ein herausragendes Beispiel für nachhaltiges Bauen.

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